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Sierra Six und das viele Geld

29. Juli 2022

Kann jemand mal bitte Netflix sagen, dass nur weil sie einen Haufen Kohle ausgeben, dabei noch lange nichts Gutes bei rumkommen muss? Viel Geld heißt noch lange nicht viel Qualität… und leider sind gerade diesen ganzen Netflix-Film-Produktionen ja eher mittelmäßig, obwohl man viel Geld und noch mehr Stars da reinsteckt. Bestes Beispiel war zuletzt dieses furchtbare Machwerk „Red Notice“, der damals als eine der teuersten Netflix-Produktionen gepriesen wurde. Nur wo ging das Geld hin? Ryan Reynolds, Dwayne Johnson und Gal Gadot haben einen Großteil abgefangen; dann ging’s an viele exotische Schauplätze, aber für ein gutes Drehbuch und eine gelungene Regie reichte es dann auch nicht aus. Jetzt haben wir den nächsten Film, der „der teuerste Netflix-Film aller Zeiten“ ist: „THE GRAY MAN“… dieses Mal dann mit noch mehr Star-Power vor und hinter der Kamera. Immerhin sind die „Avengers: Infinity War“ und „Endgame“-Regisseure Joe und Anthony Russo am Start und bescheren uns die erste große Rolle von Ryan Gosling, der nach „First Man“ 2018 ne Pause einlegte und jetzt nach dem ersten Mann mit dem grauen Mann zurückkehrt.

Sierra Six (Gosling) sitzt im Knast, als er von CIA-Agent Donald Fitzroy (Billy Bob Thornton) als Assassine rekrutiert wird. Er bekommt die beste Ausbildung und macht sich nun für die CIA die Finger schmutzig. 18 Jahre ist Six für die CIA tätig, als er unter Denny Carmichael (Regé-Jean Page) einen Auftrag in den Sand setzt… natürlich nur, weil ihm dabei deutlich gemacht wird, was Carmichael eigentlich in Wirklichkeit vorhat. Nun flüchtet Six… und wird dabei von einem Psychopathen gejagt, den Carmichael auf ihn ansetzt: Lloyd Hansen (Chris Evans). Nur die Agentin Dani Miranda (Ana de Armas) unterstützt Six, der zusätzlich unter Druck gesetzt wird, als Fitzroy und dessen Nichte Claire (Julia Butters) als Geiseln genommen werden.

Wow… was für eine Gurke!!! Von den Typen, die es geschafft haben, Marvels Phase 4 mit zig Avengers und anderen Superhelden unter einen Hut zu bekommen, hatte ich echt mehr erwartet. Aber vielleicht liegt es auch am Drehbuch, das sich hier an der zwölfteiligen (!!!) Buchreihe von Mark Greaney bedient und es dabei nicht schafft, eine wirklich brauchbare Agenten-Story auf die Beine zu stellen. „The Gray Man“ ist überall und nirgends: Das Ganze möchte ein bisschen „John Wick“ sein und versucht uns mit ein paar größeren Action-Sequenzen zu beeindrucken. Doch die Action, die anfangs tatsächlich noch ein paar gute Einlagen zu bieten hat, wird im weiteren Verlauf des Films immer schlechter und langweiliger… bis zu dem Punkt, wo entweder nur rumgeballert wird oder einfach wahllos Sachen in die Luft fliegen. Also ist der „John Wick“-Vergleich eigentlich auch falsch, weil der hat wenigstens wahnsinnig kreative Action-Setpieces. Auch dieses Netzwerk aus Agenten, Abtrünnigen, Freunden und Feinden wirkte bei Mr. Wick wesentlich interessanter als hier in diesem Film.

„The Gray Man“ möchte, was mich am meisten erstaunt hat, mittendrin auch ganz unbedingt „Mann unter Feuer“ sein – der Film wird nämlich einfach mit einer langen Rückblende unterbrochen, in der wir Six dabei zuschauen dürfen, wie er früher mal als Bodyguard für Claire zuständig war. Nun ist eine Julia Butters wirklich toll und sie hat es ja auch schon in „Once Upon A Time In… Hollywood“ geschafft, Leonardo DiCaprio an die Wand zu spielen. Hier ist sie auch toll, aber diese ganze Rückblende ist so unnötig, wie das viele Geld, das für diesen Film ausgegeben wurde. Es passt tonal einfach nicht in diesen Film, der doch die harte, krasse Agenten-Story sein möchte. Für „Mann unter Feuer“ lässt man sich zu wenig Zeit zwischen Six und Claire, erreicht nicht die emotionale Tiefe und ist dem Film eigentlich auch egal, bis es dann im Finale wieder so halbwegs wichtig wird.

Zusätzlich möchte „The Gray Man“ natürlich auch bei den großen Agenten-Thriller mithalten können – Bond, Bourne, Austin Powers. Dafür gibt es dann natürlich die Bourne-typische Verschwörung im Inneren, dafür gibt es natürlich die vielen Bond-typischen Reisen um die Welt (die auch schon in „Red Notice“ sicherlich einen großen Teil des Budgets gefressen haben) und es gibt wie in Austin Powers den Schurken, der eine grandiose Witzfigur ist. Chris Evans hat mit Pornobalken und Freifahrtschein zum Albern-Sein den Spaß seines Lebens, hier mal gegen sein Captain-America-Image vorzugehen. Evans lebt und liebt diese Rolle, die aber leider zu häufig zur Karikatur wird und die ich deswegen nie so wirklich ernst nehmen konnte.

Dabei nimmt sich dieser Film ja aber so super ernst. Ryan Gosling, der sich ordentlich was antrainiert hat (Gosling oben ohne ließ mich an Emma Stone in „Crazy Stupid Love“ denken, die meinte, er würde wie gephotoshopped aussehen), nimmt sich sehr ernst… und will hier ne krasse Action-Performance ablegen. Aber seinem Six fehlt einfach das gewisse Etwas. Nach ner kurzen Einführung vergehen 18 Jahre, die mich wesentlich mehr interessiert hätten als das, was ich in diesem Film zu sehen bekomme. Ana de Armas geht, wie schon in „No Time To Die“, trotz cooler Action-Einlagen ziemlich unter… und ja, das war’s.

„The Gray Man“ ist einfach nicht die Art von Film, die man mit solch einem Budget und solch einer Star-Power vor der Kamera erwartet. Dass der ganze Kram jetzt trotzdem weitergeführt werden soll, lässt mich ziemlich kalt. Dieser erste graue Mann hat mir vollkommen gereicht. Zwei Stunden Action-Agenten-Kino haben sich schon lange nicht mehr so anstrengend angefühlt.

Wertung: 4 von 10 Punkten (schöne Menschen, schöne Schauplätze, blöde Story, miese Action)

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