Zum Inhalt springen

Random Sunday #86: Rewatching Heat

14. August 2022

Als ich das letzte Mal Michael Manns „HEAT“ gesehen habe, konnte ich mich mit dem Film irgendwie nicht so ganz anfreunden. Nicht, dass ich ihn schlecht fand, aber die Erwartungshaltung war eine komische. Immerhin wird der Film auf zwei Dinge reduziert: 1) das große Zusammentreffen zwischen Al Pacino und Robert De Niro in einem Film („The Godfather 2“ zählt ja nicht wirklich, weil sie da in unterschiedlichen Zeiten spielen) und 2) die eine große Action-Sequenz. Aber wenn man nach diesen Kriterien geht, verarscht „Heat“ einen eigentlich: Denn De Niro und Pacino haben eigentlich nur zwei große Szenen zusammen und richtig action-geladen ist „Heat“ auch nur an zwei Stellen. Das muss mich damals wohl doch gestört haben… weswegen es nur 7 von 10 Punkten gab. Jetzt habe ich mir Michael Manns „vermeintliches“ Meisterwerk noch einmal angeschaut – und was soll ich sagen: am Ende werden jetzt 10 von 10 Punkten stehen.

Neil McCauley (De Niro) führt in Los Angeles eine Truppe von Gangstern an, mit denen er Überfälle präzise plant und durchführt. Als jedoch Neuzugang Waingro (Kevin Gage) einen Polizisten ermordet und das Team so zwingt, die restlichen Zeugen auch zu beseitigen, ist das der Anfang vom Ende. McCauley schmeißt Waingro zwar aus dem Team, aber die extreme Brutalität bringt Cop Vincent Hanna (Al Pacino) auf den Plan, der nun alles daran setzt, McCauley und sein Team (u.a. Tom Sizemore, Val Kilmer, Danny Trejo und Jon Voight) aufzuhalten. Die planen derweil aber einen Angriff auf eine Bank…

GTA hat sich fleißig an „Heat“ bedient und einige Missionen eingebaut, die sehr an Michael Manns film erinnern. Selbst ein Christopher Nolan hat sich von „Heat“ inspirieren lassen… und das vollkommen zurecht, wie ich jetzt nach meinem Rewatch einfach feststellen muss. Denn dieser Film ist einfach so viel mehr als nur diese eine Action-Sequenz und das Zusammentreffen von Pacino und De Niro. Das ist quasi die Kirsche auf der Sahnehaube auf dem perfekten Eis, das dieser Film ist.

Die Action „beschränkt“ sich auf so zwei Szenen. Der Überfall zu Beginn des Films auf den Geldtransporter und der Banküberfall. Aber es sind zwei Szenen, die komplett ausreichen. Die zeigen, wie grandios Michael Mann das alles umsetzen kann. Allein über den Banküberfall könnte man wahrscheinlich Abhandlungen schreiben. Zum einen setzt Mann einfach alles zu seiner Verfügung Stehende ein, um ein absolut realistisches Erlebnis zu erzeugen. Dabei dröhnt der Sound der Schüsse lauter und döller, als man meinen möchte. Die Kamera ist gefangen im Geschehen, ohne aber ständig und überall zu sein. Nein, Mann kann die Action für sich sprechen lassen und zerschneidet das Ganze nicht mit schnellen Schnitten und irren Kamerafahrten (ein anderer Michael hat das in seinem „Ambulance“ eher so gemacht – zwar ein toller Film, aber die Action, die auch eindeutig an „Heat“ orientiert ist, ist viel zu wirr).

Zum anderen hat man das Gefühl, alles in dieser Szene ist wie echt. Die Panik der Menschen, die Zerstörungsorgie, die Verzweiflung der Bankräuber. Es wird nicht viel gesprochen in dieser Sequenz… und trotzdem hat man das Gefühl, die Gedanken jeder einzelnen Person genau zu kennen.

Damit kommen wir zu dem tatsächlichen Punkt, der meine Sichtweise auf diesen Film verändert hat. Action ist schön und gut, aber in seinem Kern ist „Heat“ eigentlich ein ziemlich bewegendes Drama über zwei Männer, die sich ähnlicher sind als man meinen könnte. Der einzige Unterschied ist die Tatsache, dass sie auf anderen Seiten des Gesetzes stehen. Michael Mann baut seine Charaktere mit einer Präzision auf, die unglaublich ist. Dabei ist es dann auch kein Wunder, dass der Film drei Stunden lang ist, aber es funktioniert. Pacinos Hanna ist in seiner dritten Ehe, hat Probleme mit seiner Frau, mit seiner Stieftochter und verkriecht sich in seiner Arbeit, die er als Ausrede nutzt, warum er in keiner Beziehung lange sein kann. De Niros McCauley lebt nach der Devise „In 30 Sekunden musst du alles aufgeben können und weiterziehen.“ Deswegen ist sein Haus leer, deswegen kann er sich auf keine Beziehung einlassen… auch wenn das im Film dann doch ein Problem für ihn wird.

Wir lernen im Film die einzelnen Feinheiten dieser beiden Männer und ihres Umfeldes kennen und dadurch versteht man dann auch diese gegenseitige Faszination für einander. Darum ist dann auch die Café-Szene, in der sich die Beiden einfach nur unterhalten so genial (auch hier bleibt ein Michael Mann in seiner Inszenierung erstaunlich simpel, aber wieso auch nicht? Er hat zwei grandiose Schauspieler, die ihr Ding durchziehen – das reicht komplett aus.). Michael Mann vergisst dabei auch nicht die anderen Figuren. Selbst Kilmers Chris hat eine eigenständige, interessante Geschichte, die das Gegenteil von McCauleys Story aufzeigt. Es gibt sogar noch eine gut funktionierende Nebenstory rund um William Fichtner… die ein eigenständiger Film hätte sein können, aber hier „nebenbei“ bestens funktioniert.

„Heat“ ist vollgestopft bis zum Rand, aber füllt sich dabei nie überfüllt an. Weil Mann sich Zeit lässt. Weil Mann auch mal auf Dialoge verzichtet und einfach nur Bilder und Taten sprechen lässt. Allein von der Regie her ist „Heat“ schon ein Meisterwerk in Sachen Geschichten-erzählen. Erzählen mit Blicken. Erzählen mit der Kamera. Worte müssen da nicht immer sein. So versaut er sich zum Beispiel auch das großartige Finale nicht, dass fast vollständig ohne Worte auskommt, dabei aber eine perfekte Studie zum Thema Kamera-Arbeit, Schnitt, Sound und Beleuchtung wird.

Ich weiß echt nicht, was mich damals bei meiner ersten Review geritten hat, aber „Heat“ ist verdammt perfekt. Daran ist nichts zu rütteln.

Wertung: 10 von  10 Punkten (ein Must-See für jeden Filmfan)

2 Kommentare leave one →
  1. 14. August 2022 11:01

    Eigentlich schon interessant, wie tagesform-abhängig die Bewertung von Filmen ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

%d Bloggern gefällt das: