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Nach dem Hack

4. Mai 2022

Als ich mit „Mr. Robot“ anfing, war mir nicht wirklich bewusst, wie sehr mich diese Serie in ihren Bann ziehen würde. Und das allein schon von der Optik und der Machweise, die wirklich sehr sehenswert und faszinierend ist. Darüber allein könnte ich schon ziemlich lange schwärmen und hätte noch nicht einmal damit begonnen, die Schauspieler und das Drehbuch zu loben. Aber gut, irgendwo muss dieser Hype um diese Serie ja herkommen. Da muss natürlich irgendwas hinter stecken. Als ich mit der Serie anfing, war mir aber bewusst, dass „MR. ROBOT“ STAFFEL 2 ein bisschen anders sein würde… denn sehr viele Leute „warnten“ mich davor, dass die zweite Staffel ein bisschen abfallen würde. Ich war also vorbereitet… und ja, es stimmt. Staffel 2 nimmt ein bisschen das Tempo raus – was manchmal ganz gut ist, manchmal auch nicht unbedingt.

Elliot (Rami Malek) ist nach den Ereignissen von Staffel 1 erstmal bei seiner Mutter untergekommen und versucht, sich eine Routine zu erschaffen, mit der er unter anderem auch dem Zugriff von Mr. Robot (Christian Slater) entkommen kann. Doch während Elliot zurückgezogen nach Normalität sucht, macht fsociety unter Darlene (Carly Chaikin) weiter. Als ein Mitglied der Gruppe tot aufgefunden wird, glauben alle, Dark Army unter der Führung von Whiterose (BD Wong) stecken hinter dem Anschlag. Gleichzeitig rückt durch den Mord das FBI fsociety mehr und mehr auf die Pelle: Die Agentin Dom DiPierro (Grace Gummer) sucht nach ihnen… Auf der Suche ist auch Tyrells Frau Joanna (Stephanie Corneliussen), deren Mann Tyrell (Martin Wallström) mittlerweile ebenfalls nach dem großen Hack untergetaucht ist. Während all das passiert, arbeitet sich Angela (Portia Doubleday) mittlerweile durch die Ränge von Evil Corp.

Ja, in gewisser Weise nimmt sich Staffel 2 ein bisschen das Tempo und manchmal hat mich das auch ein bisschen gestört. Die Staffel nimmt in gewisser Weise den Fokus von Elliot und konzentriert sich erst einmal auf die anderen Charaktere. Was natürlich auch passt, schließlich hat Elliot seine Routine gefunden und hofft, dass diese Normalität ihm helfen kann. Also schaut sich die Serie erstmal an, was mit denen passiert, die nach dem Hack noch weitermachen müssen. Trotzdem hat mit Elliot gerade am Anfang ein bisschen gefehlt… und gleichzeitig fand ich die ganze „Angela bei Evil Corp“-Nummer ein bisschen langweilig. Das zog sich schon etwas in die Länge, obwohl die Serie es dann hier und da doch schaffte, auch hier coole Momente zu erzeugen. Dieses obskure Interview, dass sie zum Ende der Staffel mit dem kleinen Mädchen führt, hatte etwas komplett Surreales, war aber einfach nur fantastisch.

Auch Darlene, von der ich dachte, man würde versuchen, sie jetzt als neue große Hauptfigur aufbauen, konnte für mich die Serie nicht so richtig tragen. Dafür war sie in der ersten Season zu sehr in die Nebenrolle gesteckt worden. Und gleichzeitig muss ich einfach gestehen, fehlte mir der wahnsinnige Tyrell. Martin Wallström war so ein skurriler und irrer „bad guy“ in Staffel 1, dass ich mir von ihm einfach mehr gewünscht hätte. Immerhin wieder dieser Staffelstab ganz gut an Stephanie Corneliussen übergeben, die ihm in fast nichts nachsteht.

Aber wie gesagt, das ist Meckern auf ziemlich hohem Niveau. Die Staffel war dennoch wahnsinnig unterhaltsam und spannend. Neuzugang Grace Gummer zum Beispiel als einsame Frau, die tiefgründige Gespräche mit ihrer Alexa führt, aber im Job ein eiskalter Spürhund ist, ist einfach nur fantastisch. Ihre Dom finde ich super und sie passt perfekt in die Serie. Auch der Ausbau von BD Wongs Rolle als Whiterose ist fantastisch. Als man in Staffel 2 dann schnallt, dass sich hinter der Transfrau der chinesische Minister für Staatssicherheit verbirgt, ist das schon ziemlich krass…

Gleichzeitig fand ich es auch echt stark, wie die Staffel die Auswirkungen von 5/9, wie der Hack genannt wird, thematisiert. Stromausfälle, Geld verliert seinen Wert, etc…. das passiert gefühlt alles im Hintergrund, zeigt aber auch gleichzeitig, wie es zur gruseligen Normalität in dieser Welt von „Mr. Robot“ geworden ist.

Und obwohl ich jetzt gar nicht so viel über Elliot gesprochen habe: Auch seine Story wird grandios aufgebaut. Ich will nichts spoilern, aber wenn wir in Folge 7 die große Offenbarung bekommen, wer am Ende von Staffel 1 wirklich an Elliots Tür geklopft hat, ist das schon ziemlich krass. Zwischendurch gibt es auch diese herrlich absurde Sitcom-Fantasie von Elliot, in der auch Alf auftaucht und die mich ein bisschen an „WandaVision“ erinnert hat. Das war schon echt ein fantastischer Twist, den man – im Gegensatz zum Mr. Robot-Twist in Staffel 1 – nicht hat vorhersehen können.

Alles in allem ist auch Staffel 2 von „Mr. Robot“ fantastisch konstruiert… ich glaube, sollte ich je ein Rewatch der Serie machen, wird mir die zweite Staffel 2 auch direkt noch besser gefallen – eben gerade weil sie den Fokus verschiebt und uns andere Figuren präsentiert. Staffel 2 bereitet alle Schachfiguren vor und ich kann mir nur vorstellen, dass es jetzt in Staffel 3 und 4 so richtig zur Sache gehen wird. Worauf ich mich sehr freue.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Mr. Robot nimmt sich ein bisschen das Tempo, ohne dabei wirklich langsamer zu werden)

3 Kommentare leave one →
  1. 26. Mai 2022 20:29

    Die Staffel fand ich auch grandios. Da war für mich das Loch rund um Drogenstories in der ersten Staffel weniger interessant. Den Bruch rund um Elliot habe ich da in der zweiten gar nicht so krass wahrgenommen.
    Vllt fühlten sie sich ja in ihrer Autor:innen-Ehre verletzt und haben deswegen dieses Mal einen wasserdichteren Twist eingebaut. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      27. Mai 2022 08:53

      Wahrscheinlich 😅 aber ja, ich glaube, wenn ich die Serie irgendwann ein zweites Mal gucken würde, würde mich das auch nicht mehr so „stören“.

Trackbacks

  1. Mr. Robot, übernehmen Sie! | Going To The Movies

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