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Flieger voller Knackis

6. Juni 2022

Ich merke an mir selbst immer mehr, dass ich irgendwie viel öfter filmisch in Nostalgie schwelge und mir alte Klassiker angucke, von denen ich mir dann immer denke: „Oh Mann, so einen Film würde heute wahrscheinlich keiner mehr jemals drehen.“ Irgendwie geht man mittlerweile im Mainstream zu sehr auf Nummer Sicher, verlässt sich auf Franchise. Es fehlt so ein bisschen der Star-Kult, den man früher hatte. Da reichte ein berühmter Name aus und man konnte einfach mal ein bisschen frei drehen. Anders kann ich es mir zumindest nicht erklären, wie es jemals ein Film wie „CON AIR“ in die Kinos geschafft hat. Denn die Prämisse klingt auf dem Papier so dermaßen albern, dass das eigentlich nichts hätte werden dürfen. Aber Regisseur Simon West schickt seinen All-Star-Cast rund um Nic Cage und uns Zuschauer auf einen verdammt wilden Flug.

Cameron Poe (Nic Cage) wandert in den Knast, als er – ein ausgebildeter Marine – aus Notwehr und aus Versehen einen Mann umbringt, der ihn und seine Frau belästigte. Acht Jahre hockt Poe im Knast und freut sich auf seine Freilassung, um endlich seine Frau und seine Tochter, die geboren wurde, als er im Knast war, wiederzusehen. Am Tag seiner Entlassung wird Poe in ein Flugzeug mit anderen Insassen gesteckt, von denen eine Menge in ein Hochsicherheitsgefängnis gebracht werden sollen, weil sie die Übelsten der Übelsten sind. Doch Cyrus the Virus (John Malkovich), einer der gefährlichen Insassen, kapert mit der Hilfe der an Bord Anwesenden (wie unter anderem Ving Rhames, Danny Trejo, Dave Chappelle und Steve Buscemi) das Flugzeug… und U.S. Marshall Larkin (John Cusack) muss das Flugzeug irgendwie zurückbekommen. Zum Glück hat er einen ehrenvollen Mann an Bord: Cameron Poe.

Wie gesagt, die Story ist so gaga, wie sie nur sein kann. Aber sie funktioniert. Und sie funktioniert gut. Ich finde „Con Air“ ist nach wie vor ein verdammt unterhaltsamer Film, der es auf der einen Seite schafft, uns diesen Riesenwust an Charakteren gut näher zu bringen und uns auf der anderen Seite trotz recht begrenztem Spielraum (im Flugzeug) gute Action zu liefern. Gerade am Anfang fühlt sich „Con Air“ an wie ein amüsantes Kammerspiel, in dem Nic Cage alles versucht, um besonders lässig Nic Cage zu sein, während ein John Malkovich einfach nur Spaß daran hat, mal den Schurken zu spielen und ein Widerling zu sein.

Nic Cage mit seinen langen Haaren und dem John-McClane-Unterhemd ist aber auch einfach eine coole Socke, der mit „Con Air“ nach „The Rock“ und noch vor „Face / Off“ unter Beweis stellt, wie „vielschichtig“ er sein kann. Ich meine, okay… wenn man jetzt so weiß, was man über Nic Cage so weiß, wirkt seine Performance in „Con Air“ gleich noch ein bisschen lustiger. Wenn er angestrengt seine Oneliner wie „Put the bunny back in the box“ raushaut, wirkt das etwas absurd, aber es passt auch einfach irgendwie.

Was ich bis heute nie verstehen werde, ist die Tatsache, dass sich John Cusack für diesen Film schämt. Es hält sich ja wacker das Gerücht, dass man ihn besser nicht auf „Con Air“ ansprechen soll. Warum nicht? Es ist ein toller, vollkommen überdrehter Action-Film, der es schafft, nicht einmal langweilig zu werden. „Con Air“ serviert uns einen bunten Haufen komischer Vögel, von denen gerade Steve Buscemis Garland immer wieder spannend ist. Wenn er da als 30-facher Killer mit diesem Mädchen in dem ausgetrockneten Pool sitzt und mit Puppen spielt, nimmt der Film unheimliche Töne an, nur um das Ganze mit einem charmanten Gag als komplett harmlose Sache darzustellen. Auch Killer können nette Kerle sein.

Was Drehbuchautor Scott Rosenberg hier geschrieben hat, ist einfach eine interessante Studie, wie man es schafft, 11 und mehr Charaktere aufzubauen, ohne sich kaputt erklären zu müssen und ohne, dass das Ganze anfängt langweilig zu werden. Dafür braucht man dann natürlich so einen Spitzencast wie „Con Air“ ihn zu liefern hat, ein paar 90er Jahre Explosionen, die herrlich over-the-top sind und gutem Humor, wie es sich für so einen simplen, aber effektiven Action-Film gehört.

„Con Air“ ist einfach ein verdammt unterhaltsames Stück Action-Geschichte, das ich nicht missen möchte.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Nic Cage im Action-Klassiker der späten 90er Jahre)

8 Kommentare leave one →
  1. 6. Juni 2022 12:54

    Absurd auch, wie hochwertig der Cast für die Nummer ist, aber ja „Con Air“ ist einfach großartiges Machokino

    • donpozuelo permalink*
      9. Juni 2022 13:18

      Absolut absurd… aber das waren halt irgendwie noch die guten, alten Zeiten 🤣

  2. 6. Juni 2022 18:00

    Den mag ich auch sehr. Eben ein Film aus seiner Zeit. War für mich damals aber immer ein wenig die B-Variante von „The Rock“. Ist aus heutiger Sicht aber wohl eine Fehleinschätzung.

    • donpozuelo permalink*
      9. Juni 2022 13:20

      The Rock ist halt etwas konzentrierter auf Connery und Cage. Con Air ist ja wirklich gefühlt überall 😅

  3. 17. Juni 2022 19:06

    Oh wow … den muss ich auch mal wieder schauen. Spätestens seitdem ich in „Massive Talent“ einen Clip aus dem Film gesehen habe. Witzigerweise hab ich neulich schon mal drüber nachgedacht als ich mir die Aufgabe gemacht habe Filme zu schauen die in einem Flugzeug spielen…da gibts aber auch einige, heidewitzka.

    • donpozuelo permalink*
      19. Juni 2022 13:26

      Filme, die im Flugzeug spielen… ja, da gibt es ne ganze Menge. Da könntest du nen Dreiteiler draus machen 🤣

Trackbacks

  1. Nic Cage – The Movie | Going To The Movies

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