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Der Fischmutant

24. April 2019

Was ist eigentlich aus Kevin Costner geworden? Gefühlt das letzte, woran ich mich von ihm erinnern kann, ist seine Rolle als Vater von Superman in „Man of Steel“. Seit neuestem wird er mir dann doch wieder bei Netflix vorgeschlagen… was aber vielleicht daran liegen könnte, dass ich mir letztens „Waterworld“ angeschaut habe. Ein Film, den ich nie so wirklich bewusst gesehen habe. Das erste Mal habe ich den Film mit 13 Jahren gesehen – ohne auch nur ein Wort zu verstehen. Damals war ich gerade zwei Wochen in England in so einer Sprachschule, bei der man bei Gasteltern untergebracht wurde. Die schauten mit mir und einem weiteren Sprachschul-Mitbewohner eines Abends „Waterworld“. Wie gesagt, damals war mein Englisch nicht gerade gut und ich verstand kein Wort. Zum Glück ist „Waterworld“ jetzt aber auch die Art von Film, die man verstehen kann, ohne etwas verstehen zu können. Damals fand ich den Film großartig, nach erneuter Sichtung fällt mein Urteil weniger begeistert aus.

Irgendwann in der Zukunft gibt es kein Festland mehr auf der Erde. Die Polkappen schmolzen vor Jahren und ein einziger riesiger Ozean erstreckt sich über den Planeten. Die Menschen, die hier leben, haben sich – so gut es geht – an die Gegebenheiten angepasst. Der Mariner (Kevin Costner) sogar besser als andere: Er ist ein Mutant, er hat Kiemen und Schwimmhäute, bewegt sich blitzschnell im Wasser und atmet unter Wasser. Mit seinem Boot befährt er einsam und allein die Meere. Bis er eines Tages in einer Menschensiedlung auf Helen (Jeanne Tripplehorn) und die kleine Enola (Tina Majorino) trifft. Die werden von den fiesen Smokers gejagt. Deren Anführer Deacon (Dennis Hopper) glaubt, dass das merkwürdige Tattoo auf Enolas Rücken in Wirklichkeit eine Karte ist… eine Karte zum Dryland, Festland! Widerwillig nimmt sich der Mariner der beiden Frauen an und gerät damit natürlich ins Visier der Smokers.

Mir war gar nicht so bewusst, was für ein Riesenflop „Waterworld“ damals gewesen ist. Zu seiner Entstehungszeit in den 90er Jahren war er der teuerste Film der Geschichte. Mittlerweile rangiert er nur noch auf Platz 11. Aber ob man den Film nun mag oder nicht, man sieht ihm seine Kosten tatsächlich an. Die Aufbauten sehen grandios aus… und Dreharbeiten auf dem Meer sind sicherlich auch nicht gerade die leichtesten – und logistisch wahrscheinlich ein absoluter Alptraum. Witzig finde ich die Tatsache, dass wohl sogar Budget dafür drauf ging, Costners Haare digital nachwachsen zu lassen, da sein Haarausfall zu sehr zu sehen war. Aber gut, ich schweife ab.

„Waterworld“ bedient sich dem Lone-Gunmen-Prinzip und ist eigentlich der einzige (?) Wasser-Western überhaupt. Ein Wasser-Western, der sich zudem stark an „Mad Max“ und „Mad Max 2“ orientiert – nur eben mit dem Unterschied, dass die Wüste durch Wasser ausgetauscht wurde. Ein cooles Konzept, aber – wenn ich ehrlich bin – stinkend langweilig umgesetzt. Ich will den Director’s Cut über 3 Stunden, den es nur in den USA gibt, gar nicht erst sehen. Denn dafür, dass die Story super simpel ist, wird sie ewig in die Länge gezogen – ohne das wirklich viel passiert. Eigentlich müsste der Director’s Cut den Film kürzen, dann wäre es nicht schlecht. Schließlich ist die Idee wirklich verdammt cool…

Die Action ist ja durchaus unterhaltsam, aber die Charakter-Momente wollen nie so wirklich funktionieren. Da gibt es zum Beispiel eine Szene, in der „Sons of Anarchy“-Darsteller Kim Coates versucht, Stress zu machen und Enola zu kaufen. Die ist einfach viel zu lang und zu langweilig. Dazu kommt, dass Kevin Costner scheinbar zu sehr in der Rolle des ewig genervten Einzelgängers aufgeht. Er wirkt in jeder Szene angenervt, so als wollte er uns sagen, dass er auf diesen Film keinen Bock hat. Auch verzweifelt man – ähnlich wie Helen – daran, mal hinter die Fassade des Mariners zu schauen. Am Ende war er mir komplett egal. Ich wusste ja eh nichts über ihn, warum sollte ich mich also um ihn fürchten oder mich für ihn freuen oder sonst irgendwas mit ihm verbinden. Damit ist dann die Identifikationsfigur des Films zunichte gemacht worden. Da kann dann der Film noch so toll aussehen, es will einfach nicht funken.

Wertung: 5 von 10 Punkten (verdammt coole Idee, aber verdammt langweilig umgesetzt)

7 Kommentare leave one →
  1. 24. April 2019 09:11

    Ich mag den Film ja sehr. Mich reizt tatsächlich auch der mystische Ulysses-Cut, doch bisher ist mir die Fassung noch zu teuer. Wohl eines meiner ewigen Guilty-Pleasures.

    • donpozuelo permalink*
      25. April 2019 09:40

      Ich weiß nicht… noch länger??? 🙂 Aber gut, könnte ja am Ende doch besser sein. Ganz uninteressant würde den meine Neugier wahrscheinlich auch nicht finden.

      Und wie gesagt, ich mag ja die ganze Idee dahinter. Ich liebe diese Szene, wenn der Mariner Helen die Welt am „Meeresboden“ zeigt. Das ist nach wie vor sehr cool.

  2. 25. April 2019 17:21

    Algorithmen sind schon eine lustige Sache ^^ Und ich habe den Film ebenfalls als Kind (oder Jugendliche?) gesehen und fand ihn damals super. Falls mir der mal vorgeschlagen werden sollte, weiß ich jetzt also, dass ich lieber meine Kindheitsbegeisterung behalte. 😀
    Btw man konnte damals schon Haare digital nachbearbeiten? Ich mein, gerade Haare sind ja in Animationsfilmen extrem schwierig darzustellen. Wobei die in Waterworld vermutlich permanent nass und dementsprechend einfach nur ein dunkler Film auf Kevin Costners Kopf waren. Wäre wasserfeste Farbe dann aber nicht doch billiger gewesen? 😀

    • donpozuelo permalink*
      25. April 2019 19:26

      Frag mich mit den Haaren was Leichteres. Meine immer zuverlässige Quelle Wikipedia hat mir das so gesagt. Warum es eine Perücke nicht einfach getan hätte… keine Ahnung.

      Und ja, diese Kindheitsfilme, die einen dann doch irgendwie eher enttäuschen. Man sollte sie nicht immer noch einmal nachholen.

      • 25. April 2019 19:30

        XD Ich stelle mir grade vor, wie die dann bei einer besonders dramatischen Szene wegschwimmt … „DAMIT WIRST DU NIEMALS DAVONKOMMEN!!!“ „Deine Haare aber anscheinend schon …“

        Jepp. Gut, dass ich eh meist zu unmotiviert bin, Filme zu schauen. 😀 Aber hey, das machst du ja! ^^

        • donpozuelo permalink*
          25. April 2019 20:08

          😀 Und dann sieht man Kevin Costner und ein kleines Fellknäuel im Wasser schwimmen 😀 😀 😀

        • 25. April 2019 20:22

          So ungefähr 😂😂😂

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