Zum Inhalt springen

Umbrella (still) sucks

3. Dezember 2021

Die „Resident Evil“-Spiele haben es wirklich nicht einfach. Sie werden gefeiert ohne Ende. Aber genauso sehr wie sie gefeiert werden, genauso sehr versucht Hollywood verzweifelt, daraus Profit zu schlagen. 2002 machte sich Regisseur Paul W.S. Anderson (der nicht ganz so coole Anderson-Regisseur) daran, machte seine Frau Milla Jovovich direkt zur Hauptdarstellerin, ließ dann Teil 2 und Teil 3 andere drehen, bevor er dann ab Teil 4 wieder am Start war und das Ganze 2016 beendete. SIEBEN Filme wurden gedreht, die irgendwie keiner so richtig zu mögen scheint, die aber trotzdem gemacht wurden und offensichtlich auch genug Geld einspielten… insgesamt haben die immerhin über eine Milliarde Dollar erwirtschaftet und haben alle nur knapp 288 Millionen Dollar gekostet. Es sollte also jedem Menschen da draußen irgendwie klar sein, dass bei dieser Rechnung mit dem „Final Chapter“ noch lange nicht das finale Kapitel erreicht ist. Allerdings wollte man es mit dem Reboot „RESIDENT EVIL: WELCOME TO RACCOON CITY“ den Fans recht machen und sich mehr an den Spielen orientieren… was, wie sich herausstellt, der größte Fehler ist, den dieser Film nur begehen konnte.

Claire Redfield (Kaya Scodelario) kehrt nach Jahren in das kleine Kaff Raccoon City zurück, in dem sie als Waise aufgewachsen ist. Sie will ihren Bruder Chris (Robbie Amell) vor etwas warnen, denn die einst hier ansässige Umbrella Corporation hat Schlimmes vor. Leider kommt Claire nur zu spät… die Experimente der Corporation lassen die Bewohner von Raccoon City zu Zombies werden. Während sich Claire mit Leon Kennedy (Avan Jogia) im Polizei-Präsidium verbarrikadiert, ist Chris und sein Team rund um Jill Valentine (Hannah John-Kamen) und Albert Wesker (Tom Hopper) unterwegs, um die Spencer-Villa zu durchforsten, um einige ihrer Kollegen zu finden.

Das neue Reboot hat sich die ersten beiden Teil der Spiele-Reihe vorgenommen: Villa und Polizei-Präsidium. An sich zwei sehr coole Locations. Was könnte für einen Horror-Film besser sein, als eine verwinkelte, dunkle Villa mitten im Nirgendwo? Was könnte spannender sein, als ein von merkwürdig Infizierten belagertes Polizei-Präsidium? Wer die Antwort darauf wissen will, sollte sich die Spiele besorgen. „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“ liefert dazu keine guten Antworten. Was halt echt daran liegt, dass Regisseur Johannes Roberts schwerst damit beschäftigt ist, alle fünf Sekunden einen Spiele-Verweis zu bringen.

Charaktere werden so gut wie nicht aufgebaut, vertieft oder interessant gestaltet. Stattdessen haben sie die Aufgabe, in einer coole Spiele-Pose vor der Kamera zu stehen und sobald sie das erste Mal auftauchen, ihren vollständigen Namen in die Kamera zu sagen. Damit man auch genau weiß, wer wer ist. Mehr kann man leider zu den Charakteren auch nicht sagen. Die sind alle toll besetzt. Kaya Scodelario mag ich seit „Fluch der Karibik 5“ oder „Crawl“. Hannah John-Kamen war eine tolle Ant-Man-Kontrahentin. Tom Hopper kennt sich ja mit Sachen, die Umbrella seit seiner Zeit in der Academy aus. Die geben sich alle Mühe, ihre albernen Posen und Sprüche zu liefern, aber viel Herz steckt da nicht drin. Richtig auf den Keks ging mir nur Avan Jogia als Leon Kennedy, der in diesem Film wirkt, als wenn er der erste Mensch wäre. Das ist alles einfach schade…

Ähnlich plakativ sind auch die Sets, aber die sind wenigstens noch cool gemacht. Die Villa ist beeindruckend, nur leider macht Regisseur Roberts kaum was aus ihr. Auch Raccoon City kommt nicht so richtig zur Geltung. Und dann brauchen wir auch nicht darüber sprechen, dass mal so überhaupt keine Horror-Stimmung aufkommt. Dieses Reboot hätte sich auf die Villa konzentrieren sollen und einen kleinen, dreckigen Horror-Film abliefern sollen. So bekommen wir schlechten Fan-Service, einen Soundtrack aus den 90er Jahren, der so richtig unstimmig eingesetzt wird (und nur noch vom gruselig klingenden „Lalalala“ einer Kinder-Sängerin unterbrochen wird, das leider nur nie wirklich gruselig wirkt) und Horror, der keiner ist. Die Effekte sind grausig, nur leider nicht im guten Sinne. Da ist mehr CGI als praktische Effekte und so wirken viele Momente sehr albern. Wenn die dann noch gepaart werden mit schlechten Oneliner, die selbst Arnie nicht in den Mund nehmen würde, wirkt „Welcome to Raccoon City“ wie ein Direct-to-DVD-Film.

Dieses Reboot will bei Fans nach der Anderson-Reihe einiges wieder gut machen und verscherzt es sich bei den Fans mit seinen Bemühungen nur noch mehr. Denn Fans kennen die Charaktere… und Nicht-Fans werden vom ständigen Gesabbel schnell gelangweilt sein.

Wertung: 3 von 10 Punkten (viele Aha-Momente machen keinen guten Film)

One Comment leave one →

Trackbacks

  1. 2021 | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: