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Das Heim der Waisen

5. August 2022

Wenn ich an Stop-Motion denke, denke ich mittlerweile sofort an die Laika Studios. Was die mit Filmen wie „Coraline“ oder „Kubo“ gezeigt haben, ist einfach nur der Hammer. Obwohl (und jetzt kommt Meckern auf extrem hohem Niveau) ich schon sagen muss, dass die Laika Studios zu perfekt geworden sind. Da sieht man ja kaum noch, dass das wirklich Stop Motion ist, weil jede Bewegung einfach so perfekt gemacht wurde. Diese Vermischung aus Computer-Effekten und Stop Motion lässt jeden Laika-Film einfach schon zu perfekt aussehen. Aber ab und zu mal so einen richtig handgemachten Stop-Motion-Film zu sehen, ist auch nicht verkehrt. Auf die Empfehlung einer Arbeitskollegin und guten Freundin hin bin ich so zu „MEIN LEBEN ALS ZUCCHINI“ gekommen.

Der kleine Zucchini ist – durch einen dummen Zufall – für den Tod seiner Mutter verantwortlich. Daraufhin wird er in ein Heim gebracht, in dem andere Waisen und „Problemkinder“ untergebracht werden. Hier muss sich Zucchini erst einmal zurecht finden… als er dann Camille kennenlernt, verliebt er sich in das Mädchen. Deren Tante will alles daran setzen, die Kleine bei sich aufzunehmen – natürlich nur, um die Kohle vom Amt für sie einzusacken. Also macht es sich Zucchini zur Aufgabe, Camille zu retten.

Gerade mal sechzig Minuten ist „Mein Leben als Zucchini“ lang, aber meine Güte, was für ein unfassbar schöner Film das doch ist. Erst einmal ist diese Geschichte unglaublich gut. Vor allem traut sich diese Geschichte auch echt was. Ich meine, als Zucchini am Anfang aus Versehen mal seine Alkoholiker-Mama tötet, dachte ich noch: „Wow, ist nicht euer Ernst?“ Das war schon ein verdammt düsterer und harter Einstieg. Das kam unerwartet. Sowas kommt doch einfach nicht in einem niedlich aussehenden Stop-Motion-Film vor. Aber Regisseur Claude Barras geht mit diesem Thema unglaublich sanft um… scheut sich aber auch nicht, tief in die Wunde zu bohren.

Alle Kinder in diesem Heim haben unglaublich traurige Geschichten zu erzählen. Dennoch weigert sich Barras, sie auf ein Podest zu stellen, um einfach nur billig Mitleid zu erhaschen. Ja, jedes dieser Kinder hat etwas schreckliches durchgemacht, aber zusammen finden sie auch wieder zu Stärke zurück. Das fand ich einfach unglaublich schön an „Mein Leben ist Zucchini“. Das ist so ziemlich eine der härtesten Coming-of-Age-Geschichten, die ich kenne. Hier wird jede Untiefe ausgelotet, aber nicht um uns noch weiter runter zu machen. „Mein Leben als Zucchini“ ist da einfach bittersüß. Eine Geschichte mit unglaublich viel Herz, mit unglaublich viel Liebe zu seinen Charakteren.

Dazu ist das Ganze auch noch wunderschön in Szene gesetzt, sodass man sich gar nicht satt genug sehen kann. Hier ist das Stop-Motion halt nicht Laika-perfekt, aber perfekt für die Geschichte, die erzählt wird.

„Mein Leben als Zucchini“ ist wirklich ein kleines Meisterwerk, dass sich viel wagt und dabei noch mehr gewinnt.

Wertung: 10 von 10 Punkten (einfach nur WOW!!!!)

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