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Spielbergs Familie

22. März 2023

Ich arbeite mich gerade durch die Nominierten für den Oscar als „Bester Film“. Ich freue mich echt auch immer noch sehr darüber, dass sich ein Film wie „Everything Everywhere All At Once“ da gegenüber so „großen“ Filmen und Filmemachern durchsetzen konnte (ich liebe diesen Film einfach). Aber natürlich gibt es da auch noch andere tolle Filme in der Kategorie, die ich gerne nachhole: „Tár“ habe ich ja vor kurzem gesehen – und da hätte ich sogar Cate Blanchett als Schauspielerin eher den Vorzug vor Michelle Yeoh gegeben, weil Blanchett einfach super ist. Gut, ob da ein Film wie „Top Gun: Maverick“ drin stehen muss, lassen wir mal unkommentiert, aber es war ein toller Blockbuster – der ja, laut Spielberg, das Kino gerettet hat, also muss man den irgendwie würdigen. Womit wir dann auch direkt bei Mr. Spielberg selbst sind, der ja mit seinem semi-autobiografischen Film „THE FABELMANS“ auch in dieser Kategorie angetreten ist.

Der junge Sammy Fabelman (Gabriel LaBelle) wächst mit einer großen Liebe für Filme auf, etwas, das vor allem seine künstlerisch ambitionierte Mutter Mitzi (Michelle Williams) sehr freut. Schließlich gab sie ihre Karriere als Pianistin für das Mutter-Sein auf. Vater Burt (Paul Dano) sieht das Kreative in seinem Sohn nicht so kritisch, wünscht sich aber für den Jungen später dann doch eine „ordentliche“ Ausbildung (woher kenne ich das nur???).  Sammy geht in seiner Filmemacherei voll auf, dreht mit seinen Freunden Western und Kriegsfilme oder nimmt einfach den Camping-Urlaub der Familie auf… wobei er dann in seinen Aufnahmen auf ein Geheimnis seiner Mutter stößt, das die Grundfesten seines Glaubens an seine Familie erschüttert.

Spielberg hat seine eigene Familie in seinen Film geschrieben. Mitzi ist an seine Mutter angelehnt, Burt an seinen Vater und so weiter und so fort. Der junge Sammy ist natürlich einfach nur ein junger Stephen, der uns zeigt, wie man mit viel Kreativität und ein paar einfachen Ideen schon mit einfachen Mitteln tolle Filme inszenieren kann. Da kreiert Spielberg ein wenig seinen eigenen Mythos. Ich meine, ja, ich weiß, dass er schon als Kind viel gefilmt hat, aber was Sammy hier in „The Fabelmans“ auf die Beine stellt, überschreitet in meinen Augen schon das, was man als junger Filmemacher so hinbekommt. Allein der Kriegsfilm, den er mit Freunden dreht, ist so dermaßen aufwendig, das selbst ein kleiner Low-Budget-Film neidisch werden würde. Aber gut, das ist Meckern auf hohem Niveau… der Film zelebriert einfach diesen jungen Kreativen und seine Kunstform.

Dabei merkt man einfach, dass Spielberg genau weiß, wie man sowas inszeniert und er macht es so toll, wie man es von ihm gewohnt ist. Die kleinen Filme von Sammy sind charmant und witzig und zeigen uns das Talent eines Mannes, der mal zum Begründer des Blockbuster-Kinos wird. Gabriel LaBelle ist in der Rolle des jungen Spielbergs wirklich verdammt gut und ist als emotionaler Anker in diesem Film sehr stark. Dass er hier in seiner ersten großen Hauptrolle agiert, spürt man kaum. Er geht gut in dieser Rolle auf.

Ich mochte seine Beziehung zu seiner Mutter – und meine Güte, Michelle Williams ist wirklich gut in diesem Film. Diese Szene, wenn sie im Schrank ihres Sohnes hockt und er ihr die Aufnahmen zeigt, die das Leben der Fabelmans zerstören könnten – wow, einfach nur wow. Spielberg hat uns vorher mit Sammy schon gezeigt, was da zu sehen ist, weswegen er uns in diesem Augenblick nur Michelle Williams zeigt, deren Gesicht einfach mehr und mehr die Fassung verliert. Gänsehaut pur.

Und Spielberg hat ein paar solcher Momente im Film. Ich fand auch Judd Hirsch als Sammy Großonkel fantastisch, der ihm eigentlich ins Gewissen redet und ihm sagt, er solle an seiner Kunst festhalten. Das war auch schön.

Die ganze erste Hälfte von „The Fabelmans“ fand ich verdammt stark. Ich mochte die Familien-Dynamik (hätte mir aber echt auch noch ein bisschen mehr von Sammys Schwestern gewünscht, die alle echt toll sind – mit dabei ist unter anderem „Once Upon A Time… In Hollywood“-Star Julia Butters, die auch hier wieder super ist). Doch dann kommen wir zur zweiten Hälfte… und ich muss gestehen, das fand ich manchmal ein wenig zu übertrieben. Sammy kommt an eine neue Schule, wird von seinen Mitschülern gemobbt. Das war alles ein bisschen zu plakativ – mir fällt gerade kein besseres Wort ein. Hier wird „The Fabelmans“ mehr zum Coming-of-Age-Drama, in dem es weniger ums Filmemachen, sondern halt um die Familie geht, die versucht, in der neuen Umgebung noch zu funktionieren.

Den ganzen Schulteil fand ich einfach ein wenig anstrengend, das wirkte zu erzwungen, auch wenn ein Spielberg sicherlich als Jude auch mit solchen antisemitischen Anfeindungen zu kämpfen hatte. Um Gottes Willen, das will ich gar nicht abstreiten, aber wie es hier inszeniert wurde (wie es später auch aufgelöst wird – durch die Macht und Kraft des Filme-Machens), fand ich ein bisschen plump.

Und auch das ist wieder Meckern auf hohem Niveau. „The Fabelmans“ hat mich durchweg gut unterhalten. Die schauspielerischen Leistungen sind toll, Spielberg beweist sich einmal mehr als starker Regisseur, der seinen Film dann vielleicht mit dem besten Ende zum Schluss bringt, das man sich für diese Art Film nur wünschen kann. Da kommt dann eine grandios gesetzte Schlusspointe, die mir definitiv noch lange im Kopf bleiben wird.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ich hätte mir ein bisschen mehr Filmemachen gewünscht und weniger Schul-Mobbing, aber ich werde es überleben)

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