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Filmreise Etappe #28: Robo-Mama

1. Mai 2020

Meine letzten beiden Sci-Fi-Filme waren eher etwas älter: „Hardware“ ist schon 30 Jahre alt und Verhoevens „Starship Troopers“ haben schon gut 20 Jahre auf dem Buckel. Da kam es mir gerade recht, dass mich amazon Prime auf einen aktuelleren Film aufmerksam machte, den ich im Kino sehen wollte, aber nicht dazu kam (und nein, das war noch vor Corona): „I am Mother“ läuft da aktuell… und ich dachte, der passt doch auch mal gut in die Filmreise quer durch Filme, die uns eine unheimliche Zukunft zeigen.

Regisseur Grant Sputore schickt uns in einen Bunker. Ein Sicherheitsbunker, der das Überleben der Menschheit gewährleisten soll, wenn die sich mal eben selbst auslöscht. Dieser Tag tritt nun ein (ohne das wir als Zuschauer erfahren, was vor der schweren Bunkertür passiert)… und daraufhin wird Mother (Rose Byrne) aktiviert. Die Robo-Mama lässt nun das erste Embryo aufwachsen. Ihre Daughter (Clara Rugaard), wie sie sie nennt, lässt Mother nun behütet im Bunker aufwachsen und bereitet sie darauf vor, das zukünftige Leben der anderen zu leiten. Doch eines Tages kommt es, wie es kommen muss: Daughter ist fasziniert, was draußen vorgefallen ist… und dann wird alles anders, als eine Frau (Hillary Swank) plötzlich an die Tür klopft und das Leben von Mutter und Tochter auf den Kopf stellt.

Ich mag diese Bunker-Szenarien. Das liefert immer gute Möglichkeiten für ein spannendes Kammer-Spiel. Das ist auch bei „I am Mother“ nicht anders. Dabei muss ich mal gleich das Zusammenspiel zwischen Mother und Daughter loben… diese etwas andere Beziehung ist wirklich unglaublich gut in Szene gesetzt. Rose Byrne, die dem Roboter ihre Stimme leiht, schafft es, diesem Roboter eine Seele zu geben. Sie ist nicht einfach nur eine Maschine, sie wird wirklich zu einer besorgten Mutter, die sich mit allem, was sie hat, um ihre Tochter kümmert. Mothers Design hat nicht viel Spielraum für „Emotionen“, aber allein diese kleinen Knopflichter, die sich hin und her bewegen können, reichen schon aus, um auch mal ihre „Unsicherheiten“ zu zeigen. Es ist wirklich beeindruckend, wie gut dieser Film diesen Roboter vermenschlichen kann.

Dazu kommt eine grandiose Clara Rugaard, die hier gegen Robo-Mama aufspielen muss… und die wirklich alles gibt für diese Rolle. Dank ihres überzeugenden Schauspiels nimmt man Mother auch erst wirklich als Mutter wahr. Ich meine, wenn man sich mal überlegt, dass sie jemanden spielt, die ihr ganzes Leben lang nie einen anderen Menschen kennengelernt hat. Da muss ihre Mutter ihr ja einfach normal vorkommen. Da verwundert es mich sogar etwas, wie „locker“ sie auf die Frau reagiert, die neu dazu kommt.

Natürlich ist dieses Dreiecksgespann allein nicht der ganze Film. Es gibt auch so einiges zu entdecken. Eine Sache gibt es, die jedem, der gut im Kopfrechnen ist, sofort auffällt. Mir ist dieser Punkt erst in der Mitte des Films aufgefallen… und als ich dann den Taschenrechner rausnahm und nachrechnete, wunderte ich mich. Dann kam mir die Idee, was es mit dieser Rechnung auf sich haben könnte… und schon ging der Film auch darauf ein, denn Mother hat ein dunkles Geheimnis. Wie gesagt, das mag man als Mathematiker vorhersehbar finden, aber der Film umschifft das eigentlich ganz gut. Wenn man nicht zu viel drüber nachdenkt, überrascht es einen. Wenn man darüber nachdenkt, kann man dem Film nicht mal einen Vorwurf machen – es ist halt schon zu Beginn des Films offensichtlich, man muss halt nur schnell rechnen können 😀

Davon aber mal abgesehen ist „I am Mother“ durchaus spannend inszeniert. Am Ende geht es auch weniger um die großen Enthüllungen (wir dürfen mit Daughter sogar mal den Bunker verlassen und die Welt sehen), sondern um die „menschlichen“ Interaktionen…

Wertung: 8 von 10 Punkten (spannendes Kammerspiel mit überzeugender Robo-Mama)

An dieser Stelle habe ich mal eine spoiler-lastige Frage für all diejenigen, die „I am Mother“ vielleicht schon gesehen haben (die ich natürlich in weißer Schrift tarnen werde, damit man sie markieren muss, um sie lesen zu können): Es sind ja knapp 38 Jahre vergangen, seit Mother ihre erste Tochter zum Leben erweckt hat. Als das alles offenbart wurde, habe ich mich die ganze Zeit gefragt, ob die Frau von draußen möglicherweise genau diese erste Tochter gewesen sein könnte. Wahrscheinlich ist das komplett daneben, aber für den Film an sich hätte ich es schon irgendwie cool gefunden, wenn es gestimmt hätte.

4 Kommentare leave one →
  1. Ma-Go permalink
    1. Mai 2020 08:38

    Es ist schon eine Weile her, dass ich den Film gesehen habe und ihn übrigens nur ok fand.

    Zu deiner SPOILERFRAGE:
    Wie gesagt, ist schon eine Weile her. Aber ich dachte das wäre eigentlich ziemlich klar gezeigt, dass die Frau tatsächlich der erste Tochterversuch war. Weiß nicht mehr an welcher Stelle das angedeutet/gesagt wird. Aber ich hatte das schon so verstanden.

    Ich hatte übrigens den Fehler gemacht und direkt am Anfang, als auf den Texttafeln gezeigt wird wie viele Tage seit dem Ende der Menschheit vergangen sind, nachzurechnen wie viele Jahre das sein müssten. Da würde relativ schnell klar, dass hier etwas nicht stimmen kann und den ersten Twist habe ich dann schon früh geahnt

    • donpozuelo permalink*
      1. Mai 2020 10:22

      Ich fand sie haben den Aspekt mit der ersten Tochter recht schwammig gelassen. Aber letztendlich würde es für die Story am meisten Sinn machen… nur dann wiederum? Würde die Frau nicht was sagen? Sie versucht doch alles, um das Mädchen davon zu überzeugen, dass sie ihrer Mutter nicht trauen kann.

      Und ja, das mit dem Rechnen kam bei mir zum Glück erst später 😅😅😅

      • Ma-Go permalink
        1. Mai 2020 10:25

        Ich glaube sie war noch sehr klein, als sie durch den Test gefallen ist. Deswegen erinnert sie sich nicht mehr richtig.

        • donpozuelo permalink*
          1. Mai 2020 18:34

          Stimmt. Diese Ebene gibt dem Film auf jeden Fall was…

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