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Jeremiah 11:11

17. April 2019

Jordan Peele scheint sich mehr und mehr einen Namen als Garant für gute Horror-Unterhaltung zu machen. Mit „Get Out“ gelang ihm ja ein Hit… und seitdem ist der Komiker von einst plötzlich unser neuer Gänsehaut-Experte. Gibt es eine Korrelation zwischen Horror und Komik? Man lacht ja auch viel, wenn man in einem Horror-Film sitzt – also einige Menschen machen das, um ihre Unsicherheit zu überspielen. Vielleicht sind Komiker deswegen prädestiniert dafür, uns auch zu schocken? Keine Ahnung, ist jetzt weit hergeholt, aber Peele hat’s drauf. Er soll ja jetzt demnächst auch ein Remake von „Twilight Zone“ ins Fernsehen bringen. „Get Out“ wäre ja auch eine gute „Zone“-Folge gewesen. Und sein neuester Film wäre ebenfalls eine verdammt gute Folge der Serie gewesen.

In „Us“ (oder auf Deutsch: „Wir“) will Familie Wilson eigentlich nur ein bisschen Urlaub am Strand machen. Doch Strand ist für Mama Adelaide (Lupita Nyong’o) ein schwieriges Thema, hatte sie doch in ihrer Kindheit ein sehr traumatisches Erlebnis am Strand. Doch ihr Ehemann Gabe (Winston Duke) will davon nichts wissen. Er schnappt sich seine Frau und die Kinder Zora (Shahadi Wright Joseph) und Jason (Evan Alex) – und ab geht es an den Strand. Später am Abend wird es jedoch merkwürdig: Eine Familie taucht in der Einfahrt auf… eine Familie, die ins Haus eindringt und die Wilsons gefangen nimmt. Richtig unheimlich wird es, weil die Eindringlinge haargenau so aussehen wie die Wilsons selbst. Anführerin Red (ebenfalls Nyong’o) will Adelaides kleine Familie töten, um mit ihrer Doppelgänger-Familie ihren Platz einzunehmen. Ein Kampf um Leben und Tod beginnt… und ein dunkles Geheimnis muss aufgedeckt werden.

„Us“ ist einer dieser Filme, der mit jedem Tag, der nach dem Schauen verstreicht, irgendwie besser wird. Man denkt drüber nach, rätselt, kombiniert. „Us“ präsentiert als Film, der als guter Home-Invasion-Thriller anfängt, der durch das Doppelgänger-Thema schon einen besonders unheimlichen Twist bekommt und dann später dem ganzen noch so einen netten Verschwörungstwist anhängt, der später noch durch eine weitere Wendung verfeinert wird. Mit „Us“ führt uns Jordan Peele mal wieder in bester „Twilight Zone“-Manier an der Nase herum… was ich erst gar nicht so mochte. Was an der plötzlichen Verlagerung der Thematik und des Feelings des Films lag.

Die erste Hälfte ist wirklich sehr intim und verdammt unheimlich. Da geht es nur um die Wilsons und ihre Doppelgänger. Da spielt Peele perfekt mit der Angst, mit dem Unbekannten. Es geht nur um diese eine kleine Familie, die um ihr Leben bangt… und einfach nicht weiß, wieso sie überhaupt bangen muss. Später geht es dann halt um mehr als nur die Familie… dann wird der Mikrokosmos Familie durch den Makrokosmos USA erweitert. Im Mittelpunkt stehen zwar immer noch die Wilsons, aber es geht um so viel mehr. Das ist der Punkt, der mir nach ein paar Tagen des Zeitlassens und Nachdenkens dann aber im Nachhinein auch wirklich gut gefallen hat.

„Us“ liefert einen netten Twist, der dank der tollen Darsteller und der irrwitzigen Story und gekonnt platzierten Rätsel-Hinweisen zu einem schönen Horror-Puzzle wird. Klar, bestimmte Elemente sind recht vorhersehbar – und sogar einen Twist kann man relativ früh erkennen, aber „Us“ funktioniert selbst dann noch verdammt gut. (Und wer seine Bibel-Stellen kennt, weiß auch schon ein bisschen früher Bescheid 😉 )

Peele orchestriert (unter anderem auch tatsächlich zu verdammt cooler Musik und einem passenden Soundtrack) diese kleine Sinfonie des Horrors. Gerade ich als „Akte X“-Fan und Verschwörungsfan kann diesen Film dann letztendlich doch nur wärmstens empfehlen – man muss sich halt nur darauf gefasst machen, dass „Us“ mehr zu bieten hat als nur Home Invasion mit Doppelgängern. Der Twist ist ein bisschen gaga, aber hey, er macht einfach verdammt viel Spaß.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Film Nr. 2 geglückt, mal gucken, womit uns Peele in Film Nr. 3 umhaut)

13 Kommentare leave one →
  1. 17. April 2019 09:36

    Also ich lache ja bei Horrorfilmen eher, weil die meistens saudoo sind. Wie ist das denn bei diesem hier? Ist der genau so vorhersehbar wie GET OUT oder hat Peele dann auch mal eine Überraschung im Ärmel?
    Nebenbei fand ich GET OUT nicht schlecht, nur überbewertet. Deshalb interessiert US mich schon, aber warum Peele plötzlich der Horrorkönig sein soll, wird mir nicht ganz klar. Kann US da was dran ändern?

    • donpozuelo permalink*
      17. April 2019 16:39

      Es gibt in diesem Film sehr viele unfreiwillig komische Stellen und er ist, wie gesagt, an einigen Stellen vorhersehbar… wenn man denn ein bisschen mitdenkt.

      Überbewertet könnte Peele wohl ganz gut treffen. Ich finde beide Filme nicht schlecht, aber auch nicht mega überragend, wie sie so oft bezeichnet werden.

      US ist gut. Gerade die erste Hälfte ist wirklich stark und hat mir gut gefallen… in der zweiten nimmt es etwas ab.

      • 17. April 2019 16:47

        Dein letzter Absatz fasst für mich auch GET OUT zusammen. Also kann ich mich wohl auf ein ähnliches Erlebnis einstellen.

        • donpozuelo permalink*
          17. April 2019 19:14

          Tatsächlich kann man das eigentlich so gut zusammenfassen. Ich glaube schon, dass du die gleichen „Probleme“ mit US haben könntest wie mit GET OUT. Es zeichnet sich bei Peele auf jeden Fall ein Stil ab, der mich so ein bisschen an den frühen Shyamalan erinnert: Mystery / Horror und am Ende muss der große Twist kommen.

        • 17. April 2019 19:40

          Bei Shyamalan war der erste Twist wenigstens gut. Aber ich werde ihn irgendwann mal gucken. Immerhin hebt es sich etwas von dem ganzen Jumpscarekram ab.

        • donpozuelo permalink*
          17. April 2019 19:48

          Das stimmt. In beiden Fällen. Shyamalan war cooler. Ich habe halt wirklich das Gefühl, dass sich Peele sehr stark an „Twilight Zone“ und „Outer Limits“ orientiert und am Ende immer noch so einen krassen Dreh mit einbauen muss. Ich bin mal gespannt, ob sein dritter Film dann auch so aufgebaut sein wird.

        • 17. April 2019 19:52

          Ziemlich sicher. Du weißt doch: Heutzutage wird eine erfolgreiche Formel nicht mal im Ansatz verändert, solange sie erfogreich ist.

        • donpozuelo permalink*
          17. April 2019 20:19

          Oh ja… unsere Freunde von Marvel haben das ja bis zur Perfektion getrieben 😀

        • 17. April 2019 21:16

          Und dafür werden wir sie immer lieben.

  2. 23. April 2019 22:13

    Also ich muss leider – ganz im Gegensatz sagen – dass das einer dieser Filme ist, der mit Abstand zum Kinobesuch für mich dezent schlechter geworden ist. Sicher Geschmacksfrage, aber ich war, als ich aus dem Kino kam, deutlich mehr angetan, als einige Tage später.
    Nette Theorie übrigens, dass es möglicherweise eine Korrelation zwischen Horror und Comedy gibt. Beides zählt ja – neben dem Thriller und dem Porno – zu den sogenannten Körpergenres. Also jene Genres, die eine physische Reaktion beim Zuschauer erzeugen (sollen).

    • donpozuelo permalink*
      25. April 2019 09:41

      Da bist du nicht alleine, wie ich schon festgestellt habe. Ist echt interessant…

      Und das mit den Körper-Genres stimmt wirklich. Hab ich so auch noch nie drüber nachgedacht.

  3. 27. April 2019 14:33

    Nachdem ich mit der Sichtung von „Get out“ ja ziemlich lang gewartet habe, sollte ich hier wohl doch mal etwas schneller reinschauen. Irgendwie scheint der Film ja allen zuzusagen…

    • donpozuelo permalink*
      28. April 2019 07:35

      Nicht unbedingt allen. Ich kenne genügend Leute, die ihn nicht so sehr mögen. Aber wenn du „Get Out“ mochtest, sollte dir „Us“ auch gefallen.

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