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Für einen Kanister voll Benzin

21. März 2014

Wenn dein allererster Film ein unerwarteter Überraschungserfolg wird, hast du für dein Zweitling ein Problem und zwei Möglichkeiten: Dein Problem dürfte der ungeheure Druck sein, erneut etwas Gutes zu machen. Schließlich willst du ja nicht zur Eintagsfliege / One-Hit-Wonder verkommen. Was also tun? Du könntest etwas total Neues ausprobieren oder du bleibst bei dem, was dir vorher schon zu Erfolg verholfen hast und wiederholst es einfach. Hat ja schließlich bei Sam Raimi und „Evil Dead 2“ auch irgendwie geholfen.

So in der Art muss wohl auch George Miller gedacht haben, als er nach seinem Debüt mit „Mad Max“ weitermachen wollte. Da er nun auch mehr Geld zur Verfügung hatte (Erfolg ist manchmal auch eine gute Sache), hatte er nun auch die Möglichkeit, sehr viel mehr kaputt zu machen. Irgendwie muss man doch dem „Mad“ in „Mad Max“ gerecht werden. Also folgt nach dem schon ziemlich coolen „Mad Max“ zwei Jahre später „Mad Max II – Der Vollstrecker“. Darin treffen wir wieder auf unseren schweigsamen und einsamen Road Warrior Max (Mel Gibson). Ein leicht durchgeknallter Pilot (Bruce Spence) erzählt Max von einer Öl-Raffinerie, die mitten in der Einöde als Festung umgebaut wurde und in der es noch genug Benzin gibt. Doch als Max dort ankommt, werden die Bewohner der Festung von einer wilden Meute unter der Führung von Humungus (Kjell Nilsson) belagert. Max schafft es dennoch in die Festung und verspricht den Belagerten Hilfe im Tausch gegen Benzin.

Teil 2 spielt ein paar Jahre nach dem ersten „Mad Max“ und dieses Mal wird das Zukunftssetting ein bisschen mehr ausgelebt. Während man im ersten Teil einfach noch davon ausgehen konnte, dass es sich wirklich nur um leere Ortschaften und Straßen irgendwo in Australien handelt, herrscht in „Mad Max II – Der Vollstrecker“ wirklich Endzeit. Im zweiten Teil gibt’s wirklich nichts mehr – nur Wüste, Staub und Dreck. Interessant finde ich nach wie vor, dass es an Wasser scheinbar keinen Mangel zu geben scheint. Benzin ist nach wie vor tausendmal wichtiger… es ist halt wirklich eine merkwürdige Zukunft in der Max lebt.

Und wieder einmal scheint er der König dieser unwirtlichen Zukunft zu sein. An Max selbst wird auch im zweiten Teil nicht viel verändert. Warum auch? Ein wortkarger Mel Gibson in Lederkluft mit Schrottflinte und schnellem Flitzer hat schon im ersten Teil wunderbar funktioniert… und er tut es auch jetzt. Mel Gibson gibt der Rolle wieder seinen ganz eigenen Charme… was für mich vor allem daran liegt, dass Gibson auch hier wieder so ein schmächtiger, unscheinbarer Typ ist. So ein Kerl mit riesigen Muskeln a lá Dwayne Johnson fänd ich auch total irrsinnig. Schließlich ist Max kein Gen manipulierter, verstrahlter oder mutierter Superheld. Er ist der Typ von nebenan, der es irgendwie geschafft hat, allein durch diese Welt zu fahren.

Aber ewig allein ist ja auch doof, deswegen bekommt es Mad Max auch mit ein paar mehr Menschen zu tun – sowohl auf Seiten der Guten als auch bei den bösen Buben. Besonders zu erwähnen ist hier aber wirklich nur Bruce Spence, der als leicht verrückter Flieger wirklich einen netten Kontrast zum muffig-grimmigen Max abliefert. Kjell Nilsson als schurkischer Schurke funktioniert aber ebenso gut…

Viel Veränderungen gibt es auch am Grundgerüst der Handlung eigentlich nicht – außer halt der Erweiterung der Personen. Wie im ersten Teil werden auch hier ordentlich Autos zu Schrott gefahren, allerdings wirkt das teilweise auch ein bisschen als würden Kindern Cowboy und Indianer spielen. Das Fort mit dem Benzin wird belagert, draußen schreien alle wild rum, drinnen versuchen sie sich vor denen da draußen zu schützen… und irgendwann knallt’s ordentlich. Nicht besonders innovativ, aber es macht Spaß.

Im Endeffekt wartet man bei „Mad Max“ ja eh nur darauf, dass er sich endlich hinter das Steuer eines Fahrzeugs setzt und ordentlich Gummi gibt. Und auch das bekommen wir in „Mad Max II – Der Vollstrecker“ reichlich. Miller muss dringend beweisen, dass er mehr Geld zur Verfügung hatte und deswegen nicht mehr seinen eigenen Wagen zerschrotten muss (wie er es für den ersten Film tat). Das große Finale im zweiten Teil besteht aus einem riesigen Chaos aus Staub, Wagen und Schrott. Alles handgemacht und allein deswegen schon irgendwie verdammt cool.

Die große Saga des verrückten Max (der eigentlich ja weniger verrückt als ein Einzelgänger ist) geht weiter – man muss den ersten Teil nicht gesehen haben, um den zweiten zu verstehen. Aber der erste lohnt sich einfach mehr. Da war Mad Max noch wirklich roh und robust, Teil 2 fühlt sich schon fast ein bisschen zu „blockbuster-ig“ an… ist aber trotzdem noch sehr unterhaltsam.

Wertung: 8 von 10 Punkten (eine gute Fortsetzung, die die Story des Mad Max aber nicht wirklich vorantreibt)

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12 Kommentare leave one →
  1. 21. März 2014 07:25

    Ich widerspreche mal im Hinblick auf die Entwicklung von Max, weil in meinen Augen die drei „Mad Max“-Filme schon eine kontinuierliche Evolution des Charakters zeigen. Natürlich nicht in Autorenkino-Ausmaßen, aber immerhin. Hart und verschlossen wurde Max erst im Verlauf des ersten Teils und in diesem muss seine Schale erst einmal wieder ein paar Risse bekommen, darum ist die Interaktion mit den anderen Menschen auch so wichtig.

    Ansonsten ein schöner Text. Ich mag „Der Vollstrecker“ immer noch um Längen lieber als den ersten Teil, aber das schadet ja nichts. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      21. März 2014 09:25

      Max an sich entwickelt sich schon, aber das große Ganze bleibt in etwa gleich. Nur ist im zweiten Teil halt alles groß, größer, am größten. Ich mag den auch, aber irgendwie hat mir der „einfache“ erste Teil dann doch sehr viel besser gefallen. Max als richtiger einsamer Wolf hat mir dann persönlich doch besser gefallen… auch wenn hier im zweiten Teil jetzt ja nicht unbedingt zum „Party-Löwen“ wird 😉

      • 21. März 2014 11:53

        Jetzt werde ich das Bild von Max, wie er mit kleinem Partyhütchen durch die Endzeit braust, nicht mehr los… 😀

        • donpozuelo permalink*
          21. März 2014 15:00

          😀 „Mad Max 5 – Party Warrior“… ein Mann auf der Suche nach dem letzten Bier und einem letzten Tanz… ein grausam-brutaler Endzeit-Thriller über die letzte Party der Menschheit… in 3D!!!

  2. 21. März 2014 16:37

    Und vergessen wir nicht Otto Waalkes‘ Vorschlag: „Mad Mäxchen“: Die Süßigkleitenvorräte der Welt gehen zur Neige. Mad Mäxchen begibt sich in einen Kampf und holt mehr aus seinem Dreirrad raus, als jemals drin war. 😀

  3. 22. März 2014 12:47

    Ich finde Teil 1 und 2 beinahe gleichwertig gut, auch Teil 3 mag ich sehr, obwohl dieser oft zerrissen wird. Eine runde Trilogie meiner Meinug nach.

    • donpozuelo permalink*
      24. März 2014 09:09

      Ich mag den dritten eigentlich auch. Mehr dazu dann nächsten Freitag 😉 Aber bei Teil Eins und Zwei bleibe ich eher Fan von Teil 1.

  4. 23. März 2014 17:06

    Hach, wieder so eine Reihe um die ich schon ewig rumschleiche … ich tue mich immer sehr schwer, wenn ich weiß, dass dazu schon mindestens zwei Teile draußen sind. ^^“ So wenig reicht schon. Aber nach dem Artikel sehe ich ein, Mad Max muss sein. Das Reimen war unbeabsichtigt …

    • donpozuelo permalink*
      24. März 2014 09:10

      Ich finde reimende Kommentare super. 😉

      Die Made-Maxi-Reihe kann man sich schon angucken. Ist ja quasi auch ein Klassiker.

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