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DFST 12: Nichtgeburtstage und weiße Kaninchen

10. September 2022

Jetzt habe ich mit meinem Disney-Film-Samstag doch eine längere Pause eingelegt, aber es war einfach auch ein Kampf, sich durch die „Kriegsjahre“ von Disney zu gucken. Dann kam zwar „Cinderella“, aber auch das war jetzt nicht so mein Film. Aber: Die Disney-Box ist gekauft und sie guckt sich nicht von selbst… deswegen geht’s einfach weiter. Und Film Nummer 12 ist einer, den ich selbst zum ersten Mal erst vor vier Jahren gesehen habe. Damals hat mich „ALICE IM WUNDERLAND“ echt umgehauen… losgelöst betrachtet ist das auch immer noch der Fall, aber jetzt – wo ich schon ein paar der alten Disney-Filme gesehen habe – ist „Alice“ auf jeden Fall ein interessanter Film, der zum einen nach „Cinderella“ etwas fehl am Platze wirkt, der zum anderen aber auch an die guten Drogen-Trip-Disney-Filme erinnert.

Basierend auf dem Klassiker von Lewis Carroll erzählt Disney hier die Geschichte der jungen Alice, die an einem langweiligen Nachmittag ein weißes Kaninchen in Eile beobachtet, ihm hinterläuft und plötzlich im Wunderland landet… hier wo Walrosse kleine, unschuldige Austern verführen und fressen, wo man durchs Essen von Pilzen ganz neue Wahrnehmungen erfährt, mit verrückten Hutmachern Nicht-Geburtstag feiert, eine ziemlich gechillte, Wasserpfeife rauchende Raupe findet, von sprechenden Blumen tyrannisiert wird und schließlich am Hof der Roten Königin um seinen Kopf fürchten muss, während die Grinsekatze sich alles in Ruhe anschaut.

Mit solchen verrückten Drogen-Fantasien kennt sich Disney ja mittlerweile echt gut aus. „Fantasia“ wurde in den 60er Jahren gerade wegen seiner bunten Farben unter bestimmten Leuten nochmal ein absoluter Hit. Auch in „Melody Time“ sorgte Disney noch für ein paar psychedelische Erfahrungen beim Schauen… und „Alice im Wunderland“ ist nun das erste Mal, wo das Ganze tatsächlich als Geschichte gut verpackt wird. Wo das Ganze irgendwie auch ein bisschen mehr Sinn ergibt. Auch wenn nach „Alice“ nach „Cinderella“ ein wenig verwirrend wirkt. Gerade erst noch versuchte sich Disney an seiner klassischen Disney-Prinzessin und jetzt sowas… wobei ich einfach auch tausendmal lieber bei Alice bleibe als bei dem armen Aschenputtel. Das wird zwar (zusammen mit Schneewittchen und später dann Dornröschen) zum Prototyp für die Disney-Filme, aber Alice beweist uns, da geht auch mehr.

Ich mag einfach alles nach wie vor an diesem Film. Alice ist eine tolle Protagonistin. Ein neugieriges, aufgewecktes Mädchen, die sich einfach von ihrem eigenen Drang mitreißen lässt. Die den Dingen interessiert entgegen tritt und die dadurch die verrücktesten Dinge erlebt. Diese verrückten Dinge zelebriert der Film dann auch direkt. Das fängt schon mit dem Fall durch den Schacht und das lustige Gespräch mit dem Türknauf an… und das mit dem Substanzen-Einnehmen inspirierte dann später ja sogar die Band Jefferson Airplane zu „White Rabbit“… und natürlich kann man „Alice im Wunderland“ als einen der verrücktesten Drogentrips der Filmgeschichte beschreiben, hinter dem sogar „Fear and Loathing in Las Vegas“ wie ein gemütlicher Spaziergang wirkt. Man kann aber auch einfach die Tatsache genießen, dass Disney sich hier kreativ mal so richtig austobt.

Der verrückte Hutmacher und der Märzhase sind immer noch absolut krass. Das Walross ist witzig, aber auch ziemlich brutal… und das bringt mich dazu, dass man diesen Film auch ganz leicht zu einem richtig fiesen Horror-Film machen könnte. Alle Elemente dafür sind da. Disney schafft diese Gratwanderung und serviert immer noch einen sehr lustigen und unterhaltsamen Film, aber der unterschwellige Wahnsinn ist schon hart an der Grenze. Obwohl man das wahrscheinlich als Erwachsener auch noch eher so sieht als als Kind. Wer weiß…

„Alice im Wunderland“ ist für mich immer noch ein absolutes Highlight. Der Film macht Spaß, der Film ist verrückt, der Film nimmt sich nicht zu ernst, sondern geht voll und ganz in der Vorlage von Carroll auf und zelebriert hier Wahnsinn, wie ihn nur Disney zelebrieren kann.

Wertung: 10 von 10 Punkten (bleibt einer meiner Lieblings-Disney-Filme)

5 Kommentare leave one →
  1. kathl7 permalink
    10. September 2022 11:39

    Oh schön, ich dachte schon, du hättest die Disneyreise abgebrochen (oder du lässt uns nicht mehr daran teilhaben).
    Ich fand den Film als Kind toll und lustig, als Erwachsene find ich ihn genial.
    Und zum Thema Horrorfilm: Winnie Puh machts vor, wer weiß, was noch alles kommt… 😂

    • donpozuelo permalink*
      10. September 2022 12:37

      Nein, nein. Die Disney Filme werden durchgezogen. Keine Sorge. 😁

      Und ja, das ist echt einer meiner Lieblingsfilme von Disney. Der ist herrlich gaga

  2. 6. Oktober 2022 16:21

    Faszinierend wie mir all diese psychedelischen, trippy Sachen als Kind so absolut gar nicht komisch vorkamen ^^
    Ich mochte den Alice Film sehr. Allerdings habe ich mich reichlich gewundert als ich (erst jetzt vor ein paar Jahren) das Buch gelesen habe. Da ist Alice gar nicht so lieb und nett. Ich meine … Disney ist ja schon dafür bekannt die Stoffe kinderfreundlich umzudichten. Aber die Alice im Buch habe ich als etwas nervig empfunden. Und zwischen ihr und all den Charakteren herrschte eher auch geneseitiges genervt sein. Vielleicht ist das aber auch nur mein Eindruck..

    • donpozuelo permalink*
      7. Oktober 2022 16:32

      Ja, Alice im Buch war schon was anderes. Und als Kind hätte ich den Film wahrscheinlich nichtmal gemocht. Der ist schon recht erwachsen, auch wenn alles schön bunt ist. Aber die Themen sind sehr erwachsen…

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  1. DFST 13: Niemals erwachsen werden… | Going To The Movies

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