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I ain’t afraid of no ghosts!

22. März 2017

Nach dem ich den Zauber des ersten „Ghostbusters“-Film noch einmal durchlebt habe und dann feststellen musste, dass „Ghostbusters 2“ nur in meiner Erinnerung wirklich, wirklich gut war, habe ich mich dem großen, bösen Reboot gestellt. Ich werde jetzt nicht noch einmal auf diese unmögliche Debatte eingehen, die im Vorfeld des Films entstand, aber ich sage dazu so viel: Es ist schon bezeichnend für die Welt, in der wir jetzt leben, dass man sich lange, lange vorher über etwas aufregt, ohne es gesehen zu haben, nur weil irgendwelche „nostalgische“ Gefühle verletzt werden. Ja, ich war auch nicht glücklich, dass es ein Reboot zu den „Ghostbusters“ geben würde, aber das macht ja die Erfahrung des Klassikers nicht kaputt. Sollen Hardcore-Fans doch einfach dem Reboot fernbleiben und gut ist. Auch die Tatsache, dass Frauen jetzt die Männer ablösen – deswegen jetzt gleich den Weltuntergang zu beschwören, ist auch… naja, irgendwie traurigerweise auch passend für die Zeit, in der wir leben. Ich habe auf diesen ganzen Bullshit nichts gegeben, wollte mir den Film auch einfach erst gar nicht anschauen, aber die Neugierde hat mich jetzt doch besiegt… weswegen ich Paul Feigs Reboot dann mal eine Chance gegeben habe.

Zum Inhalt will ich gar nicht viel sagen: Das Reboot fängt ähnlich an wie der erste „Ghostbusters“-Film: drei Wissenschaftler finden sich zusammen und jagen Geister und bekommen mittendrin noch einen vierten Ghostbuster dazu, der keine Ahnung von Wissenschaft hat. Die neuen Ghostbusters sind Abby Yates (Melissa McCarthy als Dan Akroyd-Ersatz), Erin Gilbert (Kristen Wiig als Harold Ramis-Ersatz), Jillian Holtzmann (Kate McKinnon als Bill Murray-Ersatz) und Patty Tolan (Leslie Jones als Ernie Hudson-Ersatz). Erst will sie keiner für voll nehmen, dann tauchen die ersten Geister auf und alle mögen sie doch und dann kommt das große Geister-Finale. Ach ja, und sie haben den dümmsten Menschen der Welt als Sekretär: Kevin (Chris Hemsworth).

Sie hätten zuhause bleiben sollen

Ich dachte, mein Erfahrung mit Teil 2 hätte mich auf diesen Film vorbereitet. Aber nichts konnte mich auf diesen Film vorbereiten. Ich hatte ja schon von vielen Seiten gehört, dass der Film nicht gut sein soll, weswegen ich nichts, wirklich gar nichts Großes von diesem Film erwartet habe. Und trotzdem hat mir „Ghostbusters“ zu keiner Minute gefallen. Was für ein humorloser Film!!! Ich hätte es ja nicht für möglich gehalten, dass eine Komödie so dermaßen unlustig sein kann.

Ich kann zwei Dinge nennen, die ich einigermaßen okay fand: Das wären zum einen die Gadgets, die fand ich tatsächlich alle ziemlich cool, weil es mal ein paar andere Sachen waren als die Sachen, die man schon kannte. Und zum anderen wäre das die Grundidee der Geschichte. Größtes Problem dabei war jedoch der vermeintliche Bösewicht, der in keinster Weise irgendwie eingeführt wird. Er ist einfach da und will Geister befreien, weil ihn… alle hänseln??? An sich aber fand ich die Idee dahinter mit dem riesigen Portal nicht so übel. In fähigen Händen hätte man daraus ja vielleicht noch was machen können.

Das war’s dann aber auch schon mit dem „Lob“ für „Ghostbusters“. Der Rest des Films ist eigentlich nicht zu beschreiben. Am meisten erschrocken hat mich wirklich die Tatsache, wie unlustig dieser Film ist. Und viel schlimmer, wie verzweifelt er versucht, lustig zu sein. Ich konnte wirklich kaum über irgendwas lachen, ich fand es einfach alles so dermaßen dumm. Das war alles so dermaßen albern und viel schlimmer noch ohne Gefühl für Timing. Der ganze Film fühlt sich wie eine verzweifelte Sketch-Show an, bei der kein Witz wirklich zieht. Und dem Ganzen setzt Paul Feig dann durch den dummen Kevin die Krone auf.

Was bitte sollte Kevin denn sein??? Oh mein Gott, was zur Hölle war das? Wie zur Hölle konnte Chris Hemsworth zu sowas nur „Ja“ sagen? Haben sie ihm mit Mord gedroht? Mit Rausschmiss bei Marvel? Bitte, was war das? Ich meine, dümmliche Charaktere gibt es ja immer, Rick Moranis war ja in den beiden vorherigen Ghostbusters-Filmen selbst so einer. Aber der hatte wenigstens noch Charme. Kevin in „Ghostbusters“ ist so dumm, dass es eine Beleidigung für jeden dummen Menschen ist. Der hält sich die Augen zu, wenn es laut wird und redet solches Zeug:

Kevin: Would it be okay if I bring my cat to work sometimes? He has major anxiety problems.

Abby Yates: You know what? I would love to let your cat live here with you, but I have a pretty severe cat allergy.

Kevin: Oh, I don’t have a cat. He’s a dog. His name’s My Cat.

Abby Yates: Your dog’s name is My Cat?

Kevin: Mike Hat.

Erin Gilbert: Your dog’s name is Mike, last name Hat?

Kevin: Well, his full name is Michael Hat.

Abby Yates: I can’t say that I’m allergic to dogs… so.

Kevin: You know, it’s all right. He lives with my mum.

Das ist nicht nur ein Beispiel für dummes Zeug, das Kevin labbert. Es ist auch ein Beispiel für die Art von Humor, den uns Paul Feig liefert. Warum, wieso??? Was zur Hölle war das? Und diese Art von „Humor“ (es tut weh, es überhaupt so nennen zu müssen) zieht sich durch den kompletten Film.

Thor – in einem Anfall von Wahnsinn

Diese Art von Drehbuch kann dann auch leider durch niemanden gerettet werden. Auch die Darstellerinnen nicht. Ich hatte schon das Gefühl, dass die Bock auf diesen Film hatten – nur waren die Charaktere so komplett unausgereift und begrenzt auf diesen tollen Humor von Paul Feig, dass auch hier niemand punkten konnte. Allerdings frage ich mich auch, warum denen das selbst nicht aufgefallen ist, wie dämlich das Zeug ist, das sie da labern müssen. Ich gestehe, ich mochte die Charaktere eigentlich, ich konnte mich sogar mit Melissa McCarthy anfreunden – nur ging mir deren Art und Weise so auf den Sack. Mit einem besseren Drehbuch hätten diese vier Damen wirklich was leisten können. So werden sie zu unsäglichen Witzfiguren in ihrem eigenen Film.

Die vielleicht größte Witzfigur (neben Kevin) ist dann leider, leider, leider Bill Murray. Hat man jemals einen so lustlosen Cameo gesehen??? Ich meine, alle Cameos im Film (und sie hatten ja wirklich fast alle da) waren jetzt nicht sonderlich clever, sondern auch nur wüst reingeschriebene Szenen. Aber Bill Murray ist eine echte Nummer für sich… wow, war das mies. Wow, einfach nur wow!!!

Von den wenig spektakulären Effekten will ich zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr sprechen. „Ghostbusters“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie allein schon ein Drehbuch alles kaputt machen kann. Denn wie gesagt, mit dem Cast und der Prämisse plus ein paar wirklich guten Gag-Schreibern hätte aus diesem Film echt was werden können. So ist dieser ganze Film für mich ein einziges Fremd-Schämen gewesen… und ich war sehr froh, als es endlich vorbei war.

Wertung: 2 von 10 Punkten (hoffen wir mal, dass die „Zuul“-Post-Credit-Scene nur ein weiterer schlechter Witz gewesen ist)

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10 Kommentare leave one →
  1. 22. März 2017 08:19

    Schade, dass der Film bei dir so komplett durchgefallen ist. Aber ich hatte es nach deiner Besprechung zum zweiten Teil fast erwartet… 😉

    PS: Ich fand den Mike-Hat-Gag übrigens ziemlich witzig… 😆

    • donpozuelo permalink*
      22. März 2017 08:39

      Ja… ehrlich gesagt, finde ich es auch schade, weil ich den Cast wider Erwarten gut fand und die Prämisse auch. Hätte man nur was ordentliches draus machen müssen… und beim Humor ist das ja eh so eine Sache. Ich fand den Mike Hat Witz furchtbar dröge… so wie den restlichen „Humor“ auch.

  2. 22. März 2017 08:21

    Ich hab dich ja gewarnt.

    • donpozuelo permalink*
      22. März 2017 08:39

      Ich weiß. Ich hab sogar vorher noch deine Kritik gelesen… aber ich wollte ja nicht hören.

      • 22. März 2017 08:44

        Immerhin vestehst du jetzt, warum ich in meiner Kritik Paul Feig so zerrissen habe.

        • donpozuelo permalink*
          22. März 2017 08:47

          Absolut und zu Recht. Ist mein erster Paul-Feig-Film gewesen, und ich weiß nicht, ob ich ihm je wieder eine Chance geben werde.

  3. 22. März 2017 15:07

    Stimme dir in allem zu, bis auf die Sache mit Bill Murray. Mag sein, dass die deutsche Synchro da noch irgendwas rumdreht hat, aber erstaunlicherweise fand ich, dass seine Attitüde ziemlich genau zu der passt, die er im ersten Teil hat.
    Aber ja: Humortechnisch ist dieser Film unter aller Sau. Ich habe es schon in meiner „Kritik“ geschrieben: Paul Feig ist vermutlich einer dieser Menschen, die in der Bierrunde mit ihren Kumpels sitzen und einen flachen, unlustigen Spruch nach dem anderen raushauen – allerdings merken sie nicht, dass sie die einzigen sind, die schallend darüber lachen, während alle anderen genervt sind.

    • donpozuelo permalink*
      22. März 2017 16:18

      Also im Original wirkte Murray extrem gelangweilt. Und was deine Humor-Theorie angeht: Das war wahrscheinlich wirklich genau so…

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