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Khonshus Ritter

25. Mai 2022

Marvel fährt seit Phase 4 zweigleisig: Was früher streng getrennt voneinander war – nämlich die Filme und die Serien – soll jetzt mehr und mehr eine Einheit bilden. Zumindest auf dem Papier. Bei „Doctor Strange 2“ klappt das zumindest tatsächlich ziemlich gut, wird hier doch die Geschichte aus „WandaVision“ fortgeführt. Aber ansonsten kann man von den anderen bisherigen Serien nichts dergleichen berichten. Keine Ahnung, was „Falcon and the Winter Soldier“ gemacht hat, aber die haben sich da nur im Kreis gedreht: Schließlich war Sam Wilson am Ende von „Endgame“ de facto Captain America. In der Serie wollte er es aber nicht mehr sein, bis er es dann am Ende doch wurde. Für „Captain America 4“ ist die Serie also nicht wirklich von Bedeutung… aber hey, ich find’s okay, wenn jetzt nicht alles zu krass miteinander verwoben wird. Was man Marvel aber wirklich anrechnen muss: Gerade im Serienbereich probieren sie sich mehr und mehr aus. Bestes Beispiel ist jetzt „MOON KNIGHT“, die Mini-Serie mit Oscar Isaac in der Hauptrolle.

Steven Grant (Isaac), Verkäufer im Gift-Shop des British Museum, leidet an dissoziativer Persönlichkeitsstörung… nur weiß er davon nichts. Als er eines Nachts schlafen geht, wacht er plötzlich in einem kleinen Dorf in den Alpen wieder auf. Hier beobachtet er Arthur Harrow (Ethan Hawke) dabei, wie er mit der Hilfe der Macht von Ammit, einer alt-ägyptischen Göttin, die Leben der Menschen beurteilt. Harrows eigentliches Ziel ist aber die Wiederauferstehung Ammits… und dafür braucht er ausgerechnet Steven. Was Steven aber nicht weiß, in ihm schlummert noch ein gewisser Marc Spector, der vor einiger Zeit einen Deal mit dem Mondgott Khonshu eingegangen ist und tatsächlich in diesen Kleinkrieg der Götter verwickelt ist.

Marvel hat auch mit „Moon Knight“ nicht wirklich dazu gelernt. Sechs Episoden sind einfach viel zu wenig, um wirklich in Ruhe alles erzählen zu können, was so eine Geschichte braucht. Acht Episoden hätten auch Oscar Isaac gutgetan, aber gut… „Moon Knight“ macht das Beste draus. Was immerhin schön ist, ist die Tatsache, dass wir mit diesem Moon Knight wirklich mal wieder eine neue Figur ins MCU einführen, die natürlich aus gegebenem Anlass sehr faszinierend ist.

Unser Held weiß nämlich aufgrund seiner Krankheit nicht einmal, dass er wirklich ein Held ist. Somit ist „Moon Knight“ jetzt auch nicht diese typische Origin-Story, die man uns sonst immer vorsetzt. Gemeinsam mit Steven schwirren wir als Zuschauer im Dunkeln und können uns nicht wirklich einen Reim auf all das bilden. Somit wird die Entstehung von Moon Knight mal rückwärts erzählt. Wir erleben den Helden schon in Aktion und lernen erst mit der Zeit, zu was er alles fähig ist und wieso es überhaupt dazu kam, dass Marc Spector zu Moon Knight wurde. Das ist ein erfrischender neuer Ansatz…

… aber in diesem Fall noch erfrischender ist die Tatsache, dass Marvel den Superhelden Moon Knight nicht überstrapaziert, sondern wirklich eine Charakter-getriebene Geschichte erzählt. Denn die viel spannendere Geschichte ist die, wieso ein Steven Grant diese zweite Persönlichkeit namens Marc Spector hat. Hier kommt dann ein Oscar Isaac zum Einsatz, der einfach mal zeigt, was er draufhat. Wie er immer wieder gekonnt zwischen den Beiden hin und her springt, ist wirklich fantastisch. Isaac liefert eine großartige Performance ab, die ihm auch wirklich einiges abverlangt… aber er schafft es, uns zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten zu präsentieren, die auch faszinieren. Gerade Folge 5 ist da das emotionale Highlight und gibt Isaac die Grundlage für eine Tour de force.

Ein Ethan Hawke geht in der Schurken-Rolle allerdings etwas unter und leider wird auch eine May Calamawy als Marcs Frau Layla nicht wirklich gefordert, obwohl ich gerade von ihr gerne mehr gesehen hätte.

„Moon Knight“ liefert aber einen coolen Mix aus Thriller, Drama und Abenteuer (ein bisschen wird ja auch nach Grabmälern gesucht), in dem aber der Held Moon Knight gar keine so große Rolle spielt – was aber, wie gesagt, nicht so tragisch wirkt wie es klingt.

Tragischer wird es eher, wenn man sich anschaut, wie schlecht das CGI in der Serie manchmal ist. Für eine dicke Marvel-Produktion tut das schon echt ein bisschen weh. Und noch tragischer finde ich, dass gerade das Finale in so einigen Logiklöchern versinkt, die alle wiederum der kurzen Laufzeit von nur sechs Episoden geschuldet sind. Da hätte man am Ende echt mehr draus machen können…

… nur leider wird es eine zweite Staffel nicht geben. Hoffen wir aber mal, dass wir Oscar Isaac als Moon Knight nicht zum letzten Mal gesehen haben.

Wertung: 7 von 10 Punkten (grandios gespielte und mal anders aufgezogene Origin-Story, die aber am Zeitmanagement leidet)

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