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Porno-Dreh auf Mörder-Farm

23. Mai 2022

Horror-Filme haben auch immer was mit Sex zu tun. Das ist ja schon Horror-Standard geworden. Sex und Angst bringen halt das Herz zum Rasen… und liefert dem Publikum was fürs Auge, bevor Augen verloren gehen. Regisseur und Autor Ti West hat sich die Korrelation zwischen Horror und Sex jetzt ganz besonders zu Herzen genommen und liefert mit „X“ eine interessante Mischung aus Soft-Porno, Komödie und blutigem Gemetzel.

Wir schreiben das Jahr 1979: Maxine Minx (Mia Goth) fährt mit ihrem Freund, dem Produzenten Wayne (Martin Henderson), nach Texas. Hier wollen sie gemeinsam mit Jackson Hole (Scott Mescudi) und Bobby-Lynne (Brittany Snow) DEN Porno-Film schlechthin drehen. Dafür soll Kamera-Mann und Möchtegern-Avantgardist RJ (Owen Campbell) sorgen. Der hat seine Freundin Lorraine (Jenna Ortega) als Ton-Assistentin mit im Schlepptau. Auf der Farm von Howard (Stephen Ure) sollen die Dreharbeiten stattfinden… allerdings ohne das der alte Howard oder seine Frau Pearl (ebenfalls Mia Goth) davon Bescheid wissen. Und anfangs geht auch alles glatt, bis es dann auf einmal nicht mehr so glatt geht.

Der Film beginnt mit dem Ende des Massakers, die Polizei taucht auf der Farm auf und wundert sich, was hier wohl los war. Dann springen wir 24 Stunden in der Zeit zurück und sehen, was passierte. Spannend ist dabei, dass sich Ti West einfach erstmal die Zeit nimmt, keinen Horror-Film zu drehen, sondern vielmehr eine amüsante Komödie über den Dreh eines Porno-Films macht. So werden in „X“ gekonnt die Figuren erstmal etabliert. Die werden nicht einfach nur billiges Mörder-Futter, sondern bekommen Hand und Fuß. Wir investieren Zeit in diese Charaktere, die uns dann auch irgendwie am Herzen liegen… was deren Morde dann in der zweiten Hälfte irgendwie umso tragischer macht.

Ti West geht hier halt wirklich mit sehr viel Humor an die Sache heran… da hätten wir eben Kamera-Mann RJ, der ernsthaft glaubt, er könnte hier ein großes Meisterwerk hinlegen, wenn wir doch alle wissen, dass er nur einen Porno dreht. Da ist Maxine, die unbedingt ein großer Star werden möchte oder Bobby-Lynne, die einfach nur ein Haus und einen Pool ihr Eigen nennen möchte. Die Charaktere sind unterhaltsam geschrieben, auch wenn manche Wendungen ein bisschen sehr salopp in die Handlung eingebaut sind – besonders wenn die stille Lorraine plötzlich doch mehr möchte. Das ist einfach nur, weil West eben einen Anfangspunkt brauchte, um die eigentliche Action loszutreten.

Denn man fragt sich schon zwischendurch: „Geht jetzt bald mal was los?“ Die erste Hälfte ist noch verhältnismäßig harmlos… auch wenn die alte Pearl schon unheimliche Vibes verströmt und eine kurze Alligator-Sequenz für mehr Aufregung sorgt, als ich gedacht hätte. Aber irgendwann haben wir genug Zeit damit verbracht, schönen Menschen beim Sex zu zusehen und dann darf das Gemetzel auch losgehen.

Hier triumphiert der Film dank herrlicher praktischer Effekte. Die einzelnen Kills sind ordentlich grafisch, ordentlich blutig und ordentlich fies. Nach viel Sex folgt viel Gewalt… und diesem Motto bleibt Ti West dann auch ohne Pause treu. Dabei verliert er nie seinen Humor, betritt aber manchmal auch etwas merkwürdige Zonen, die der Film so jetzt gar nicht wirklich vorher ausgeschöpft hat. Ich sage mal nur so viel: Pearls Intentionen sind zwar irgendwie eindeutig, aber trotzdem etwas merkwürdig. Und es wundert mich irgendwie gar nicht, dass Ti West schon verkündet hat, dass sie gleichzeitig zu „X“ auch ein Pearl-Prequel namens „Pearl“ abgedreht haben, in dem ihre Geschichte erzählt wird. Was natürlich dem eigentlichen Film ein bisschen schadet… hätte man doch hier Pearls Story ein bisschen intensivieren sollen, um deutlicher zu machen, warum sie so extrem kaputt ist… und vor allem, was es da mit ihrem Keller auf sich hat (das nur spoilerfrei am Rande).

Insgesamt hatte ich mit „X“ schon meinen Spaß. West lässt sich anfangs vielleicht ein klein bisschen zu viel Zeit und zögert das Kommen der Gewalt-Ausbrüche wie ein Porno-Profi ziemlich hinaus, aber wenn die dann kommen, ist es das, was man sich von einem „Texas Chainsaw Massacre“-Slasher erwartet, der ohne Chainsaw auskommt.

Wertung: 7 von 10 Punkten (blutig und sexy, die richtige Kombination)

4 Kommentare leave one →
  1. 23. Mai 2022 11:46

    Hatte den gestern Abend im Kino gesehen und fand den leider ziemlich mies

    • donpozuelo permalink*
      23. Mai 2022 13:31

      Schade. Ich fand ihn ganz witzig… obwohl diese lange erste Hälfte schon echt in die Irre führt. Gerade, wenn man einfach nur nen Slasher erwartet.

  2. 23. Mai 2022 12:58

    Die erste Hälfte war etwas lahm, aber wenn die Action los geht, funktioniert er dann doch.

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