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Kleopatras Eier

26. November 2021

Netflix hat sich mal wieder ein ordentliches Ei ins Nest gelegt (um gleich mal bei der Eier-Verbildlichung zu bleiben). Erst protzten sie damit, dass sie eine ihrer teuersten Produktionen schon bald zeigen werden. Dieser Film würde dann auch noch drei der größten Stars überhaupt zu bieten haben. Und natürlich denkt man sich: „Wow, Netflix zeigt mal wieder, dass sie die dicksten Eier haben.“ Jetzt ist „RED NOTICE“ mit Dwayne Johnson, Gal Gadot und Deadpool endlich zu sehen und sprengt sofort alle Rekorde, die Netflix zu bieten hat. Doch taugt die Eiersuche mit Star-Power irgendwas? In einem Wort: Nein.

Vor zweitausend Jahren bekam Königin Kleopatra Faberge-Eier, bevor es überhaupt Faberge gab. Ihre kostenbaren, Juwelen und Gold besetzten Eier verschwanden aber irgendwann. Eines davon ist mittlerweile in einem Museum, wo es Meisterdieb Nolan Booth (Deadpool) stehlen möchte. Allerdings ist ihm FBI-Profiler John Hartley (Dwayne Johnson) dicht auf den Fersen. Noch dichter ist Booth allerdings nur Meisterdiebin „The Bishop“ (Gal Gadot), die Nolan nicht nur das erste Ei abnimmt, sondern den Raub auch noch ihm und Hartley in die Schuhe schiebt. Die Beiden landen erst im Knast und entschließen daraufhin, gemeinsame Sache zu machen, um The Bishop dingfest zu machen. Dafür müssen sie ihr beim Raum des zweiten Eis zuvorkommen und herausfinden, wo das lange verschollene dritte abgeblieben ist.

Regisseur Rawson Marshall Thurber hat für diesen Film auch das Drehbuch geschrieben… oder besser gesagt, schlecht zusammengeklaut. Meine Güte, ich kann bis heute noch nicht fassen, dass so ein Skript jemals von irgendwem durchgewunken wurde. „Red Notice“ leidet am meisten darunter, wie schlecht und uninspiriert dieses Drehbuch ist. Das Ganze ist ein wirres Sammelsurium an verschiedenen Etappen, die aus anderen Filmen geklaut wurden. Das ist ein bisschen Bond (vor allem wegen der sieben oder acht Schauplätze, an denen der Film spielt). Das ist ein bisschen „Ocean’s Eleven“ (wegen der vermeintlichen Heists, die hier aber so dämlich inszeniert werden, dass die Charaktere eigentlich nur Glück, aber kein Können haben). Das ist auch ein bisschen „Indiana Jones“ (wegen dem Finale, dass einfach nur dreist bei „Der Letzte Kreuzzug“ und sogar bei „Königreich des Kristallschädels“ klaut). Ansonsten ist da nichts…

… man kann bei „Red Notice“ ein fröhliches Rate-Spiel spielen und sagen, in welchem Film man sowas besser gesehen hat. Wer nicht mindestens 3 pro Szene finden kann, muss einen Kurzen trinken.

Wenn man jetzt noch weiß, dass „Red Notice“ angeblich bis zu 200 Millionen Dollar gekostet haben soll, fasst man sich nur fassungslos an den Kopf. Dieser Film ist so ziemlich alles, was an Blockbuster-Kino gerade falsch läuft. Es gibt keine wirklich guten Ideen mehr. Kreativität wird über Bord geworfen. Selbst aus dem Altbekannten wird nichts Gutes gemacht. Stattdessen hofft man, wenn man seinen Zuschauern was Schönes zeigt, wird das schon reichen. Und gewiss, die Locations sind toll anzusehen, Gal Gadot in einem eng anliegenden roten Kleid auch… und ja, auch Deadpools weißes Hemd wird mal kurz nass. Aber das war’s… mehr ist da nicht. „Red Notice“ ist schöne Oberfläche mit nichts dahinter.

Weil das Drehbuch halt auch einfach nichts liefert, darf man leider auch nicht wirklich viel von den Charakteren an sich erwarten. Die entwickeln sich kaum und hätten mir nicht egaler sein können. Deadpool versucht verzweifelt, Ryan Reynolds zu spielen und scheitert daran. In „Free Guy“ ging das noch irgendwie, aber spätestens hier nervte mich das einfach nur noch. Dwayne Johnson hat irgendwie noch ein bisschen Charme, es wäre nur schön gewesen, wenn sein Charakter ein bisschen Tiefe gehabt hätte (nicht viel, nur ein bisschen). Und über Gal Gadot muss man (leider) nicht viel sagen… denn sie ist nicht sooo sonderlich wichtig für den Film und taucht nur hier und da mal auf. Aber auch dann gilt: Daraus hätte ein guter Drehbuchautor mehr machen können, wenn „Red Notice“ denn einen guten Schreiberling gehabt hätte.

So plätschert der Film durch schöne Szenarien, liefert Null Spannung, weil irgendwie schaffen die ja eh alles (Glück muss man halt haben) und hat auch im Action-Bereich nichts zu liefern, was einen vom Hocker reißen könnte. Netflix verpulvert 200 Millionen Dollar an ein Drehbuch, das seiner Idee nicht gerecht wird (die cool hätte sein können), das seinen Stars nicht gerecht wird (weil es ihnen nichts gibt) und ohne seine Star-Power schneller in der Versenkung verschwinden würde als Kleopatras Eier.

Wertung: 4 von 10 Punkten (schöner Schein, mehr leider nicht)

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  1. 2021 | Going To The Movies

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