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Weltuntergang nach Eli

27. August 2010

Liebe Gemeinde,

wir sind wieder einmal mehr zusammengekommen, um den Weltuntergang zu zelebrieren. Dieses Mal allerdings auf die richtige Art und Weise, denn die Brüder Hughes haben den einzig wahren Film zu diesem Thema gedreht: „The Bool of Eli“.

Hier geht es nicht um irgendwas, sondern um das einzig wahre, das nach dem Weltuntergang noch irgendwie helfen kann. Liebe Brüder und Schwestern, hier erleben wir den Messias nach der Apokalypse in Form von Denzel Washington. Unser Bruder Denzel streift durch die öde Landschaft eines zerstörten Landes, dass einmal den Namen „USA“ trug. Immer getrieben von einer göttlichen Stimme in seinem Kopf transportiert er einen wertvollen Schatz Richtung Westen. Aufgehalten und gejagt wird er wegen diesem Schatz von einem schlimmen Bösewicht, der hier von Gary Oldman verkörpert wird.

Aber „The Book of Eli“ ist so weise, dass es uns zeigt, dass Gott uns beschützt. Man kann einfach immer weiter laufen, so lange man nur glaubt, man hätte einen – im wahrsten Sinne des Wortes – todsicheren Plan.

Aber jetzt mal im Ernst: Auch wenn die katholische Gemeinde sicherlich viel von „The Book of Eli“ halten dürfte, bleibt der Film doch für die „Heiden“ dieser Welt ein eher zwiespältiges Vergnügen.

„The Book of Eli“ fängt großartig an: die fast farblosen Bilder, einer einsamer Mann, der durch eine postapokalyptische Welt wandert, fiese Räuber, die vor nichts zurückschrecken, noch fieseres Abschlachten ebendieser Räuber mit anschließender Plünderung der Leichen – klingt herrlich brutal und herrlich realistisch. Dazu so ein Look von „Mad Max“ ohne die vielen Autofahrten und ein verdammt cooler Denzil Washington, der da so ein „geheimnisvolles Buch“ durch die Gegend trägt.

Leider kann „The Book of Eli“ sein Anfangsversprechen nicht halten – zu schnell wird klar, was das da für ein „geheimnisvolles Buch“ ist, und wenn Eli dann auch noch erzählt, wieso und warum er diese Reise nach Westen macht, dann wirkt das ganze nur noch etwas albern. Ab einem bestimmten Zeitpunkt wird der Film der Brüder Hughes (die sich nach „From Hell“ mal wieder filmisch präsentieren wollten) eher etwas für den Papst. Der Thrill ist weg, der Glaube kommt.

Zugegeben, Gary Oldman schafft es da noch, als verrückter Fanatiker überzeugend zu spielen. Immerhin will er das Buch für den wohl plausibelsten Grund überhaupt: Macht über die Menschen in einer Welt, in der sie so gut wie nichts haben. Auch Denzel Washington beweist eindrucksvoll, dass er immer noch das Zeug zum Action-Helden hätte, wenn er wollte. Gleichzeitig werden durch Oldman und Washington die zwei Seiten der Religion sehr anschaulich und realistisch dargestellt.

Es ist zudem „schön“ zu sehen, dass es selbst nach der Apokalypse noch die wichtigen Dinge des Alltags gibt: So danken wir an dieser Stelle im Namen der Hughes-Brüder Apple (denn der iPod ist wie eine Kakerlake und überlebt auch den Weltuntergang), Ray Ban (als Ausstatter für coole Sonnenbrillen) und Motorola!!!

Optisch gesehen ist „The Book of Eli“ schon sehenswert. Es ist auch mal ganz nett, dass hier weder ein Buch noch ein Spiel oder ein Comic oder irgendwas in der Art verfilmt wurde, sondern etwas eigenständiges. Das funktioniert zwar nur bedingt, mehr verspreche ich mir da wirklich von der Verfilmung von Cormac McCarthys Buch „The Road“. Das Buch versprach schon Apokalypse live – ohne den ganzen Glaubenskram.

Alles in allem versaut sich der Film so einiges mit der Geschichte über den Grund von Elis Wanderung, die anfangs genau das bietet, was wir von der Postapokalypse im Kino erwartet.

Wertung: 6 von 10 Punkten (cooler Look mit zu übersinnlicher Story)

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8 Kommentare leave one →
  1. christiansfoyer permalink
    27. August 2010 09:52

    Ja, es scheiden sich die heiligen Geister. Hängt wirklich sehr und am meisten davon ab, wie weit man den Glaubenskram zu schlucken bereit ist, ob einem der Film gefällt. Aber der Look ist eben einfach fantastisch.
    Amen 😉

    • donpozuelo permalink*
      27. August 2010 10:41

      Stimmt. Mich würde echt mal interessieren, wie die Kirche zu dem Film steht. Ich meine, wenn selbst Filme wie „Blues Brothers“ anerkannt werden, dann müsste „The Book of Eli“ doch mit dazu gehören.

      Wenn ich darauf vorbereitet gewesen wäre, hätte es mich vielleicht auch weniger gestört, aber so war mir der Bibel-Kram eine Nummer zu viel.

      Aber du hast Recht, der Look ist echt cool. Ich musste irgendwie die ganze Zeit an „Fallout 3“ denken. Das hatte echt was.

      • christiansfoyer permalink
        27. August 2010 11:49

        Ja, „Fallout 3“ ist ’ne ganz deutliche Inspirationsquelle, weshalb mich der Film anfangs eigentlich gar nicht interessiert hat, da das Spiel so ziemlich alles aus dem Setting herausholt und ich locker 100 Stunden damit verbracht habe. Mit ein bißchen Abstand zum Spielerlebnis war’s dann aber wieder optisch sehr verlockend und eben auch gelungen

        • donpozuelo permalink*
          27. August 2010 12:04

          Ah… noch ein „Fallout 3“-Freund 😀

  2. 27. August 2010 18:42

    Ich als überzeugter Atheist und eifriger Religionskritiker (*zwinker*) fand den Film dennoch sehr gut.

    Sicher ist es fast schon zu klischeehaft, dass der Glaube Berge versetzen kann, aber diese zwei Seiten, von 2 so großen Akteuren dargestellt, haben mich dennoch überzeugt. Nur mit der finalen Wendung wird’s dann doch etwas zu messianisch. 😉

    Das Einzige, was ich sonst noch wirklich kritisieren könnte, ist die Tatsache, dass es gegen Ende zu wenig leere Einöde gab, sondern nur noch Action und hanebüchene Story. ^^

    • donpozuelo permalink*
      28. August 2010 10:36

      Jeder so wie er es mag 🙂 Für mich war es etwas zu viel, und darüber ging dann irgendwie alles andere verloren: da konnte selbst der coole Look nichts mehr retten.

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