Zum Inhalt springen

DFST 8: Mickey und die Zauberbohnen

28. Mai 2022

Während des Zweiten Weltkriegs lieferte Disney weiterhin fleißig Filme. Ab 1943 wurden diese Filme dann auch zunehmend politischer, versuchte man doch mit „Saludos Amigos“ und „Die Drei Caballeros“ eine Annäherung an Südamerika zu erlangen. Doch mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs entschied man sich bei Disney offensichtlich dafür, ein wenig mehr für den Eskapismus zu sorgen, damit die Menschen im Kino mal kurz der Realität des gerade überstandenen Weltkriegs entkommen können. Deswegen gab es dann 1946 den Musikfilm „Make Mine Music“ (der leider nicht in meiner Box enthalten ist), der aber einfach auch nur eine Aneinanderreihung von Lied-Sequenzen ist. 1947 kam dann der nächste Film mit „FUN AND FANCY FREE“ (oder wie er merkwürdigerweise bei uns heißt: „FRÖHLICH, FREI,  SPASS DABEI“).

Pinocchios Jiminy Cricket ist zurück. Er wandert fröhlich singend durch ein großes Haus und findet dabei eine Puppe und einen Plüschbären, was ihn dazu bringt, uns die Schallplatte abzuspielen, die uns die Geschichte vom Zirkusbären Bongo erzählt. Als die Platte vorbei ist, sind Puppe und Bär glücklich vereint und Jiminy zieht weiter. Im Haus gegenüber veranstaltet Bauchredner und Puppenspieler Edgar Bergen (damals ein großer Comedian) einen lustigen Abend für die kleine Luana Patten zu ihrem Geburtstag. Dabei erzählt er ihr und seinen Puppen Charlie und Mortimer die Geschichte von Mickey, Donald, Goofy und den Zauberbohnen (natürlich in Anlehnung an „Jack an the Beanstalk“).

Ich hatte bei dem Titel des Film kurz Angst, dass es mal wieder sowas wird wie „Fantasia“ und ich mir über eine Stunde Musikfernsehen angucken musste. Dieses Mal ist es aber zum Glück nicht so anstrengend. Tatsächlich haben wir es ja nur mit zwei Kurzfilmen zu tun, die ein bisschen durch die Rahmenhandlung mit Jiminy Cricket eingefasst werden. Den Teil hätte ich zwar nicht unbedingt gebraucht, aber wie gesagt: Es sollte ein bisschen von allem ablenken. Also nimmt man einen bekannten Comedian und seine Puppen und lässt die zusätzlich ein wenig Quatsch machen. Damit der Film einfach auch was für die ganze Familie ist.

„Bongo“ ist dann der erste Film und ist so gesehen eine Mischung aus „Dumbo“ und ein bisschen „Bambi“ – zumindest, wenn es in den Wald geht. Der Zirkusbär, der ausbricht und im Wald seine große Liebe findet, ist schon ein bisschen witzig und auch direkt wieder ein Beispiel, wie absurd diese Zeiten damals waren. Es gibt im Film eine Sequenz, in der es darum geht, dass Bären ihre Liebe dadurch zeigen, dass sie sich schlagen. Was Bongo nicht weiß… und als seine Liebe ihn schlägt, denkt er, sie wolle ihn nicht. Das führt dann später zu einer Sequenz, in der sich Bären einfach ständig aufs Maul geben. Irgendwie eine äußerst merkwürdige Botschaft… nach dem Motto: „Ich schlage jetzt einfach den liebsten Menschen in meinem Leben, um meine Liebe zu zeigen!“ Kann man auch fehlinterpretieren. Wer weiß, ob da der Versuch hintersteckte, das Thema häusliche Gewalt zu verniedlichen… oder ob man da jetzt einfach zu viel reinliest. Als Trickfilm ist es zwar irgendwie witzig, aber das Ganze wird halt so in die Länge gezogen, dass es bald auch etwas komisch wirkt.

„Mickey and the Beanstalk“ ist dann ein recht klassischer Disney-Film, den man sich sogar gut als Spielfilm vorstellen könnte. Die Möglichkeiten innerhalb der Story wären auf jeden Fall dagewesen. Auch hier merkt man wieder die Zeit, in der der Film gedreht wurde: Erst leben alle glücklich in einem wunderschönen Tal. Eine singende Harfe bringt Glück und Frieden, bevor sie von einer unheimlichen Gestalt entführt wird. Hunger, Dürre und Zerfall zerstören das Tal, Mickey, Donald und Goofy leben mit den kleinsten Rationen und machen sich irgendwann auf in den Kampf. Ein Leiden, das auch in der realen Welt geherrscht hat.

Dieser zweite Kurzfilm ist zwar irgendwie ganz nett, fühlt sich aber auch sehr schnell erzählt an. Ich glaube, wenn Disney das als Langfilm gemacht hätte, wäre das was Tolles geworden. So wird halt rasch die Geschichte mit den magischen Bohnen runtergespult – und das eben mit den beliebtesten Disney-Figuren, die es damals gab. Unterbrochen wird die Handlung immer wieder von diesem Puppenspieler, was ich auch nicht wirklich gebraucht hätte…

Insgesamt gesehen ist „Fröhlich, frei, Spaß dabei“ kein sonderlich starker Film. Nichts, was ich mir ein zweites Mal angucken würde. Bären, die sich aus Liebe schlagen, ein älterer Mann feiert mit einem jungen Mädchen, das nicht mit ihm verwandt ist, Geburtstag und hat seine creepy Puppen dabei – mit heutigen Augen betrachtet, ist irgendwie einfach ziemlich viel sehr komisch an diesem Film. Die Animationen sind Disney Standard, aber recht lieblos zusammengeklatscht.

Wertung: 5 von 10 Punkten (nett und weniger anstrengend als gedacht, dabei aber trotzdem etwas komisch)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: