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Fremde Welten im Garten

9. März 2020

Normalerweise bin ich bei angekündigten Buch-Verfilmungen immer mehr als nur kritisch. Vor allem, wenn es sich um etwas handelt, was ich wirklich, wirklich sehr liebe – wie zum Beispiel die Geschichten von H.P. Lovecraft, die ich irgendwann mit 12 oder 13 für mich entdeckt habe und die mich seitdem nicht mehr loslassen. Ich lese immer mal wieder zwischendurch ein oder zwei seiner Geschichten. Als es irgendwann mal hieß, Guillermo del Toro würde gerne „At the Mountains of Madness“ verfilmen wollen – tatsächlich eine meiner Lieblingsgeschichten von Lovecraft – hat mich das sehr gefreut. Del Toro habe ich diesen Stoff zugetraut. Doch daraus wurde leider nie was und Lovecraft wurde wieder in Ruhe gelassen. Mit meiner Filmreise-Challenge stieß ich dann vor einiger Zeit auf den Südafrikaner Richard Stanley, der mich mit seinem Film „Dust Devil“ sehr überraschte – und noch mehr als ich las, dass er „The Colour out of Space“ von Lovecraft verfilmen würde. Mit Nicolas Cage in der Hauptrolle. Da habe ich mich dann wieder auf etwas gefreut… und wurde zum Glück nicht enttäuscht.

Nathan Gardner (Cage) zieht mit seiner Familie – Ehefrau Theresa (Joely Richardson), Tochter Lavinia (Madeleine Arthur) und die Söhne Benny (Brendan Meyer) und Jack (Julian Hilliard) – auf eine kleine Farm mitten im Nirgendwo. Als eines Nachts ein Meteorit auf dem Gelände abstürzt, verändert sich das Leben der Familie schlagartig. Das Gestein aus dem All verströmt eine merkwürdige Farbe… zieht in einer weiteren Nacht mehrere Blitze auf sich an und beginnt langsam die Umgebung der Farm zu verändern. Davon betroffen scheint anfangs nur die Fauna, bis es sich auch auf Lebewesen und schließlich die Gardner-Familie ausweitet.

„Color out of Space“ ist ein Slow-Burner. Regisseur Richard Stanley lässt sich Zeit, kümmert sich erst einmal um seine Charaktere. Das Mysterium Meteorit erscheint anfangs fast mehr wie eine Nebensächlichkeit. Da die Veränderungen durch das außerirdische Gestein erst einmal gering ausfallen, passt das auch. Und es ist auch wichtig… wir brauchen diese langsame Anfangsphase, um uns mit den Charakteren vertraut zu machen – nur so lassen sich die Veränderungen, die sie später durchlaufen, besser nachvollziehen. Hier kommen die Darsteller dann zur Geltung, die ihre Wandlungen wunderbar ausspielen können. Natürlich ist Cage hier der King, ermöglicht ihm „Color out of Space“ doch gerade zum Ende hin, so richtig Nic Cage zu sein. Ein Typ, der auch mal wieder herrlich austickt.

Das Familien-Drama, das sich  in „Color out of Space“ entfaltet, macht den Film spannend. Die Charaktere sind vielleicht hier und da ein bisschen klischeebehaftet – natürlich bemerkt das jüngste Kind zuerst die Veränderungen – und natürlich ist die Tochter eine Wicca, die sich eng mit der Natur verbunden sieht, aber es passt alles gut zusammen. Hier lohnt sich auch, dass Richard Stanley, der auch das Drehbuch geschrieben hat, von der Kurzgeschichte abweicht und eben diese Familie dazu dichtet. Bei Lovecraft sind nicht so viele Menschen beteiligt. Für den Film macht es aber sehr viel mehr Sinn.

Was „Color out of Space“ dann aber wirklich gut und gruselig macht, ist zum einen die Atmosphäre und zum anderen die Effekte. Der Film fühlt sich wie ein 80ies B-Movie an – aber auf die gute Weise. Stanley zerpflückt gekonnt dieses Microkosmos Familie… und das halt langsam, aber stetig. Erste Veränderungen sehen sogar noch schön aus (leuchtendes Gras, schöne, fremdartige Blumen), aber dann irgendwann ist man in einem Wirbel gefangen, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt. Immer mehr und mehr geht schief, Familienmitglieder verhalten sich merkwürdiger und merkwürdiger. Die Tiere rasten aus… es schwebt Unheil in der Luft…

Wenn man dieses Unheil, die Veränderungen dann sieht, dann ist „Color out of Space“ auch ein toller Horror-Film, der an einigen Stellen gut zu erschrecken, aber auch zu ekeln weiß. Die praktischen Effekte erinnern an Klassiker wie „Die Fliege“ oder „Das Ding aus einer anderen Welt“… und gerade weil in diesem Film sehr viel mit praktischen Effekten gearbeitet wird, hat das alles so viel mehr Wirkung. Und sieht halt verdammt gut eklig aus.

Richard Stanley hat angekündigt, dass er gerne eine ganze Trilogie aus Lovecraft-Filmen machen wollen würde. Wenn „Color out of Space“ der Anfang ist, will ich unbedingt mehr davon sehen. Das ist wirklich mal eine würdige Lovecraft-Verfilmung!!!

Wertung: 9 von 10 Punkten (der Lovecraft-Fan in mir ist mehr als nur zufrieden)

6 Kommentare leave one →
  1. 9. März 2020 10:17

    Oh Gott, das macht mich jetzt fertig; wieder so ein Film, der nur in Popelkinos im Nirgendwo läuft. Auf den Aufstieg ins Sputnik habe ich ja gar keine Lust.
    Ich gehe jetzt in meine Kammer und weine eine Runde :)))

    • donpozuelo permalink*
      9. März 2020 18:53

      Ich hatte den letzten Gott sei Dank im Rollberg geguckt. Keine Ahnung, wo der hier in Berlin regulär läuft… aber Popelkino wird wohl schon stimmen.

      Dann lieber einfach auf die Blu-Ray warten und bequem zuhause genießen.

  2. 17. März 2020 21:12

    Ich bin erstaunt … eigentlich hatte ich erwartet, dass das die totale Grütze wird. XD Der Trailer sah so aus als ob man da das trash movie des Jahres (neben Cats) erwarten darf. Wenn mir schon jemand erzählt, dass er oder sie noch nie so eine Farbe gesehen hat und ich denke „Das ist Lila, Mann!“ dann hab ich schon keine Lust mehr … . Aber so wie das klingt, kann man dem eine Chance geben?

    • donpozuelo permalink*
      18. März 2020 07:41

      Auf jeden Fall. Denn so ein Lila hast du noch nie gesehen 🙈 Aber im Ernst, der Film ist echt gut. Sehr schöne Lovecraft-Verfilmung. Muss ich einfach sagen…

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