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Gespräche mit Bombe #20

2. Dezember 2022

Wenn ich an John Carpenter denke, denke ich an Meisterwerke wie „Halloween“, „Das Ding aus einer anderen Welt“, „Die Klapperschlange“ und natürlich „Mächte des Wahnsinns“ und noch viele, viele tolle Filme mehr, die uns der Meister des Schreckens geliefert hat. Seit mehreren Jahren nehme ich mir nun schon vor, mal seinen allerersten Spielfilm zu gucken… doch aus welchen Gründen auch immer hat das ziemlich lange gedauert. Dann habe ich es wieder vergessen und welche Ausreden man sich sonst noch so dafür einfallen lassen könnte. Jetzt ist aber auch endlich mal die Zeit gekommen… ich habe endlich John Carpenters „DARK STAR“ gesehen. Ein Film, der als Studenten-Projekt begann und dann über sich hinauswuchs. Wie ist also der erste Carpenter-Film? In einem Wort: schräg.

Seit 20 Jahren ist die Besatzung des Raumschiffs Dark Star nun schon im All unterwegs, um aufzuräumen. Um Platz für die Kolonisierung des Alls zu machen, müssen instabile Planeten zerstört werden. Dafür ist die Dark Stark beladen mit intelligenten Bomben, die eben diese Zerstörung vollziehen sollen. Doch das Leben an Bord der Dark Star ist schwerer geworden: Das Raumschiff ist in Teilen zerstört, der führende Offizier Commander Powell (Joe Saunders) ist bei einem Unfall gestorben und wird von der Besatzung tiefgefroren gehalten. Die anderen Besatzungsmitglieder, Doolittle (Brian Narelle) – ein leidenschaftlicher Surfer, Pinback (Dan O’Bannon) – der eigentlich nicht einmal ein richtiger Astronaut ist, Boiler (Cal Kuniholm) – der einfach nur der größte Chiller im All ist und Talby (Andreijah Pahich) – der nur noch in einer Kuppel auf der Dark Star hockt und auf die Phönix Asteroiden hofft, versuchen ihr Bestes, um die Mission weiter fortzuführen. Doch es gibt immer wieder Schwierigkeiten – am Ende auch mit Bombe Nr. 20, die andere Pläne hat als die Besatzung an sich.

„Dark Star“ ist als Parodie an Kubricks Meisterwerk „2001 – Odyssee im Weltall“ angelegt… nur eben mit einem Mini-Budget von 60.000 Dollar und sehr handgemachten Effekten. Das Ganze ist dabei herrlich trashig, aber auch verdammt kreativ in Szene gesetzt. Man merkt zum Beispiel, dass wir mit Dan O’Bannon jemanden am Start haben, der als visueller Künstler später an zahlreichen großen Projekten wie „Alien“ oder „Star Wars“ mitarbeiten wird und sich hier schon mal auf einfache Form etwas austobt.

Man merkt „Dark Star“ auch an, dass er mit einem Mini-Budget gedreht worden ist… das Raumschiff-Innere sieht halt nie so richtig aus wie ein Raumschiff, sondern als wenn Muttis Garage mal eben zum Mannschaftsraum umfunktioniert wurde, der Keller zur Kommandozentrale ausgebaut wurde, in der drei Männer mit Inbrunst auf irgendwelchen Knöpfen rumhauen und der Flur des Raumschiffs der Gang der Uni selbst gewesen ist. Aber was „Dark Star“ einfach ausmacht, ist bei all den „billigen“ Sets die Liebe zum Detail, die Liebe zur verrückten Idee… die es einem als Zuschauer auch einfach erlaubt, sich in diesem witzigen Chaos wohlzufühlen.

Am albernsten ist dabei zweifelsohne Pinbacks Alien, das er wie ein Haustier hält – und was an sich nur ein angemalter Wasserball mit Füßen ist. Doch irgendwie schafft es Carpenter, dass wir das Ding sogar halbwegs ernst nehmen und gleichzeitig wunderbar darüber lachen können. Wenn O’Bannon mit diesem Ball kämpft, wirkt das so bekloppt und witzig zugleich. Aber selbst dieser angemalte Wasserball hat mehr Charakter als so manch CGI-Ding, das wir heute vorgesetzt bekommen.

Eine Fahrstuhl-Schacht-Szene ist im Film, bei der man als genauer Beobachter schnell erkennt, wie das Ganze gedreht wurde… und dennoch muss man Carpenters Fachwerk schon hier anerkennen. Auch wenn die Szene an sich einfach viel zu lang ist, inszeniert Carpenter das alles wunderbar.

Wer mal wirklich so herrlich über was von Carpenter ablachen will, der muss sich wirklich „Dark Star“ geben (findet man übrigens bequem auf YouTube). Mit viel Liebe fürs Detail, mit einer gewissen Kiffer-Lethargie und dem dementsprechenden Humor überzeugt Carpenter hier schon in seinem ersten Langfilm, der mit wilden Weltraumreisen, surfenden Astronauten, denkenden Bomben und eben Wasserball-Aliens wirklich was zu bieten hat.

Wertung: 8 von 10 Punkten (herrlich witziger Sci-Fi-Spaß von einem der Großen)

2 Kommentare leave one →
  1. 7. Dezember 2022 23:51

    Ewig her, dass ich den das letzte Mal gesehen habe, bestimmt 20 Jahre oder mehr *hust*. Wird mal wieder Zeit, ich mochte den damals sehr.

    • donpozuelo permalink*
      8. Dezember 2022 17:17

      Der ist schon etwas angestaubt, funktioniert aber immer noch. Und diese Wasserball-Alien-Gestalt ist super trashig, aber witzig. Wie der ganze Film 😅

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