Zum Inhalt springen

Komet Dibiasky

1. April 2022

Adam McKay ist für mich ein faszinierender Regisseur. Zum ersten Mal habe ich ihn durch „Step Brothers“ kennengelernt. Ein Film, der deutlich macht, dass Humor echt Geschmackssache ist. Einer meiner besten Freunde feiert diesen Film ohne Ende. Als ich ihn das erste Mal gesehen habe, fand ich ihn lahm… aber so mit der Zeit hat sich mein Herz mehr für die Stiefbrüder geöffnet und so langsam verstehe ich den Reiz des Films. So richtig meinen Humor hat McKay dann mit den beiden „Anchorman“-Filmen getroffen. Da habe ich mich ja einfach nur weggeschmissen. Dann entschied sich McKay sein komödiantisches Talent ein bisschen ernsthafter einzusetzen, produzierte und drehte Filme wie „The Big Short“ und „Vice“, die ich beide auch wirklich unterhaltsam fand. Doch nun steht da „DON’T LOOK UP“, der Film, der sein Publikum spaltet, bei den Oscars gleich viermal nominiert gewesen ist (unter anderem auch als Bester Film und für das Beste Drehbuch)… und ich muss leider sagen, hier zeigt sich dann wieder, dass Humor wirklich Geschmackssache ist. Ich habe mich bislang bei keinem Adam McKay Film so extrem gelangweilt wie bei diesem.

Doktorandin Kate Dibiasky (Jennifer Lawrence) entdeckt einen Kometen. Ihr Professor, Dr. Randall Mindy (Leonardo DiCaprio), berechnet, dass der Himmelskörper in einem knappen halben Jahr mit apokalyptischen Folgen auf der Erde einschlagen wird. Natürlich wollen sie die Regierung warnen, doch Präsidentin Janie Orlean (Meryl Streep) und ihr Chief of Staff (Jonah Hill), der gleichzeitig auch ihr Sohn ist, wollen davon nicht wirklich Notiz nehmen. Also gehen Kate und Randall zum Fernsehen… in der Show von Jack Bremmer (Tyler Perry) und Brie Evantee (Cate Blanchett) präsentieren die Beiden ihre Erkenntnisse, werden aber auch hier nicht wahrgenommen…

Adam McKay schrieb das Drehbuch zu „Don’t Look Up“ noch lange vor der Corona-Pandemie. Ihm ging es da noch um den Klimawandel, der hier symbolisch zu einem die Erde zerstörenden Kometen wird und natürlich darum, wie unsere Gesellschaft einfach fröhlich ihr Social-Media-Leben lebt und alles wirklich Wichtige zu Memes verkommen lässt. Mit Meryl Streeps Präsidentin Janie Orlean ist da natürlich auch noch viel Trump-Kritik mit drin… das war’s.

Im Vorfeld hatte ich schon viel mitbekommen, dass einige den Film wirklich extrem abfeiern und andere den simplen Symbolismus kritisierten. Das ist tatsächlich auch etwas, was mich sehr gewundert hat. Ist das Simple in „Don’t Look Up“ McKays Art und Weise zu sagen: „Ja, es ist simpel, weil ihr es ja einfach nicht anders verstehen wollt?“ oder woran liegt es, dass der Mann, der so süffisant spitzfindig in „The Big Short“ agierte, jetzt auf einmal Comedy mit der Bratpfanne vor den Kopf machen will. Ich dachte ehrlich gesagt, wir wären über die „Orange Man Bad“-Witze endlich hinweg… und da kommt McKay mit diesem Film um die Ecke und macht die gleichen Witze noch einmal, nur dieses Mal hochkarätig besetzt. Das fand ich einfach extrem plump… irgendwie fühlte sich dieser ganze Film mehr danach an, als würde ich „Saturday Night Live“ in einem Supercut gucken. Mit dem Problem, dass die Gags bei SNL schnell wieder vorbei sind und ich dabei meistens auch wirklich lachen kann.

Bei einer Laufzeit von zweieinhalb Stunden habe ich nicht einmal lachen geschweige denn schmunzeln müssen. „Don’t Look Up“ hat aber in meinen Augen nicht nur das Humor-Problem, sondern auch ein riesiges Casting- und / oder Drehbuch-Problem. Die Figuren sind alle nicht sonderlich spannend geschrieben. Sie sollen (natürlich) Karikaturen sein, aber deren Entwicklungen und Probleme sind so belanglos geschrieben, dass mich wirklich niemand von denen jemals gejuckt hat. Leonardo DiCaprio spielt „The Revenant“ nach, in dem er gefühlt nur schnaufend durch die Gegend rennt. Jennifer Lawrence ist mir in ihrer Rolle der Kate viel zu kurz gekommen. Jonah Hill und Meryl Streep waren halt die billigsten Abklatsche einer Witzfigur. Cate Blanchett beeindruckt mehr durch ihre Make-Up, als durch sonst was.

Ich wollte „Don’t Look Up“ wirklich mögen, aber hätte es dann nicht wirklich ein bissige und clevere Satire sein können. Warum nicht eher in Richtung „Wag the Dog“ oder gar „Dr. Strangelove“ denken? Warum so offensichtlich und platt? Von einem Adam McKay hätte ich da echt sehr, sehr viel mehr erwartet…

Wertung: 3 von 10 Punkten (große Namen in einer großen Story, die kleiner und langweiliger nicht sein könnte)

9 Kommentare leave one →
  1. 1. April 2022 08:54

    Ich gehöre tatsächlich zur Fraktion, die den Film sehr mochte. Für mich haben sowohl die überspitzten und platten satirischen Elemente funktioniert als auch das Drama dazwischen. Der Film war durch diese Extreme zwar nicht rund, aber doch besonders. Ja, mochte ich, kann aber verstehen, wenn man damit nix anfangen kann.

    • donpozuelo permalink*
      1. April 2022 09:37

      Es war mir persönlich einfach zu platt und plakativ. Da hatte ich mir bei Adam McKay und im Zusammenhang mit diesem Hammer-Cast einfach so viel mehr erhofft.

  2. 1. April 2022 23:37

    Bin da auch eher bei dir – mir war das auch zu platt und plakativ. Aber trotzdem konnte man ihn auch noch ganz gut weggucken, weswegen ich glaube 6 Punkte vergeben hatte. Wie das Ding aber an die Oscar-Nominierungen gekommen ist, ist mir ein Rätsel.

    • donpozuelo permalink*
      3. April 2022 10:14

      Die ganzen Oscar-Nominierungen habe ich auch nicht wirklich verstanden… zum Glück ist nichts davon durchgegangen.

  3. 3. April 2022 19:53

    Ich bin auch kein großer Fan des Films. Mir ging das alles zu nah, weil es zu sehr den täglichen Nachrichten ähnelte und mir gleichzeitig nicht überzeichnet genug und dann zu überzeichnet war

    • donpozuelo permalink*
      3. April 2022 20:52

      Ja, guter Punkt. Wir hatten das ja quasi lange genug (und haben es immer noch) und dafür hätte ich es dann auch gerne überdrehter gehabt.

  4. 17. April 2022 18:40

    Handwerklich fand ich den auch sehr enttäuschend. Inhaltlich mal abgesehen von einigen Karikaturen … mh ging so. Er trifft halt schon dahin, wo es weh tut. Aber besonders überzeugt war ich davon auch nicht.

    • donpozuelo permalink*
      19. April 2022 16:22

      Ja, man hätte mit einem besseren Skript und sehr viel mehr Finesse was Interessanteres aus diesem Film machen können. War mir leider an zu vielen Stellen einfach echt zu platt… was schade ist, spricht der Film doch auch wirklich wichtige Sachen an.

Trackbacks

  1. Child Of Deaf Adults | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: