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Das etwas andere Shining

26. August 2022

Ich bin immer wieder froh über Horror-Filme, die es schaffen, mir einen leichten (oder auch mal schweren) eiskalten Schauer über den Rücken fahren zu lassen. So dieses Gefühl von „Mir stehen gerade alle Haare hoch“ hatte ich schon eine ganze Weile nicht mehr… was vielleicht auch einfach daran liegt, dass ich mittlerweile zu viele Horror-Filme gesehen habe oder das sich nicht mehr so viel Mühe gegeben wird, subtil Angst aufzubauen. Dass ausgerechnet Ti West dieses Gefühl in mir auslösen würde, hätte ich jetzt nicht unbedingt gedacht. Der letzte Film, den ich von ihm gesehen habe, war „X“, wo es sehr blutig zur Sache geht, ohne das jetzt wirklich Horror-Feeling aufkommt. Der Film ist ja auch mehr Slasher als alles andere. Doch ein guter Kollege meinte zu mir, ich solle mir doch mal „THE INNKEEPERS“ von Ti West anschauen. Besagter Kollege lieh mir seine Blu-ray aus und ich machte mich daran, zu schauen, ob Ti West noch mehr kann als nur blutrünstigen Slasher (was ich auch schon vorher wusste, dass er das kann, denn sein „The Sacrament“ ist ziemlich krass, geht aber auch wieder in eine ganz andere Richtung).

Claire (Sara Paxton) und Luke (Pat Healy) betreuen die Rezeption des Yankee Pedlar Inns – zum letzten Mal für ein Wochenende. Danach soll das alte Hotel geschlossen werden. Gerade für Luke ist das aber ganz spannend, denn angeblich soll es in dem Hotel spuken und er will unbedingt noch ein paar Aufnahmen haben – vor allem von dem Geist der Madeline O’Malley, die sich an ihrem Hochzeitstag umgebracht haben soll, als ihr Verlobter sie versetzte.

Das Yankee Pedlar Inn gibt es tatsächlich… und auch die Gerüchte um paranormale Aktivitäten in dem Hotel sind wahr. Vor allem in Raum 353 soll es spuken, weil hier die ursprüngliche Besitzerin des Hotels starb. All das greift Ti West in seinem „The Innkeepers“ gekonnt auf und liefert halt wirklich ein etwas anderes „Shining“. Die Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen, auch wenn Ti West anders vorgeht als ein Stanley Kubrick. Beide sind aber wunderbar darin, Spannung zu erzeugen. Kubrick ist in seinem „The Shining“ sogar etwas offensiver, während sich Ti West sehr viel Zeit lässt, um wirklich noch mehr Atmosphäre aufzubauen.

Dass das alles so gut funktioniert, liegt zuallererst an Sara Paxton und Pat Healy. Die Beiden liefern ein tolles Duo. Healys Luke ist der vielleicht entspannteste Geisterjäger überhaupt. Eigentlich chillt er nur an seinem Laptop und wartet darauf, dass das Wochenende vorbei ist. Paxtons Claire geht da etwas offensiver vor… wodurch wir dann mit ihr das Hotel so nach und nach erkunden. Sara Paxton spielt ihre Claire mit einer unglaublichen Natürlichkeit, einer erfrischenden Naivität, wenn es um dieses Geisterzeugs geht. Wenn eine berühmte Schauspielerin im Hotel für ein paar Nächte absteigt, wird sie zum richtigen Fangirl, steigert sich aber später auch gut in ihre Geisterjäger-Fähigkeiten und ist einfach nur super. Es ist hier echt vor allem Paxtons Verdienst, dass man sich so gut in „The Innkeepers“ verlieren kann…

… was dann aber auch wieder an Ti West liegt, der sich einfach Zeit nimmt. Denn bevor wirklich was passiert, muss man schon ein kleines bisschen geduldig sein. Da werden erstmal Luke und Claire etabliert, da wird das Hotel ein wenig vorgestellt, das gibt es kollegiales Geplänkel, kleine Streiche und die alltäglichen Probleme mit der Müllentsorgung (eine unglaublich lustige Szene, in der Paxton brilliert – und ja, es geht wirklich nur darum, einen fetten, ekligen Müllbeutel zu entsorgen). Da merkt man das, was „X“ ja dann auch ausgemacht hat: West lässt sich Zeit, will seine Figuren etablieren, bevor er ihnen schlimme Dinge antut – damit sie für uns beim Zugucken ebenfalls wehtun.

Wenn West nämlich die paranormalen Sachen passieren lässt, fand ich die zumindest erstaunlich effektiv. Er zeigt nie viel, er wird nie zu platt, aber wenn er dann loslegt, wird’s echt gut und gruselig. Der Geist von Madeline zeigt sich in vielen Dingen, man hört mehr, als das man was sieht. Wenn man dann Sachen sieht, wird das Ganze nie plakativ oder gar ausgeschlachtet. Was Ti West mit „The Innkeepers“ beweist: Weniger ist gerade im Horrorbereich manchmal mehr. Kopfkino ist halt doch so viel effizienter als plattes Zeigen.

Das Einzige, was ich ein bisschen komisch fand, war das dann doch sehr abrupte Ende, das einen etwas verwundert zurücklässt – und man sich dann auch einfach ein bisschen fragt, was jetzt so die Beweggründe der verschiedenen Figuren im Film (abgesehen von Claire) gewesen sind. Oder brauchte das Hotel einfach einen weiteren Geist? Also wer mir da mit Gedankenanstößen helfen mag: Gerne!

Wertung: 8 von 10 Punkten (schöner, klassischer Gruselhorror, der gekonnt wenig zeigt und trotzdem bestens funktioniert)

2 Kommentare leave one →
  1. 3. September 2022 18:12

    Das klingt toll und wird gemerkt. 🙂 Geht mir nämlich ähnlich wie dir – so richtig gut finde ich die meisten Horrorfilme nicht. Im letzten Horrorctober glaube gar keinen. Und Slasher sind mMn eh irgendwie nicht dafür gemacht, dass man sich wirklich gruselt.

    • donpozuelo permalink*
      4. September 2022 08:25

      Nein, Slasher sollen ja eher schocken. Möglichst fiese Kills – das war’s. Deswegen kriegen mich auch die neuen Halloween Filme nicht mehr so. Sind halt einfach nur noch übelst brutal, aber ohne Atmosphäre…

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