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Random Sunday #31: Lovecraft Country

3. Mai 2020

Ich habe es ja bestimmt schon das ein oder andere Mal auf diesem Blog erwähnt: Ich bin ein riesiger Lovecraft-Fan. Deswegen hoffe ich auch nach wie vor, dass Regisseur Richard Stanley es wirklich schaffen wird, seine Lovecraft-Trilogie zu verwirklichen. Sein „Color out of Space“ war schon herrlich abgefahren, eklig und unheimlich… ich möchte da nur zu gerne noch zwei weitere Filme in diesem Stil zu Gesicht bekommen (obwohl ich mir auch nach wie vor wünsche, dass Guillermo del Toro sein ad acta gelegtes Projekt „At the Mountains of Madness“ wiederbeleben würde – das ist nach wie vor einer der besten Geschichten von Lovecraft, wie ich finde).

Lovecraft hat ja einige Leute dazu inspiriert, in seine Fußstapfen zu treten und in seine Welt auf die ein oder andere Art und Weise einzutauchen. Mein erstes Mal Lovecraft habe ich zum Beispiel Wolfgang Hohlbein zu verdanken, der mit seiner Reihe „Der Hexer von Salem“ mit HP Lovecraft erst näherbrachte, bevor ich dann danach selbst den richtigen Lovecraft las (in der Hexer-Reihe taucht Lovecraft als eine Art Sidekick auf und es wird einem suggeriert, dass alles, was er je geschrieben hat, auf wahren Begebenheiten basiert – eigentlich ganz cool gemacht).

Vor kurzem bin ich dann (als es noch kein Corona gab und ich noch durch Bücherläden laufen durfte) über Matt Ruffs „Lovecraft Country“ gestoßen. Und ich weiß nicht, woran es lag, dass ich das Buch mitnahm: Lag es nur daran, dass es auf dem Buchrücken hieß, Ruff würde die Welt von Lovecraft aufleben lassen? Oder lag es auch daran, dass da stand, dass JJ Abrams gemeinsam mit Jordan Peele an einer Serie zu diesem Buch arbeiten würde. Vielleicht war es beides… und tatsächlich bietet sich das Buch perfekt für eine Serie von Abrams und Peele an (das war jetzt mal die längste Einleitung, ohne dass ich ein Wort zum eigentlichen Thema dieses Artikels habe fallen lassen 😀 ):

Der junge Atticus kommt gerade aus den Wirren des Koreakriegs zurück nach Hause, als sein Vater Montrose verschwindet. Gemeinsam mit seinem Onkel George, der den „The Safe Negro Travel Guide“ veröffentlicht, und seiner Kindheitsfreundin Letitia macht sich Atticus auf die Suche. Auf ihrer Reise werden sie nicht nur mit dem Rassenhass der Weißen konfrontiert, sondern mit einem Horror, der den Büchern Lovecrafts entspringen zu scheint.

Interessant an „Lovecraft Country“ ist die Tatsache, dass diese Suche nach Atticus‘ Vater nur eine Episode ist von acht. Jede Episode behandelt eine andere Geschichte, doch verknüpft sind sie alle durch den mysteriösen Caleb Braithwhite, der einer geheimnisvollen Gruppe namens „Sons of Adam“ angehört. Die Geschichten variieren dabei stark und erinnern dabei immer sehr schön an Lovecraft: Eine Episode entführt uns auf einen anderen Planeten (ich verrate nicht wie), eine weitere erzählt eine klassische Haunted-House-Geschichte und wieder eine andere erzählt von einem unheimlichen Experiment, dass eine junge schwarze Frau die Fähigkeit verleiht, die Farbe ihrer Haut zu verändern. In diesen kleinen Episoden zeigt Ruff sehr schön, dass er sich mit den Horror-Elementen eines Lovecraft gründlich auseinandergesetzt hat… allerdings schwankt die Qualität der einzelnen Episoden dann doch hier und da. Die mit dem Planeten zum Beispiel fand ich super. Die Haunted-House-Episode ist eher mäßig und regelrecht gelangweilt habe ich mich bei der vorletzten Geschichte über eine Art verwunschene Puppe. Das Niveau der Stories schwankt also doch ganz schön… und leider überzeugte mich am Ende auch das Finale dieser kleinen Ansammlung von Geschichten. Nach dem großen Aufbau einer komplexen Hintergrund-Geschichte wirkt das Finale schon beinah übereilt und etwas lieblos.

Spannend wird das Ganze natürlich auch dadurch, dass Ruff es gelingt, ein glaubhaftes Bild der damaligen Zeit zu zeichnen. In „Lovecraft Country“ trifft der fiktive Horror auf den realen Horror von Rassenhaus, Ausgrenzung und Schikane, der sich in den 50er Jahren Afroamerikaner ausgesetzt sahen. Ruff nimmt da kein Blatt vor den Mund und lässt dadurch manchmal den Lovecraft’schen Horror weniger schlimm wirken.

Nach der Lektüre kann ich die Serie von Abrams und Peele förmlich vor mir sehen. Dank Filmen wie „Get Out“ und „Us“ hat Peele ja schon gezeigt, dass er Ruffs Vermischung von fiktivem und tatsächlichem Horror gut auf die Leinwand bringen kann. Mit Abrams als Mystery-Experten könnte diese Serie möglicherweise sogar die Vorlage übertreffen – man braucht nur ein besseres Finale und hat zudem die Freiheiten, sich einfach an den zahlreichen Stories von Lovecraft zu bedienen, um „Lovecraft Country“ gut auszubauen.

Von daher bin ich gespannt auf die Serie… aber das Buch ist für eine schnelle Lektüre nicht zu verachten.

2 Kommentare leave one →
  1. 23. Mai 2020 19:41

    Woah – Lovecraft – The Complete Fiction, um diese Mörder-Ausgabe mit der man locker jemanden erschlagen oder sich den Fuß ganz schlimm zurichten könnte, bin ich schon einige Male herumgeschlichen. 🙂
    Auf die Serie bin ich tatsächlich auch sehr gespannt. Das Buch habe ich noch nicht gelesen und bin noch unschlüssig, ob ich das vorher lesen will oder nicht. Vom Trailer her hätte ich jetzt gedacht, dass es sich nur der Geschichte um das Verschwinden des Vaters widmet … aber das kann ja auch nur so wirken. Dachte ich bei Tales from the Loop auch.

    • donpozuelo permalink*
      23. Mai 2020 20:43

      Das Buch an sich wird vom Buchrücken her auch nur verkauft, als die Geschichte des Verschwindens des Vaters. Aber das ist nur die Einleitung in viele andere Geschichten, die durch bestimmte Elemente der ersten miteinander verbunden sind.

      Auf die Serie bin ich auch mal gespannt.

      Und ja, die Lovecraft Complete Edition musste mal sein. Ich hatte früher diese kleinen Suhrkamp Taschenbücher, die irgendwann durchs viele Lesen doch sehr beschädigt waren… und dann habe ich mir mal diese tolle Hardcover Version gegönnt

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