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Elvis has left the building!

18. Juli 2022

Ich bin auf gewisse Art und Weise mit Elvis Presley aufgewachsen… denn meine Mutter ist der größte Elvis-Fan, den ich kenne. Sie hat eine Sammlung all seiner Alben, all seiner Filme, aller Bücher rund um den King of Rock’n’Roll und allem möglichen Merchandise, den man sich halt nur so vorstellen kann. Der King ist der King meiner Mama und deswegen war der King eben auch immer Teil meines Lebens. Mein jüngerer Bruder wurde, was das angeht, sogar noch mehr „gestraft“… weil immer wenn er zur Schule gefahren wurde, geschah das natürlich zu den Klängen von Mr. Elvis Presley. Die Geschichte des King of Rock’n’Roll wurde ja schon häufig verfilmt, bislang gab es aber nie einen Film, bei dem meine Mama (die schärfste Kritikerin, was das angeht) zufrieden war. Auch als der erste Trailer zu „ELVIS“ erschien, war meine Mutter nicht so wirklich begeistert – vor allem nicht von Austin Butler als Elvis… und eigentlich wollte ich diese Review auch erst schreiben, wenn ich den Film mit ihr zusammen geguckt habe. Das hat leider bis jetzt nicht so richtig geklappt. Deswegen lege ich jetzt schon mal vor und liefere die Experten-Review dann irgendwann noch nach.

Elvis‘ einstiger Manager Colonel Tom Parker (Tom Hanks) liegt 1997 im Krankenhaus… und erinnert sich an die Zeit, als er Elvis (Austin Butler) das erste Mal spielen sah. Daraufhin entwickelt der Colonel die Marke Elvis und macht den Jungen aus Memphis weltberühmt. Dabei konzentriert sich der Colonel ganz und gar darauf, mit Elvis so viel Kohle wie möglich zu machen, doch der will einfach nur seine Musik leben. So geraten Manager und Talent immer wieder aneinander…

Baz Luhrmann liefert mal wieder ein solides, mitreißendes Musik-Erlebnis ab. Dabei merkt man dann auch, wie sehr dieser Mann einfach im musikalischen Film zuhause ist. Denn selbst, wenn er mal keine Musicals wie „Moulin Rouge“ macht, leben seine Filme ja vor allem durch den Soundtrack. Den wiederum muss man schon auch irgendwie mögen, denn Luhrmann mixt ja moderne Stücke und Altes. „The Great Gatsby“ hört sich wirklich nicht an wie ein Film, der in den späten 20er Jahren spielt, aber Luhrmann schafft es, dass das trotzdem wunderbar Hand in Hand geht. So dann nun auch in „Elvis“ – wo natürlich der Fokus klar auf den Songs von Elvis Presley liegt, sich zwischendurch dann auch die typischen Luhrmann-Spitzen finden, die eigentlich nicht reinpassen sollte, aber es doch irgendwie hinbekommen. Allein vom Soundtrack-Erlebnis ist „Elvis“ toll – weil natürlich auch viel in den Elvis-Best-Of-Alben geblättert wurde und man hier und da natürlich auch schön aufzeigt, woher er seine Inspirationen genommen hat (wenn man zum Beispiel die Ursprünge seiner Songs bei den Songs Schwarzer Künstler wie B.B. King, Little Richard, Sister Rosetta Tharpe oder Big Mama Thornton aufzeigt). Dabei wird der Film entsprechend auch etwas politischer, ohne jetzt aber in die Schiene einiger scharfer Kritiker zu gehen und zu sagen: „Elvis hätte alles einfach nur geklaut.“

Abgesehen von der Musik, die natürlich stark im Vordergrund bei einem Biopic über einen Musiker steht, dreht sich in „Elvis“ auch alles um die Beziehung zwischen Elvis und dem Colonel. Dabei gerät aber selbst ein Baz Luhrmann in die typische Biopic-Falle und haut einfach zu viel in einen Film. Von den jungen Tagen des Elvis bis hin zu seinem viel zu frühen Tod muss alles abgehandelt werden. Teilweise fliegt der Film (gerade zum Ende hin) durch Etappen in Elvis‘ Leben und als jemand, der sich nicht so gut mit dem Leben des Kings auskennt, hat man dann das Gefühl, dass da einfach super viel fehlt. Elvis‘ Zeit beim Militär – schnell abgehandelt. Die Tatsache, dass Elvis dabei eine 14-Jährige angräbt, die später seine Frau wird – wird förmlich unter den Teppich gekehrt (zu kritisch möchte ein Luhrmann wohl wirklich nicht mit Elvis umgehen). Seine Filmkarriere wird zu einer kurzen Clipshow… sein Abrutschen in die Pillensucht wird nebenbei abgetan. Gerade bei einem Typen wie Elvis hätte man eigentlich ne ganze Serie aus Filmen machen können. Da reichen knapp drei Stunden Film nicht aus, um all dem gerecht zu werden.

Doch gerade der Anfang, wenn wir den jungen Elvis erleben, der mit seinem Hüftschwung die Mädels betört, der Männer eifersüchtig macht und den Zorn der TV-Obrigkeit auf sich zieht, die ihm alles Mögliche verbieten wollen – das ist großartig. Das macht Spaß. Das fühlt sich an wie die Origin-Story eines Superhelden, der seine Kräfte erlernt und merkt, wie er sie für das „Gute“ einsetzen kann.

Austin Butler ist in der Rolle einfach unglaublich. Er lebt diesen Charakter und liefert einfach ab. Ein Tom Hanks ist dagegen in seinem komischen Fat-Suit etwas gewöhnungsbedürftig, aber dadurch, dass sein Colonel ein so interessanter Charakter ist, schaut man den Beiden gerne zu. Gerade weil Luhrman es auch vermeidet, den Colonel komplett zum Schurken werden zu lassen. Klar, er ist teils sehr egoistisch, aber am Ende war er der Stein, der alles ins Rollen gebracht hat. Diese Hassliebe zwischen ihm und Elvis ist echt spannend – und hätte man auch noch tiefer und breiter ausbauen können.

Insgesamt hatte ich aber echt meinen Spaß mit „Elvis“. Der Film ist rasant (manchmal halt zu rasant), atmet die Musik, lebt seine Titelfigur und ist dabei einfach ein typischer Luhrmann mit geilen Kostümen, den irren Kamerafahrten, schnellen Schnitten und eben dem Soundtrack. Auf jeden Fall ein unterhaltsames Kino-Erlebnis.

Wertung: 8 von 10 Punkten (hätte besser sein können, aber macht auch so verdammt viel Spaß)

7 Kommentare leave one →
  1. 18. Juli 2022 11:55

    Ja, bei diesem Film hat mich der Mut verlassen ihn zu sehen. An eine bunte Baz Luhrman Show, die sich viel Freiheiten erlaubt, kann man natürlich nicht die Maßstäbe wie an ein Biopic anlegen. Für Musikkenner (damit meine ich nicht unbedingt mich) ist sowas immer schwer zu ertragen, ich sehe ja gerne auch mal das Kunstwerk in seiner Gesamtheit und so gesehen ist der Streifen bestimmt toll.
    Natürlich hat der Film keinen leichten Stand bei mir, weil ich als den einzigen wahren Elvis bislang immer Kurt Russell in dieser wunderbaren Carpenterverfilmung sehe :))
    Na mal sehen.

    • donpozuelo permalink*
      18. Juli 2022 20:19

      Kann ich verstehen. Ich hatte auch so meine Bedenken, aber hat mir doch echt Spaß gemacht.

      Aber jetzt muss ich zu meiner Schande fragen: In welchem Carpenter-Film spielt Kurt Russell Elvis? Das MUSS ich sehen 😅

  2. 18. Juli 2022 17:59

    Ich mochte den Film auch sehr – besonders die Musik-Szenen sind toll. Aber es ist schon auffällig, dass man viele negative Aspekte etwas verbannt hatte – kein Wunder, dass seine Family sehr begeistert war von Elvis.

    Dass seine Militär-Zeit schnell abgehandelt war, fiel mir auch unangenehm auf. Immerhin verbrachte er diese in meiner Heimat, da hätte ich mich schon über ein paar Szenen mehr gefreut!

    • donpozuelo permalink*
      18. Juli 2022 20:21

      Ja, aber das viele Negative wird ja gerne zum Wohle des Künstlers weggelassen. War ja bei „Bohemian Rhapsody“ auch so.

Trackbacks

  1. 2022 | Going To The Movies

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