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Bestrafung muss sein!

19. Oktober 2012

Helden müssen immer leiden. Batman verliert seine Eltern, Spidey seine Eltern, seinen Onkel und auch eine Freundin, Superman verliert gleich seinen ganzen Planeten und so weiter und so fort. Wer sich Superheld nennen will, der braucht einen Tiefschlag. Einen krassen am besten, irgendwas wirklich Hartes. Dadurch kann sich der Held dann gleich auch noch als Held beweisen… denn er nimmt sein eigenes Leid und versucht, das anderer zu lindern. Damit ihnen vielleicht nicht passiert, was ihm einst widerfahren ist. Die Erinnerung an sein eigenes Schicksal wird also zur Triebkraft, Ansporn, Wiedergutmachung zu leisten.

Somit nehmen wir es dann auch hin, wenn Batsy und Co. die wilden Burschen ordentlich verprügeln. Gewalt ist dann in Ordnung, solange sie gegen die Bösen geht. Zumal es ja meist immer die Bösen sind, die für den schweren Schicksalsschlag verantwortlich waren. Und im Fall von Frank Castle sind es die ganz, ganz Bösen. Frank (Thomas Jane) ist Undercover-Agent beim FBI. Bei einem Waffendeal geht aber so einiges schief und der Sohn des mächtigen Mafiosi Howard Saint (John Travolta) stirbt. Saint schwört Rache und lässt Franks gesamte Familie töten. Wie durch ein Wunder überlebt Frank dieses Massaker und schwört Rache. Nach dem Motto „Wie du mir, so ich dir“ geht Frank allein gegen Saint und sein Imperium vor.

Keine Superkräfte, dafür aber jede Menge Waffen und eiskaltes Handeln. Kein Kostüm, außer man zählt das Totenkopf-T-Shirt als solches. „The Punisher“ ist kein gewöhnlicher „Superheld“. Es ist sogar zu überlegen, ob man Castle als „super“ bezeichnen sollte. Frank Castle ist somit eine höchst interessante Figur, die dem Marvel-Universum entspringt. Ich bin durch die „Punisher MAX“-Comics auf den Rächer gekommen. Darin gibt es keine Superschurken, sondern einfach nur die üblichen Verdächtigen: Mafiosi, Terroristen, Entführer, etc. Dadurch dreht der Punisher in der Comic-Reihe nicht durch verrückte oder bunte Superschurken ab.

Diejenigen, die mich kennen, wissen, dass ich „Punisher: Warzone“ von Lexi Alexander bevorzuge: Knallhart, kompromisslos und ganz schön brutal – so muss der Punisher aussehen und nicht anders. Doch als anständiger Filmegucker musste ich aber irgendwann auch mal die Version von Jonathan Hensleigh anschauen. Ich hatte den Film nur grob als schlecht in Erinnerung. Diese Erinnerung wurde nun auf erschreckende Weise bestätigt.

Hensleighs Variante fängt ziemlich brutal an: Das Familienmassaker ist wirklich nicht schön anzuschauen. Hollywood-untypisch wird hier weder vor Frauen noch vor Kindern noch vor älteren Menschen Halt gemacht. Jeder muss hier sterben, und dann stirbt auch wirklich jeder. Doch nach der „Auferstehung“ von Frank Castle geht so einiges schief. Mein erstes Problem war, dass der arme Thomas Jane ständig in diesen Helden-Posen im Bild stehen muss. Dazu kommt, das man sich nicht traut, Castle als Einzelgänger zu zeigen. Deswegen müssen Rebecca Romijn und zwei merkwürdige Typen als Familienersatz herhalten. Die „Liebesgeschichte“ zwischen dem Punisher und Rebaccas Joan wirkt furchtbar aufgesetzt, zerstört viel von der Figur des Punishers und sorgt nur für müdes Gähnen. Gleiches gilt auch für das lustige Duo an ihrer Seite: Sie haben so gut wie keinen Zweck für den Film, wirken zufällig angeordnet und vollkommen fehl am Platz. (Wenn dieses Trio nicht gewesen wäre, wäre Hensleighs „Punisher“ um Welten besser.)

Ein bisschen punkten kann Hensleigh durch einen herrlich perfiden Racheplan, mit dem der Punisher gegen John Travoltas Gang vorgeht. Ein Pluspunkt, der leider nicht darüber hinwegtäuscht, dass „The Punisher“ doch mehr oder weniger 08-15-Gedöns ist und der Figur nicht so ganz gerecht wird.

Immerhin hat sich Thomas Jane ja mit dem Kurzfilm: „The Punisher: Dirty Laundry“ der Figur erkenntlich gezeigt und etwas abgeliefert, dass „Punisher: Warzone“ und somit der Figur an sich auch sehr viel näher kommt… und auch verdammt gut aussieht.

Wertung: 5 von 10 Punkten (schönes Rache-Szenario, aber nur dürftig umgesetzt)

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12 Kommentare leave one →
  1. 19. Oktober 2012 07:40

    Bekanntermaßen mag ich den ja sehr und sehr viel gerner als du 😉
    Die zwei “merkwürdigen Typen” gehen wohl (sofern ich mich da richtig an den Audiokommentar oder das MakingOf auf der DVD erinnere) direkt auf ‘ne Comicvorlage des Punishers zurück. Ebenso wie der Gitarren bad guy und der übergroße Russe, was übrigens zwei Szenen sind, für die ich diesen Punisher liebe! So strange, wie der Heck sein Liedchen anstimmt, so irrwitzig die Klopperei mit dem Russen. Toll! Und Thomas Jane gehört sowieso zu den zwei, drei unterschätztesten Darstellern, die derzeit durch Hollywood laufen.
    Noch ‘ne Frage: basiert deine Kritik auf der (übel gekürzten) TV-Ausstrahlung von neulich Abend?

    • donpozuelo permalink*
      19. Oktober 2012 09:10

      Diese beiden Desperado-Arnie-Gegner gingen gar nicht. War mir alles eine Nummer zu albern gestrickt. Der Punisher sollte schon eine ernstere Note haben. Ein bisschen düsterer und kälter. Von daher passten mir auch die beiden Burschen nicht ins Bild. Allerdings gehe ich auch zu sehr von der Comic-Reihe „Punisher MAX“ aus, die genau das mehr herausstellt.

      Thomas Jane finde ich in der Rolle auch gut. Ich mag ihn gerne… und das er es kann, zeigt ja auch der neue Kurzfilm „Dirty Laundry“. Den in der Langfassung und ich bin zurieden 😉

      Die Kritik basiert auf der um 3 Uhr morgens laufenden TV-Fassung, die zwar auch geschnitten war, aber sicherlich nicht so übel wie die 22:00-Fassung 😉

  2. 19. Oktober 2012 08:37

    Oha, ich finden den Punisher mit Thomas Jane ziemlich großartig. War Zone gefällt mir auch, da mehr comic-like (auch wenn die Jane-Variante wahnsinnig viel aus alten Comics zieht), aber insgesamt bevorzuge ich diesen Film. Einer der wenigen Filme, bei denen ich anders denke als du. Macht aber nichts. Dennoch schön zu lesen, was dich an diesem Film stört. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      19. Oktober 2012 09:10

      Wir können uns ja nicht immer einig sein 😀
      Jane an sich ist ja auch okay, aber der Rest mir ein wenig zu abgedreht. Etwas, das „War Zone“ zum Glück nicht macht.

      • 19. Oktober 2012 09:12

        mhm, War Zone ist schon sehr abgedreht. Btw. Die aktuelle Punisher Max ist so ziemlich das beste, was ich bisher vom Punisher gelesen habe. Gleichauf oder sogar besser als Ennis Punisher.

        • donpozuelo permalink*
          19. Oktober 2012 09:31

          War Zone war auch abgedreht, aber auch ne ganze Nummer härter als der normale „Punisher“. Wie gesagt, ich kannte da nur die „MAX“-Comic-Reihe und fand das einfach nur super, wie gut „War Zone“ den Comic wiedergibt.

  3. 19. Oktober 2012 14:59

    Hast du den 2ten auch gesehen?

    • donpozuelo permalink*
      19. Oktober 2012 17:21

      Welchen zweiten meinst du??? „Punisher War Zone“ habe ich gesehen. Kannste HIER gucken. „Dirty Laundry“ hab ich auch gesehen. Der war sehr geil.

  4. 19. Oktober 2012 15:02

    Puh, kenne den Punisher weder aus Film noch aus Comics und bin ja derzeit sowieso wie eine Teflonpfanne gegen jeglichen Comic- und Superhelden-Film und sonstige Versuche aus den Comics Profit zu schlagen immun.
    Einfach zu viel davon gesehen, aber wenn mir mal wieder der Sinn nach Comicadaptionen steht, dann bekommt dieser Film sicherlich nicht den Vortritt.

    • donpozuelo permalink*
      19. Oktober 2012 17:22

      😀 Ja, mittlerweile muss man wirklich vorsichtig sein, um nicht ständig eine Überdosis Superheld zu bekommen.

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