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Random Sunday #78: Watership Down

22. Mai 2022

„Unten am Fluss“ oder auch „WATERSHIP DOWN“ wird ja von vielen als der Trickfilm bezeichnet, der ihre Kindheit nachhaltig geprägt hat – einfach weil dieser Film viele komplett verstört hat. Ich habe den Film selbst nie gesehen, will ihn aber unbedingt bald mal nachholen. Vorher wollte ich aber das Buch von Richard Adams lesen… und selbst da war ich direkt zu Beginn verwirrt. Denn in meiner Ausgabe gibt es hinten lustige Ausmaldbildchen für Kinder, Fun-Facts über Hasen und Kaninchen und halt kindgerechte Fragen, um das gerade Gelesene besser verarbeiten zu können. Also ganz offensichtlich sieht der Verleger selbst „Watership Down“ auch als Kinderbuch an. Ich frage mich nur, wer dieses Buch wirklich seinen Kindern als Lektüre gibt… klar, es geht um süße kleine Häschen, aber damit hört der kindgerechte Faktor auch schon auf. Aber gut, ich greife vorweg…

Fiver, ein junger Hase, hat apokalyptische Visionen vom Untergang des Hasenbaus, in dem er mit vielen anderen gerade lebt. Doch der Anführer will von Fivers wirrem Gerede nichts wissen. Nur dessen bester Freund Hazel glaubt ihm… und so wollen die Beiden den Bau verlassen, um sich in Sicherheit zu bringen. Dabei werden sie von einigen anderen Hasen begleitet, wie zum Beispiel dem kräftigen Rammler Bigwig. In einer Gruppe von mehreren Hasen machen sie sich auf die beschwerliche Reise ins „Gelobte Land“, welches sie in der Form von Watership Down auch finden. Dort angekommen müssen sie aber bald feststellen, dass sich eine neue Gemeinde natürlich nur mit Frauen aufbauen lässt… und so schicken sie Kundschafter aus, um bei anderen Gemeinden nach willigen Zippen zu fragen. In Efrafa werden sie fündig, doch dieser Bau wird von dem strengen General Woundwort wie ein totalitäres Regime geführt, aus dem niemand ausbrechen darf. Also brauchen Hazel und Fiver einen Plan, um den Fortbestand ihrer Gruppe zu gewährleisten.

„Watership Down“ ist unterteilt in 4 Teile und ich war, ehrlich gesagt, sehr erstaunt, wie schnell die Hasen am Ende dann doch im Titel gebenden Down ankommen, nur um dann vor neue Aufgaben gestellt zu werden. Aber gut, das war nur meine Fehlinterpretation, denn tatsächlich hat Adams so einfach ein verdammt gutes Timing und baut diesen langen Hasen-Epos perfekt aus.

Die Reise im ersten Teil ist sehr Abenteuer lastig, stellt die Gruppe von Hasen vor nie dagewesene Herausforderungen. Immer wieder wird dabei die Dynamik der Gruppe auf den Kopf gestellt. Immer wieder wird Fivers Vision hinterfragt. Hazel muss sich als Oberhaupt der neuen Gruppe immer wieder beweisen und es gibt so viele ja auch nachvollziehbare Konflikte, die dieses neues Szenario für sich mit bringt. Das Spannende dabei ist, dass Richard Adams die Hasen natürlich auf eine gewisse Art und Weise vermenschlicht, aber sie dennoch auch immer noch Hasen bleiben lässt. Die Vermenschlichung macht dann natürlich gerade die Konflikte innerhalb der Gruppe glaubhaft, weil man solche Streitigkeiten und Ängste auch einfach auf Menschen selbst beziehen könnte.

Spannend fand ich in diesem Zusammenhang dann auch, dass Adams den Hasen ein ganz eigenes Glaubenssystem mit Mythen und Sagen zudichtet… und immer wieder wird die Handlung durchzogen von Kapiteln, in denen wir mehr über legendären Hasen El-ahrairah erfahren. Ein Held, der wie Robin Hood wirkt, wenn er Königen ihren Salat stiehlt, der sich für sein Volk opfert und sogar gegen den Tod selbst antritt. Das hat etwas sehr religiöses, zumal damit auch tatsächlich ein Gott-Glauben unter den Hasen aufgebaut wird, der sich aus den Ängsten und Befürchtungen des Unerklärlichen ergibt… und damit ja irgendwo auch das widerspiegelt, was wir aus der eigenen religiösen Geschichte kennen. Das war auf jeden Fall einer der faszinierendsten Aspekte von „Watership Down“ für mich, weil so diese Gemeinschaft der Hasen noch greifbarer wurde.

Und wie gesagt, es geht am Ende immer noch um eine Abenteuerreise rund um Hasen. Die müssen gefährliche Flüsse und Straßen überqueren, offene Wiesen bezwingen, sich vor Menschen und Füchsen und anderen Feinden in Sicherheit bringen. Das alles wiederum beschreibt Adams gut tierisch und lässt uns so einfach ein bisschen zu einem begleitenden Hasen werden. Was natürlich auch Kinder ansprechen kann…

… wenn es da nicht dann auch sehr gewalttätig zur Sache gehen würde. Fivers Visionen sind blutüberströmte Felder, Kämpfe gegen Feinde gehen nicht immer glimpflich aus… und gerade wenn die Gruppe dann auf die Diktatur Efrafa stößt, verarbeitet Adams halt auch geschichtliche Strukturen, die vielleicht etwas zu viel für Kinder sind. Aber wiederum ist das jetzt auch nicht so hoch, dass man Geschichte studiert haben müsste. Das System von General Woundwort ist auch so klar verständlich und brutal effizient… aber auch wirklich brutal: Zippen werden unterdrückt, Widerstand wird gnadenlos niedergeschlagen. Es gibt einen Hasen in Efrafa namens Blackavar, der verstümmelt und öffentlich zur Schau gestellt wird, um als Warnung zu dienen.

Es geht in „Watership Down“ halt wirklich nicht einfach nur um niedliche Hasen… und der Film von 1978 scheint das wohl auch ziemlich gut verinnerlicht zu haben (nach all den verstörenden Berichten darüber). Aber es ist ein faszinierender Roman, eine wirklich spannende Odyssee, die abwechslungsreich und detailverliebt diese Reise der Hasen beschreibt und uns tatsächlich auch gut diese Welt der Hasen näherbringt. Kann ich wirklich nur empfehlen, nur sollte man davon vielleicht absehen, Kindern zu früh dieses Buch zu geben…

5 Kommentare leave one →
  1. 23. Mai 2022 09:54

    Den Roman habe ich nie gelesen, den Film aber als Kind (viel zu früh) gesehen. Der hat mich zwar jetzt nicht nachhaltig traumatisiert. Aber erschütternd war es dann doch.

    Hast du zufällig Felix Saltens „Bambi“ mal gelesen? Das ist auch Recht brutal und wurde dann in Disney Film einigermaßen kindgerecht adaptiert.

    • donpozuelo permalink*
      23. Mai 2022 13:30

      Der Film steht mir auch noch bevor. Jetzt bin ich wenigstens vorgewarnt.

      Und nein, das Buch „Bambi“ habe ich nicht gelesen. Ich habe vor kurzem überhaupt erst erfahren, dass der Disney Film auf einem Buch basiert. Da war Disney dann wohl doch echt gnädiger mit dem jungen Publikum als die Macher von Watership Down 😅

      • 23. Mai 2022 14:17

        „Bambi“ wurde von den Nazis sogar verboten und verbrannt, weil es (angeblich) zu politisch war. Im Dezember gibt es auf meinem Blog einen Buch-Filmvergleich, auf den ich mich zugegebenermaßen schon ein bisschen freue. Vielleicht hast du bis dahin ja die Gelegenheit das Büchlein zu lesen 😉
        Danke fürs Folgen übrigens

        • donpozuelo permalink*
          23. Mai 2022 19:14

          Gerne doch.

          Und cool. Bin ich mal gespannt drauf.

Trackbacks

  1. Blutige Hasen-Odyssee | Going To The Movies

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