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Wüstenmacht

17. September 2021

Endlich, endlich, endlich… das Warten war schon nicht mehr feierlich, aber jetzt ist es endlich soweit. Lange mussten wir auf Denis Villeneuves „DUNE“ warten, Corona kam dazwischen, jetzt kann es aber losgehen. Und ich bin mit wirklich hohen Erwartungen in diesen Film gegangen. Ich meine, es ist Denis Villeneuve. Bislang hat der noch keinen schlechten Film gemacht. Und in Interviews redete er auch immer wieder davon, wie sehr ihm Frank Herberst „Dune“ am Herzen liegen würde. Seit 2016 wurde Villeneuve als Regisseur gehandelt, dann kam heraus, mit welchen Stars er das drehen würde und der Hype wurde immer größer und größer. Was natürlich auch gefährlich werden könnte: Zu viel Hype kann auch schädlich sein (ich gucke vorsichtig in deine Richtung, „Spider-Man: No Way Home“). Aber man muss sich einfach sagen: „Es ist Villeneuve, der kann das!“ Und meine Güte, ja!!!! Der kann das.

Herzog Leto Atreides (Oscar Isaac) nimmt den Auftrag des Galaktischen Imperators an, auf dem Wüstenplaneten Arrakis das begehrte Spice abzubauen. Er übernimmt den Planeten vom Haus Harkonnen, die hier jahrelang erfolgreich das Volk der Fremen ausgebeutet haben und mit dem Spice reich geworden sind. Weswegen es natürlich auch niemanden verwunder, dass Baron Harkonnen (Stellan Skarsgard) diese Entscheidung nicht einfach so hinnehmen wird (was wiederum ganz im Interesse des Imperators liegt). So begibt sich Leto mit seine Konkubine Jessica (Rebecca Ferguson), seinem Sohn Paul (Timothee Chalamet) und seinem ganzen Hofstab (darunter unter anderem Josh Brolin, Jason Momoa, Chang Chen) nach Dune… und gerade sein Sohn fühlt sich diesem Planeten verbunden, hat er doch Visionen von einer jungen Frau, vom Planeten und vom Kampf, der auf Arrakis ausgetragen werden wird.

Ich habe vor einiger Zeit zum ersten Mal Frank Herberts „Dune“ gelesen und der Roman ist schon eine Wucht an sich. Dass David Lynch für sein „Dune“ den ganzen Stoff in eine knapp zweistündige Verfilmung packen musste, war einfach ein Unding. Allein deswegen ist es schon mal faszinierend und auch gut, dass Villeneuve nur die ersten Hälfte des ersten Romans in einen gut zweieinhalb Stunden langen Film packt. Dadurch hat er Zeit, Zeit, alles in Ruhe zu erzählen… und diese Zeit nutzt er auch aus.

Es ist unglaublich gut, wie Villeneuve diese Menge an Stoff und Charakteren balanciert… und sich dabei dennoch nicht in unzähligen Expositionsmomenten verliert. Natürlich muss gerade am Anfang von „Dune“ viel erklärt und erzählt werden, aber Villeneuve nutzt dafür einfach die Rolle von Chalamets Paul, der sich ja selbst weiterbilden muss und mehr über diesen Planeten erfahren will, der bald sein Leben bestimmen wird. Das funktioniert erzählerisch hier verdammt gut – und liefert eine gute Grundlage, um diese große, epische Geschichte um politische Ränge und Intrigen aufzubauen.

Es hilft dabei natürlich ungemein, dass der Film voll gestopft ist mit den einigen der besten Talenten, die wir zur Zeit vor der Kamera haben. Timothee Chalamet spielt Paul so unglaublich gut. Er wirkt auf den ersten Blick fast schon zerbrechlich und je mehr ihm klar wird, was auf ihn zu kommt, desto mehr glaubt man, er könne auch daran zugrunde gehen. Doch wie Paul hier vor unseren Augen wächst und sich mehr und mehr auf seine eigenen Beine stellt, ist wirklich unglaublich gut. Chalamet zeigt hier eine Bandbreite, die ich so bislang von ihm noch nicht gesehen habe. Getoppt wird er in diesem Film eigentlich nur noch von Rebecca Ferguson, die hier alle Ängste einer Mutter, einer Frau eines Herzogs und einer Schwester eines Ordens auf einmal spielen muss. Ihre Lady Jessica ist so unfassbar gut und nuanciert dargestellt, dass man gar nicht anders kann, als mit ihr mitzufiebern.

Und das sind nur zwei der zig Darsteller in diesem Film, die alle einfach nur ihr Bestes geben. Dave Bautista zeigt nach „Blade Runner 2049“ erneut, wie gut er eigentlich sein kann. Oscar Isaac ist wunderbar, Jason Momoa ist perfekt für Duncan Idaho und und und – es gibt an keinem Cast-Mitglied auch nur irgendwas zu meckern.

Wie auch nicht am Rest des Films. Die Kostüme sind der Hammer, von den Uniformen, über die Rüstungen und Kleider zeigt sich hier eine Detail-Verliebheit, wie sie die Welt von „Dune“ einfach braucht. Das gilt dann auch für das Ausmaß der Sets, bei denen man auch einfach merkt, wie viel Villeneuve an echten Sets gedreht hat. Dazu kommen die unglaublich epischen und eindrucksvollen Bildern, die perfekt akzentuiert von Hans Zimmers Musik untermalt werden (der für diesen Film sogar Nolan für „Tenet“ eine Absage erteilte).

Schauspielerisch, erzählerisch, bild- und musiktechnisch ist „Dune“ einfach nur ein Traum fürs Kino, in dem Villeneuve wirklich zeigt, dass er Frank Herberts Roman ernst nimmt und diesen so getreu wie möglich umsetzen möchte. Ich habe so lange auf „Dune“ gewartet und Villeneuve hat nicht enttäuscht. Dieser Film ist ein Meisterwerk in jeder Hinsicht, dieser Film ist das, wofür Kino gemacht wurde – und ich kann nur hoffen, dass das Ganze erfolgreich genug wird, um uns wenigstens einen zweiten Teil und den Abschluss von Band 1 der ersten Dune-Trilogie zu bescheren.

Für mich ist „Dune“ schon jetzt DER Film des Jahres… daran wird sich auch nichts mehr ändern. Absolut ein Erlebnis… wenn man nur einen Film in diesem Jahr gesehen hat, sollte der „Dune“ heißen.

Wertung: 10 von 10 Punkten (hier stimmt echt einfach alles und Villeneuve übertrifft sich selbst)

14 Kommentare leave one →
  1. 17. September 2021 15:21

    Das klingt großartig! Ich hab ja durchaus auch eine Schwäche für den Lynch-Film, aber auf den neuen bin ich richtig heiß. Werde nun auch endlich einmal das Buch lesen.

    • donpozuelo permalink*
      17. September 2021 21:06

      Der neue ist super. Und ja, das Buch werde ich auch nochmal lesen. Habe mir die komplette erste Trilogie jetzt endlich mal besorgt 😁

  2. 18. September 2021 23:48

    Hm, ich war immer sehr zufrieden mit Lynchs eingedampfter Version, okay Sting war peinlich aber sonst? Das Buch wurde mir erst später aufgezwungen. Diese mehrteilige Verfilmung mit William Hurt fand ich grausam, hier bin ich skeptisch, weil ich alleine schon Oscar Isaac absolut fehlbesetzt finde und den Aquaman, warum nur? Und dann ist mittendrin Schluss? Oh weih, das erzähle ich Freundin aber nicht bevor wir reingehen- Jetzt habe ich doch etwas bammel :))

    • donpozuelo permalink*
      19. September 2021 11:55

      Die Lynch-Variante ist jetzt auch wirklich nicht so furchtbar, das stimmt schon. Nur viel zu überfrachtet. Selbst Sting fand ich immer auch ein bisschen witzig. Ich glaube, der hat das Ganze auch nicht zu ernst genommen 🤣

      Oscar Isaac ist echt super in der Rolle… und wenn du Aquaman da erstmal in Aktion erlebst, passt der auch wirklich gut.

      Dass mittendrin einfach mal Schluss ist, ist wirklich ärgerlich. Vor allem, weil Teil 2 ja wohl wirklich erst gedreht wird, wenn der hier halbwegs erfolgreich wird.

  3. 19. September 2021 14:52

    Auch bei deinem zweiten zehn Punkte Film des Jahres muss ich sagen, dass ich da überhaupt nicht mitgehe. „Dune“ ist ein großer Film, aber es hat mich zu viel gestört, vor allem in der ersten Hälfte (die Balance aus Charaktere und Etablierung des Universums gelingt für mich da zu wenig), die zweite Hälfte hat mir sehr gut gefallen, obwohl ich im Gegensatz zu dir Timothee Chalamet für vollkommen fehlbesetzt halte. Ich hab da überhaupt keine Facetten in der Rolle gesehen, nur einen schmächtigen überforderten Jungen (für den er aber zu alt ist), der immer gleich reinguckt.
    Mit dem Schluss war ich allerdings ganz zufrieden.

    • donpozuelo permalink*
      19. September 2021 18:54

      Okay… ich mochte Chalamet tatsächlich gerne. Was du zur ersten Hälfte sagst, kann ich sogar nachvollziehen, aber mich hat es nicht so gestört. hab den Film jetzt sogar noch ein zweites Mal gesehen und war immer noch schwer begeistert. Bin mal gespannt, ob (und wann) wir dann Teil 2 zu sehen bekommen.

      • 20. September 2021 09:29

        Ich mochte ihn bisher in jeder Rolle, aber hier hat er für mich als Ankerpunkt nicht funktioniert. Das lag zum Teil an Ihm, zum Teil aber auch daran, welche Last er als Protagonist hier zu tragen hat.
        Du hast auch das Buch gelesen, für Buchleser entstehen andere Hintergründe, mit denen man die Pacingleerlaufphasen füllen kann.
        Nachdem, was ich gelesen habe, wie das Buch weiter geht, bin ich sicher, dass da der interessantere Film entstehen würde.

        • donpozuelo permalink*
          21. September 2021 08:53

          Auf jeden Fall wird der zweite Film der interessantere Film werden. Aber das ist halt auch ein bisschen das Schicksal des ersten Films. Er muss halt sehr viel aufbauen, um allen Zuschauern ein Verständnis von dieser Welt zu geben. Da wird Chalamet dann bestimmt auch noch ein bisschen mehr zu tun bekommen.

  4. 8. Oktober 2021 20:44

    Kann ich nur so unterschreiben. Ich fand den bombastisch. Aber die Meinungen sind tatsächlich sehr gespalten. In meinem Bekanntenkreis gibt es viele Begeistert, aber auch einige, die sagen sie verstünden den Hype nicht und könnte mit dem Hauptcharakter nichts anfangen. In Gesprächen stellte sich dann jedes Mal heraus, dass das Dilemma von Paul (seine Visionen, die düstere Aussicht der Zukunft, seine aufgedrückte Prophetenrolle, die er andererseits aber auch zum Überleben braucht) nicht so richtig rübergekommen ist.
    Hier weiß ich halt auch nicht, ob man „im Vorteil“ ist, wenn man das Buch gelesen hat. Ich hab’s kurz vorher gelesen.

    • donpozuelo permalink*
      9. Oktober 2021 08:00

      Ja, diese Diskussionen hatte ich auch. Aber ein guter Freund von mir kannte nichts davon und war trotzdem begeistert. Tatsächlich höre ich aber auch, dass viele den Lynch Film trotzdem bevorzugen… einfach weil in dem ja auch alle Charaktere immer noch zu hören sind, mit dem was sie denken.

      Mit Sicherheit ist es hilfreicher, dass alles durch die Bücher schon zu kennen. Aber ich finde, es ist kein Muss.

      Ein Muss ist nur, dass Villeneuve auch wirklich seinen zweiten Teil noch ins Kino bringt.

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