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Avenger auf Abwegen

13. Mai 2022

Sebastian Stan erfindet sich auch gerade neu, was ich echt gut finde. Als Bucky Barnes in „Captain America“ wurde mir überhaupt erst bewusst, dass es ihn gibt. In „The Winter Soldier“ durfte er einfach nur abliefern und ist seitdem im MCU eine wichtige Komponente gewesen. Zwar fand ich sein „Falcon and the Winter Soldier“ eher lahm, aber Sebastian Stan war immer toll in der Rolle. Das erste Mal außerhalb des MCUs zeigte er sich mir von einer ganz anderen Seite in „I, Tonya“. Da sah ich auf einmal den Schauspieler Sebastian Stan… und der ist ebenfalls einfach nur fantastisch. Vor kurzem erst lief ja „Pam und Tommy“ (die letzte Folge muss ich immer noch gucken) und darin hatte man schon richtig gesehen, wie frei Stan dreht. Jetzt kommt er mit einem neuen Horror-Film ums Eck… und zeigt uns seine psychopathisch-charmante Seite in „FRESH“.

Noa (Daisy Edgar-Jones) hat die Schnauze voll vom Online-Dating. Die Pfeifen, die sie da trifft, sind genau das: Pfeifen. Also will sie sich eigentlich eine Pause gönnen. Doch da trifft sie im Supermarkt beim Gemüse auf Steve (Stan). Es klickt zwischen den Beiden, nur Noas beste Freundin Mollie (Jonica T. Gibbs) findet das Ganze etwas suspekt – zumal sie den Typen ja nicht mal über Social Media abchecken kann. Noa will davon aber nichts hören und lässt sich auf einen kleinen Trip mit Steve ein… nur der endet in Steves abgeschiedenem Haus und mit einem Steve, der auf einmal seine wahre Seite zeigt.

Regie-Debütantin Mimi Cave verfilmt mit „Fresh“ das Drehbuch von Lauryn Kahn und liefert einen erfrischend anders wirkenden Horror-Film. „Fresh“ fängt nämlich erstmal an, wie eine süße RomCom… blöde Dates zeichnen das Leben von Noa, dann kommt Mister Perfect um die Ecke und es gibt die „sassy“ beste Freundin. Aus diesem Stoff werden Liebeskomödien geschrieben. Und Lauryn Kahn spielt in ihrem Drehbuch gekonnt mit diesen üblichen Klischees. Die wiederum profitieren extrem von dem starken Cast, den dieser Film zu bieten hat. Sebastian Stan ist einfach nur der Charme-Bolzen schlechthin. Daisy Edgar-Jones, die ja gerade zum Shooting-Star wird und demnächst mit „Where the Crawdads sing“ in die Kinos kommt (das Buch liegt schon zum Lesen bereit), ist ebenfalls einfach nur Zucker. Ganz ehrlich, wenn „Fresh“ am Ende wirklich nur eine RomCom mit ihr und Stan gewesen wäre, ich hätte es auch gefeiert. Die Beiden haben einfach eine unglaubliche Chemie und wirken echt authentisch und natürlich. Gerade Daisy Edgar-Jones ist wirklich wunderbar in dieser ersten Hälfte… zumal Mimi Cave an ihr auch die Gefahren einer Frau beim Dating offenlegt… seien sie nun eher lustiger Natur oder tatsächlich auch unheimlicher. Es gibt eine Sequenz, in der Noa nach dem furchtbaren Date durch eine dunkle Gasse zum Auto geht und auf einmal hinten jemand auftaucht… der Typ, den sie gerade abserviert hat??? Auf einmal ist da dann auch ein bisschen Angst und die kommt ja leider nicht von ungefähr. Doch zu diesem Zeitpunkt ist „Fresh“ trotzdem immer noch im RomCom-Modus… aber ein paar alltägliche Probleme einer jungen Frau werden trotzdem schon deutlich.

Wenn man jetzt vorher nicht wüsste, dass „Fresh“ ein Horror-Film sein soll, würde man auch nicht einmal etwas ahnen… also wie Noa. Die Tatsache, dass Steve kein Social Media hat, wirkt halt nur wegen dem Wissen, das hier wird noch ein Horror-Film, bedrohlich. Ohne das Vorwissen hätte ich das jetzt nicht einmal zwingend hinterfragt. Dann zeigt Steve aber sein wahres Ich… und die RomCom ist vorbei.

Ich will jetzt nichts über das verraten, was Steve dazu antreibt, Noa zu entführen. Er macht das aber auf jeden Fall nicht zum ersten Mal und hat ziemlich kaputte Gründe dafür. Dabei schaffen es Mimi Cave, Daisy Edgar-Jones und Sebastian Stan aber trotzdem immer noch, diese Chemie zwischen den Beiden aufrecht zu erhalten… auch wenn das Gefälle nun ein ganz anderes ist. Stan ist immer noch charmant, aber diabolisch, Edgar-Jones wünscht man einfach nur, dass sie irgendwie aus all dem rauskommt.

Jetzt ist „Fresh“ eine Horror-Show mit einigen wirklich fiesen und wunderbar kaputten Momenten, in denen Cave dann auch ihren Horror-Faible voll auslebt. Das macht eigentlich echt viel Spaß, allerdings gab es so ein paar Punkte, mit denen ich trotzdem so meine Probleme hatte:

Natürlich macht sich Mollie irgendwann Sorgen um Noa und stellt Nachforschungen an… und kommt Steve auch auf die Spur, weil der bei seinem Date mit Noa mit seiner echten Kredit-Karte bezahlt hat. Das war so dieser eine Punkt, der mich einfach echt gestört hat: Für jemanden, der das schon so lange macht, ist das ein ziemlich blöder Fauxpas, der nicht hätte passieren dürfen und sehr konstruiert wirkt. Auch scheint niemand in diesem Film Bock zu haben, mal die Polizei zu verständigen… und kurz vorm Schluss kommt jemand, der helfen könnte, hört dann aber ein paar Schüsse und haut (auch ohne vorher die Polizei zu rufen) einfach wieder ab. Das sind jetzt alles keine dollen Dinge, aber irgendwie waren das alles etwas zu einfache Entscheidungen, um die Story irgendwie voranzutreiben.

Dank der tollen Darsteller kann man mit „Fresh“ aber trotzdem echt viel Spaß haben. Stan und Edgar-Jones liefern ein tolles Paar und deren Chemie bleibt auch bestehen, wenn sie sich nicht mehr mögen.

Wertung: 7 von 10 Punkten (unterhaltsame RomCom-Horror-Komödie, die kurz mal unter doofen Entscheidungen leidet)

2 Kommentare leave one →
  1. 13. Mai 2022 20:40

    Hatte mir auch sehr gut gefallen, trotz der kleinen Disharmonien. In solchen Fällen kann ich darüber hinwegsehen und stimmt, selten so ein gut funktionierendes Paar auf der Leinwand gesehen.
    Und wenn die Polizei zum Einsatz kommt, stirbt der erste Beamte vor Ort ohnehin immer, also habe sie die gleich weggelassen :))

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