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Der Vogel im Käfig

19. August 2015

Wenn es einen Preis für den wohl klingensten und poetischsten Filmtitel geben würde, dann wäre Gregg Arakis „White Bird in a Blizzard“ ein guter Anwärter darauf. „White Bird in a Blizzard“ – allein bei dem Titel tauchen sofort Bilder in meinem Kopf auf… natürlich von einem Schneesturm und natürlich von einem weißen Vogel, der in diesem Sturm nicht nur verdammt schwer zu sehen ist, sondern selbst auch ganz schön am Kämpfen ist, um irgendwie in der Luft zu bleiben. Und damit ist Arakis Titel für seinen neuesten Film schon richtiggehend prophetisch, was den Film angeht: Denn wie der weiße Vogel im Schneesturm hat auch „White Bird in a Blizzard“ selbst ganz schön Schwierigkeiten in der Luft zu bleiben… wenn wir mal bei dem Bild an sich bleiben wollen.

Kat (Shailene Woodley) ist gerade mal 17 Jahre alt, als ihre Mutter Eve (Eva Green) spurlos verschwindet. Für ihren Vater (Christopher Meloni) scheint eine Welt unterzugehen, auch wenn uns Kat in Rückblenden von einer Ehe erzählt, die auf beiden Seiten ziemlich unerfüllt war: Eve war die typische gelangweilte Hausfrau, die ihre Träume von einem schönen Leben nicht wirklich ausleben konnte, die ihre Tochter um ihre Jugend beneidete und ihren Mann verabscheute. Aber was weiß Kat schon, schließlich muss sie selbst erst einmal erwachsen werden…

Chillen mit Panda…

„White Bird in a Blizzard“ ist so vieles und zu vieles auf einmal… irgendwo zwischen Thriller, Entführungsdrama und Coming-Of-Age-Story spinnt Gregg Araki seine Vorstadt-Geschichte, die durch seine Rückblenden nett verschachtelt ist, aber sich irgendwie auch in sich selbst verliert. Denn was Araki eigentlich in den Vordergrund stellen will, ist nie so ganz klar. Beziehungsweise… klar ist es schon, nur etwas gestelzt und umständlich erzählt…

Denn im Endeffekt geht es in „White Bird in a Blizzard“ um Kat und wie sie mit all dem umgeht: Wie sie mit ihrer merkwürdigen, strengen, neidischen Mutter umgeht und ein wenig rebelliert; wie sie mit dem Verschwinden ihrer Mutter umgeht und verzweifelt vor der Einöde und ihrem gefühlsleeren Vater in die Arme des ermittelnden Polizisten (Thomas „The Punisher“ Jane) flüchtet.

Wenn ich ein Auge zudrücken könnte, würde ich sagen, dass das ein nettes Drama um Verlust und Bewältigung ist, aber Araki würfelt einfach zu viel wahllos zusammen, ohne uns emotionale Tiefe zu bieten. Am Ende des Films interessiert mich weder Kats Schicksal noch das ihrer Mutter oder ihres Vaters. Die Charaktere bleiben mir gleichgültig, weil sie einfach merkwürdig agieren.

Gut, vielleicht ist auch das gewollt, aber so richtig warm wurde ich in diesem Film mit niemandem. Shailene Woodley macht ihre Sache schon gut, aber… hmmm… mehr kann ich zu ihr auch nicht sagen. Araki stützt sich gefühlt ein bisschen zu sehr auf seine Hauptdarstellerin, die aber letztendlich auch nicht mehr zu bieten hat als die üblichen Klischees. Wozu dann auch noch passend die „fette“ Freundin und der schwule beste Freund zählen… und so bekommen wir ein Trio, das einfach nur langweilig ist, weil man es schon oft genug genauso gesehen hat… und besser.

Einzig und allein Eva Green hat mir gefallen. Gut, jetzt bin ich auch ein großer Fan der bezaubernden Eva Green, aber als dieser Paradiesvogel, gefangen in dem Vorstadt-Käfig, fand ich sie großartig. Allein die Art, wie sie guckt, ist großartig. Diese Frau packt so viel Verachtung in einen Blick… das ist unglaublich. Ihre Eve wirkt wie aus einem Katalog, als wenn sie nicht von dieser Welt wäre… der passende Kontrast zu dem „einfachen“ Ehemann, den sie aus welchen Gründen auch immer geheiratet hat. Leider bekommen wir von Eva Green nicht so viel zu sehen… geht es doch nicht wirklich um sie, sondern mehr um die Geschichte von Kat und damit Shailene Woodley.

Vielleicht bin ich an „White Bird in a Blizzard“ auch mit zu großen Erwartungen herangegangen, wurde mir doch Regisseur Gregg Araki von einem Freund als sehenswerter Filmemacher sehr ans Herz gelegt. Und dann erwartet man natürlich ein bisschen was… nur halt nicht so ein Drama, das nie so richtig in die Gänge kommen will.

Wertung: 5 von 10 Punkten (die Darsteller sind top, nur das Drehbuch ist verkorkst… )

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2 Kommentare leave one →
  1. 19. August 2015 15:21

    Das war fast schon zu befürchten, obwohl ich den Trailer sehr, sehr großartig fand. Schade drum.

    • donpozuelo permalink*
      19. August 2015 17:25

      😀 Wieso war das zu befürchten?

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