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Ein echter Space Cowboy?

24. November 2021

Als die LIVE-ACTION SERIE zu „COWBOY BEBOP“ verkündet wurde, war ich erst extrem skeptisch. Warum auch nicht, bisher habe ich noch keine Live-Action-Variante von irgendwas gefunden, die mich so richtig umgehauen hat. Gerade Animes sind, was das angeht, ja auch noch mal eine Nummer für sich. Aber an „Cowboy Bebop“ haben sich ja schon viele versuchen wollen. Jetzt sollte es also wirklich wahr werden. Als die ersten Bilder vom Cast erschienen, dachte ich nur: „Ja, nettes Cosplay!“… es war am Ende das Intro der Serie, das auch zum Original-Sound von Yoko Kanno lief und der Trailer, die mir dann ein wenig Hoffnung gaben. Doch jetzt nach der ersten Staffel ist die Skepsis wieder zurück.

Spike Spiegel (John Cho) ist ein Kopfgeldjäger. Gemeinsam mit seinem Partner Jet Black (Mustafa Shakir) jagt er die Kriminellen der Kriminellsten im All. Dabei kreuzen sich ihre Wege immer wieder mit der Kopfgeldjägerin Faye Valentine (Daniella Pineda), die nur widerwillig ins Team mit aufgenommen wird. Doch was sowohl Faye als auch Jet nicht wissen: Spike hat eine düstere Vergangenheit, die gerade dabei ist, ihn einzuholen: Sein einstiger Partner Vicious (Alex Hassell) ist dabei, die Unterwelt an sich zu reißen… und dass Spike noch lebt (denn er hielt ihn für tot), passt ihm gar nicht.

„Cowboy Bebop“ als Live-Action-Serie hat eigentlich einen entscheidenden Vorteil: Das Original erzählt einfach nur mehrere kleine Episoden aus dem Leben der Besatzung der Bebop, geht hier und da etwas auf die Vergangenheit seiner Crew-Mitglieder ein und nur Spikes Vergangenheit liefert einen etwas größeren Rahmen. Für eine Adaption eigentlich wie geschaffen, um sich etwas freier auszutoben und dennoch dem Geist des Originals gerecht zu werden. Die Netflix-Serie hat nur das Problem, dass sie sich nicht so wirklich frei austoben möchte, sondern viel mehr verzweifelt versucht, die 20-Minuten-Geschichten aus dem Original in 40 Minuten zu stopfen.

Da hätten wir dann auch das größte Problem der neuen Serie: Sie ist viel zu langatmig. Man hat, was zu erwarten war, die ganze Story rund um Spike und Vicious extrem ausgebaut und versucht auch die Geschichten der anderen etwas zu erweitern. So bekommt Jet auf einmal eine Tochter dazu gedichtet und Faye eine „Mutter“. Bei Jet und Faye hätte ich sogar noch damit leben können, gerade alles rund um Jet funktioniert da eigentlich ziemlich gut und sorgt auch für ein paar lustige (Jet besucht eine Theateraufführung seiner Tochter) und sehr tragische Momente. Fayes Backstory hätte man etwas intensiver ausbauen können, die Sache mit ihrer Mutter wirkt nur leider sehr albern. Dafür setzt man halt mehr auf Vicious und Spike und die femme fatale Julia (Elena Satine), die für Stress sorgt.

Und hier liegt ein weiteres Problem: Ich finde, man hätte fast mehr auf Spike und Vicious gehen können. Das Ganze wird hier in so einem Sin-City-artigen Stil inszeniert und hat schöne Anleihen am film noir. Wenn man das einfach etwas mehr ausgebaut hätte, wäre „Cowboy Bebop“ natürlich etwas anders als das Original… aber das nennt man halt Adaption. Zumal die Serie ja eh schon sehr häufig versucht, die Schurken aus dem Original ein wenig mehr in Verbindung mit Vicious zu bringen.

Am Ende weiß ich es selbst nicht so genau… muss ich einfach gestehen. Ich war einfach nicht so wirklich von all dem überzeugt. Vielleicht hätte man auch besser 30 minütige Folgen machen sollen, denn gerade die Ausschmückungen der Netflix-Serie lassen „Cowboy Bebop“ echt etwas lang wirken. Es gibt zwar wahnsinnig viel Fan-Service und sehr viele Charaktere aus dem Original tauchen wieder mit auf, aber so richtig zündete das bei mir einfach nicht.

Dennoch will ich auch das sagen: Die Darsteller sind super. John Cho scheint dafür geboren worden zu sein, diesen lässig-coolen Spike Spiegel zu spielen. Mustafa Shakir ist perfekt für die Rolle von Jet, selbst seine Stimme und dieses Papa-Hafte für Spike kommt gut rüber (hier sogar noch verstärkt durch die Tatsache, dass er ja wirklich Papa ist). Daniella Pineda ist auch eine tolle Faye, obwohl ich sie mir fast noch ein bisschen bissiger gewünscht hätte. Gerade in der Original-Serie beschert sie Spike und Jet gerne mal etwas mehr Ärger. Nichtsdestotrotz ist das hier Meckern auf hohem Niveau. Der Einzige, bei dem ich wirklich ein wenig meckern möchte, ist Vicious. Alex Hassell „over-acted“ hier extrem. Er sieht immer so angespannt aus, als müsste er dringend aufs Klo. Auf der einen Seite passt er Optisch gut in die Rolle, auf der anderen wirkte er halt manchmal echt wie ein Theater-Schurke. Gerade Vicious hätte ich mir da etwas anders vorgestellt.

Auch der Look der Serie passt. Die Bebop sieht toll aus, Spikes Swordfish auch und die Orte und Planeten sind gut getroffen. Wenn es denn mal Action in der Serie gibt, ist auch die ziemlich cool gemacht. Das hat so einen John-Wick-Vibe, aber mit interessanten Zeitlupen und verrückteren Moves, die dem Anime eher gerecht werden. Dazu kommt der Soundtrack von Yoko Kanno… und die Frau liefert einfach ab.

Am Ende muss ich gestehen, lässt mich „Cowboy Bebop“ echt zwiegespalten zurück. Optisch ist das alles echt wunderbar, erzählerisch kriecht das alles ziemlich. Vielleicht hätte man wirklich auf eine 1:1-Kopie der Story gehen sollen… dann halt mit 26 Episoden a 24 Minuten. Aber mal schauen, was Staffel 2 so bringt, sollte sie denn kommen. Ab da könnte sich die komplette Story ja wirklich dann auch sehr vom Anime unterscheiden… denn schlussendlich vergleicht man auch hier in Staffel 1 wieder alles mit dem Anime und daran scheitert das Projekt dann ein wenig.

Wertung: 5 von 10 Punkten (nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut… einmal mehr so eine Live-Action-Version, die nicht nötig gewesen wäre)

2 Kommentare leave one →
  1. 6. Dezember 2021 19:11

    So langatmig fand ich die gar nicht und die Kostüme sahen für mich nicht nach Cosplay aus. Aber den Rest .. kennst du ja aus meinem Beitrag. Da bin ich bei dir. Ich finde halt auch v.A. schlimm was sie aus den Figuren Vicious und Julia gemacht haben und nicht sinnvoll, dass sie zwingend soviele Fälle miteinander verbinden mussten. Das episodenhafte ist doch auch mit das coole. Naja.

    • donpozuelo permalink*
      8. Dezember 2021 08:40

      Ja, Vicious und Julia… mal gucken, wie das noch weitergeht. Naja… mal gucken, ob überhaupt noch eine zweite Staffel kommt

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