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Random Sunday #68: The Warehouse

28. November 2021

Autor Rob Hart gibt am Ende von „THE WAREHOUSE“ an, dass ihn das Schicksal von Maria Fernandes ihn zu diesem Roman bewegt hat. Fernandes arbeitete 2014 bei Dunkin‘ Donuts für knapp 8 Dollar die Stunde – und das an drei verschiedenen Stores in New Jersey, um ihr Leben irgendwie zu finanzieren. Teilweise schlief sie einfach in ihrem Auto zwischen einzelnen Schichten… und das kostete sie am Ende ihr Leben. Sie erstickte an den Abgasen. Während Maria 3 Jobs zum Mindestlohn bewältigen musste, ging der CEO von Dunkin Donuts in dem Jahr ihres Todes mit über 10 Millionen Dollar Einkommen nach Hause. Und wir kennen diese Geschichten von so ziemlich alle größeren Ketten und vor allem auch von unser aller Lieblingsonline-Kaufhaus amazon. Mit „The Warehouse“ treibt Hart dieses Szenario gekonnt auf die Spitze.

Irgendwann in der Zukunft, so ziemlich alles in der USA wird durch Cloud gesteuert: ein riesiges Online-Unternehmen, das mit Lieferservice via Drohnen in den Markt einstieg und mittlerweile so ziemlich jeden Bereich der Wirtschaft kontrolliert. In einem Land, dass durch extremes Wetter, Arbeitslosigkeit und Krankheiten zerrüttet ist, bietet Cloud die einzige Möglichkeit auf ein normales Leben. Die Warenhäuser von Cloud sind riesige Städte mit allem Drum und Dran… hierhin verschlägt es auch Paxton, einst selbst von Cloud aus dem Markt verdrängt und Zinnia, die einen undurchsichtigen Plan verfolgt.

Auf dem Cover meiner Penguin-Ausgabe von „The Warehouse“ werden große Klassiker zitiert: Stephen King redet davon, dass Big Brother auf Big Business trifft. Andere lobpreisen einen Mix aus Fahrenheit 451 und Jurassic Park. Und ich halte solche Sprüche immer für etwas zu übertrieben, aber im Falle von „The Warehouse“ mache ich mal eine Ausnahme, denn sie treffen ganz gut zu.

Anhand drei Figuren führt uns Hart durch seine Geschichte: da ist der an Krebs erkrankte Gründer von Cloud Gibson Wells, da ist Paxton, der bei Cloud im Sicherheitsteam arbeiten wird und Zinnia die bei am Fließband Bestellungen raussuchen muss. Und man spürt in diesem Roman deutlich die Einflüsse durch die realen Geschichten, die man eben zum Beispiel aus den amazon Lagerhäusern hört, wo Leute keine Pausen haben, nicht aufs Klo gehen können und lieber arbeiten, bis sie umfallen, anstatt ihre Quote nicht zu erfüllen. Ähnlich läuft es auch bei Cloud: Alle Mitarbeiter werden durch Smart-Watches überwacht, jeder bekommt seinen zugewiesenen Bereich. Nichts und niemand läuft hier, ohne dass Cloud nicht Bescheid weiß.

Das Faszinierende an dem Buch ist, dass Hart eine Dystopie erschafft, die einfach so erschreckend greifbar ist… und durch die Augen von Paxton und Zinnia sehen wir auch alle Vor- und Nachteile. Ein ertragbares Leben in einer Gesellschaft im Untergang – aber für welchen Preis? Zinnia wird immer wieder einem Leiter belästigt, die Farbe deines Shirts bestimmt, was du darfst und was nicht. Und hinter all den Dingen, die direkt vor Ort passieren, hören wir in den Gibson Wells Passagen, was sein Gedanke dahinter war… und warum er es für eine gute Idee hält.

Rob Hart liefert mit „The Warehouse“ einen spannenden Thriller (wie gesagt, Zinnia verfolgt einen ganz besonderen Plan), aber eben auch eine packende und gruselige Utopie, die sich einem gewissen Realismus nicht entziehen kann. Vieles, was man hier liest, kennt man, hat man schon mal gehört – nur Hart treibt es gekonnt auf die Spitze. Sein Roman liefert dabei spannende Charakter-Entwicklungen und einige Twists und Turns, die vielleicht manchmal etwas plakativ wirken, aber einfach gut zu diesem Monstrum Cloud passen.

„The Warehouse“ war mal wieder eines dieser Bücher, das ich nicht weglegen konnte… und es würde mich nicht wundern, wenn Hollywood das Ding demnächst verfilmen wird. Passen würde es.

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