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Die anderen Sandwürmer

8. Oktober 2021

Es gibt ja immer noch so einige Wissenslücken in meiner Filmografie, die mit der Zeit nach und nach abgebaut werden müssen. Es gibt noch so viele Kultfilme da draußen, von denen ich nur gehört, die ich aber selbst nie gesehen habe. Und es ist immer irgendwie ein tolles Gefühl, so einen neuen Film für sich zu entdecken und sich auch sofort damit wohlzufühlen. So erging es mir jetzt vor kurzem, als ich endlich zum ersten Mal Ron Underwoods „TREMORS“ gesehen habe. Ich weiß, ich weiß… eine Schande, dieses kleine Kevin-Bacon-Kleinod erst jetzt zu würdigen zu wissen. Aber besser spät als nie.

Val (Bacon) und Earl (Fred Ward) arbeiten in dem kleinen Wüstenstädtchen Perfection, wünschen sich aber eigentlich nichts sehnlicher als endlich rauszukommen. Denn wirklich viel los ist in Perfection nicht. Gefühlt stehen da dreieinhalb Hütten, es gibt einen kleinen Laden und das war’s auch schon. Doch als sie endlich den Entschluss fassen, wirklich zu gehen, macht ihnen etwas einen Strich durch die Rechnung. Irgendeine Art Wurm-Schlangen-Kreatur gräbt sich durch die Erde und frisst alles und jeden… ein Kampf ums Überleben beginnt, bei dem man am besten keine Geräusche macht und den Boden nicht berührt.

Mein erster Gedanke, als ich diesen Film anfing, war tatsächlich, dass Regisseur Ron Underwood, der auch mit für die Story verantwortlich gewesen ist, ein Frank Herbert Fan gewesen sein muss. Nachdem ich gerade erst vor kurzem „Dune“ gesehen habe, wirkten diese Raktenwürmer (wie sie im Deutschen genannt werden) wie eine Abwandlung der Sandwürmer von Arrakis. Aber damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf…

… denn die Würmer in „Tremors“ sind ziemlich eklig und fies. Das Creature Design ist absolut fantastisch. Und dabei geht Underwood erstmal den „Jaws“-Weg und kopiert gekonnt Steven Spielberg. Wir sehen das, was da unter der Erde ist erst einmal nicht. Wir bekommen nur die Perspektive des Monsters zu sehen, sehen mal, wie sich der Boden bewegt. Das war’s… selbst wenn diese ersten Schlangenartigen Dinger aus dem Boden gucken, ist das noch nicht alles. Selbst die sind schon fies, aber nur Teil des größeren Wurms. Underwood baut mit diesen langsamen Enthüllungen seiner Würmer die Spannung gut auf, zeigt uns nur Stück für Stück und schockiert uns dann umso mehr, wenn das Monster dann wirklich offenbart wird.

Faszinierend finde ich auch, dass sich „Tremors“ nicht wirklich darum schert, was es mit diesen Sandwürmern auf sich hat. Gemeinsam mit der Seismologin Rhonda (Finn Carter) überlegen sich Val und Earl zwar einige Theorien (von Urzeitwesen über Aliens bis hin zu atomar verseuchten Würmern ist alles mit dabei), aber letztendlich überlässt es uns der Film selbst, zu sagen, was uns von diesen Theorien am besten gefällt… und da sind ja eh die klassischen Monster-Entstehungstheorien mit dabei. Sucht man sich eben eine aus… oder lässt es bleiben, für den Film ist es eh nicht wichtig.

Wichtiger ist, dass man mit dieser Mischung aus Western und „Der Boden ist Lava“ einfach seinen Spaß hat. Perfections Bewohner sind so ein bisschen der Typus White Trash meets Ur-Amerikaner. Da gibt es halt so Typen wie Val und Earl, die von Tag zu Tag zu leben, da gibt es dann die, die ihr ganzes Haus als Festung ausgebaut haben und einfach mal ein so großes Waffenarsenal haben, dass sie einen der Würmer gefühlt 10 Minuten mit Blei vollpumpen können. Die Charaktere in diesem Film sind allesamt witzig und unterhaltsam, auch wenn sie letztendlich nur Wurmfutter sind… aber im Gegensatz zu vielen anderen Monster-Filmen (wie zuletzt „Godzilla vs. Kong“) berührt „Tremors“ trotzdem auch auf der menschlichen Ebene, weil dieser Überlebenskampf einfach nur das ist, der Kampf ums Überleben. Das Zusammenwachsen einer kleiner Truppe und das Überwinden eines riesigen Problems.

„Tremors“ macht in jeder Hinsicht einfach nur Spaß, der Film nimmt sich nicht zu ernst, ist aber nie albern. Dafür, dass das Film „nur“ 10 Millionen Dollar gekostet hat, sind die Effekte echt wahnsinnig gut (handgemacht ist eben immer noch am besten) und auch kaum gealtert. Dieser Film ist eine wunderbare Film-Perle, die bestens unterhält… allerdings frage ich mich, ob die ganzen Fortsetzungen dazu irgendwas taugen (da aber weder Underwood noch sonst wer aus dem originalen Film mit dabei sind, gehe ich mal davon aus, dass dem nicht so ist).

Wertung: 9 von 10 Punkten (ein toller Monster-Film, der genau weiß, dass die Story hier weniger wichtiger ist als der Spaß- und Abenteuer-Faktor)

7 Kommentare leave one →
  1. 8. Oktober 2021 06:51

    Ja, famoser Film! Gehört zu meinen Langzeitlieblingsfilmen. Freut mich, dass du ihn noch entdeckt hast 🙂

    Wirst du die Fortsetzungen noch schauen? Gerade 2-4 haben durchaus noch Charme, finde ich. Im zweiten Teil ist immerhin Fred Ward noch mit von der Partie.

    • donpozuelo permalink*
      8. Oktober 2021 06:58

      Ja, der ist wirklich fantastisch.

      Was die Fortsetzungen angeht, bin ich etwas skeptisch. Aber wenn du sagst, dass 2 bis 4 doch noch einen Unterhaltungswert haben, werde ich dem Ganzen vielleicht noch eine Chance geben.

      Gibt es von Tremors nicht auch noch eine Serie? Oder war die zumindest mal geplant? Mir war, als hätte ich da mal was gehört.

      • 8. Oktober 2021 07:30

        Ja, es ging eine alte Serie, die eine Staffel lief und direkt nach Teil drei spielt. Dann einen Piloten mit Kevin Bacon vor ein paar Jahren, der jedoch nie in Serie ging. Trailer sieht aber gut aus.

        • donpozuelo permalink*
          8. Oktober 2021 09:22

          Oha… ein Piloten mit Kevin Bacon. Schade, dass daraus nicht mehr geworden ist. Hätte ja wie „Cobra Kai“ für „Tremors“ werden können.

        • 8. Oktober 2021 22:13

          Ja, definitiv!

  2. 8. Oktober 2021 09:19

    So, wie ein Creature-Film sein sollte 🙂

    Die nächsten Fortsetzungen kann man sich ganz gut noch anschauen, zumindest für den Sonntag Nachmittag sind sie gut genug.

    • donpozuelo permalink*
      8. Oktober 2021 09:23

      Absolut. Wirklich ein tolles Creature Feature. Diese Würmer sind einfach echt gut gemacht.

      Okay, der Zweite, der sich für die Sequels ausspricht. Dann schaue ich mal, wo ich an die rankomme.

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