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Am Arsch (der Welt)

17. November 2021

Es überrascht mich dann doch ein bisschen, wie lange selbst in einer mittlerweile so vernetzten Welt wie der unseren manch Hype braucht, um zu mir durchzudringen. Erst vor kurzem stellte Amazon Prime die Serie „SCHITT’S CREEK“ zur Verfügung. Ich hatte hier und da immer mal wieder davon gehört, dass gerade in den USA die Serie gefeiert und mit Preisen nur so zugeschüttet wurde. Doch hierzulande kam irgendwie nie wirklich was (zumindest was mir zugänglich war), jetzt konnte ich das Ganze endlich mal nachholen – zumindest die ersten fünf Staffeln (und ich kann es immer noch nicht fassen, dass es die Serie schon seit 2015 gibt).

Früher einmal hatten die Roses alles, was man sich nur vorstellen kann: Vater Johnny (Eugene Levy) eine erfolgreiche Videoladen-Kette, Mama Moira (Catherine O’Hara) eine Schauspielkarriere und die Kids David (Dan Levy) und Alexis (Annie Murphy) eine verzogene Kindheit im Reichtum. Doch dann verliert die Familie ihr ganzes Geld und alles was ihnen übrig bleibt, ist eine kleine Stadt namens Schitt’s Creek, die Johnny irgendwann mal zum Spaß gekauft hat. Also zieht die Familie hier in ein kleines Motel, in dem Hotelmanagerin Stevie (Emily Hampshire) sie gelangweilt begrüßt und wo sie direkt auf Bürgermeister Roland Schitt (Chris Elliott) treffen, der den Besitzern helfen möchte, sich in seiner Stadt wohlzufühlen. Doch wo Luxus auf Kleinstadt trifft, sind Probleme vorprogrammiert.

Ich gestehe, zuerst dachte ich, „Schitt’s Creek“ würde so eine Art Rip-Off von „Arrested Development“ werden – gerade weil sich die Prämisse „Reiche Familie verliert alles“ ja mehr als nur ähnelt. Aber „Schitt’s Creek“ geht es dann am Ende ja doch mehr um einen Kampf der Kulturen. Hier treffen zwei Welten aufeinander, die nicht aufeinander treffen sollten. Dass das gut funktioniert, liegt vor allem am Cast und den wirklich gut geschriebenen Charakteren, die übrigens alle aus der Feder von Vater und Sohn Levy stammen, die hier ebenfalls Vater und Sohn spielen. Dennoch muss ich sagen, hatte „Schitt’s Creek“ in meinen Augen so ein paar Anlaufschwierigkeiten. Gerade in der ersten Staffel war mir das teilweise ein bisschen zu sehr ins Extreme gerückt. Man merkt aber, wie sehr sich das dann im Lauf der Serie wandelt.

Zu Beginn sind die Hillbillies halt wirklich absolute Hillbillies. Gerade Chris Elliott als Roland wirkt wie eine ziemlich überzeichnete Karikatur. Obwohl… jetzt wo ich das so schreibe: Liegt dieser Wandel innerhalb der Serie vielleicht auch einfach daran, dass sich unsere Rose-Familie an dieses Leben in Schitt’s Creek gewöhnt hat und dadurch das Überzeichnete verschwindet, weil sie sich mehr daran anpassen? Wer weiß… nichtsdestotrotz fand ich es gerade in der ersten Staffel ein bisschen anstrengend. Was sich aber auch mit den folgenden Staffeln änderte. Mehr und mehr wurde dieses „Schitt’s Creek“ genau das, was eine Comedy-Show sein sollte: Ein wunderbarer Ort zum Flüchten, in dem Konflikte innerhalb von 20 Minuten gelöst sind und wir am Ende alle drüber lachen können.

Im Verlauf der Serie werden die Charaktere einfach so gut ausgebaut, dass sie einem wirklich alle sehr ans Herz wachsen. Meine beiden absoluten Favoriten bleiben dennoch Catherine O’Hara als Moira und Dan Levy als David. O’Hara ist so wunderbar verspielt in dieser Rolle, gerade weil sie selbst nach fünf Staffeln immer noch ein bisschen an diesem Glauben festhängt, sie wäre etwas Besseres. Sie spielt dieses leicht Arrogante einfach so unfassbar gut, dass es echt eine Freude ist, ihr zuzusehen. Mit David macht die Serie selbst am meisten und gibt ihm teilweise auch einfach die besseren Stories (liegt vielleicht auch ein bisschen daran, dass Dan Levy alles selbst schreibt). Am Anfang ist seine ganze Art einfach nur herrlich komisch, zum Ende wird er durch diese Gemeinde richtig geerdet… und die Beziehung zu Patrick (Noah Reid), der erst sein Geschäftspartner und dann sein Lebenspartner wird ist echt schön geschrieben und auch gespielt… und ganz ehrlich, die ist auch besser geschrieben als alles zwischen Alexis und dem Tierarzt Ted (Dustin Milligan). Die Beiden mag ich zwar auch sehr, doch ist mir das – gerade für eine Serie wie „Schitt’s Creek“ dann ein bisschen zu simpel gehalten.

Ich hatte meine Freude mit „Schitt’s Creek“. Es ist jetzt nicht unbedingt die „laugh out loud“-Comedy, aber sie ist sehr herzlich und sehr menschlich und lebt von den schönen und oft auch sehr chaotischen Momenten, die in dieser kleinen Stadt so passieren. Ich bin mal auf die letzte sechste Staffel gespannt… würde ich das Ganze jetzt im Nachhinein auch so hypen? Ehrlich gesagt, nicht wirklich – den Hype verstehe ich nach wie vor nicht so ganz, aber es ist einfach eine gute Serie, die man sich wunderbar auch mehrmals anschauen kann.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Staffel 1 strauchelt noch etwas, danach wird es besser und stimmiger mit jeder neuen Staffel)

7 Kommentare leave one →
  1. 17. November 2021 09:01

    Der Hype kam glaube ich hauptsächlich durch das überraschend gute Abschneiden bei den Emmys zu Stande.

    Auch wenn die letzte Staffel die beste war (und die erste die schwächste), so ganz kann ich das nicht nachvollziehen. Wie du es auch schreibst, ganz nett ist die Serie schon und bietet einige sympathische Figuren, aber mehr war es dann auch nicht. Würde im Gesamten auch die 7/10 zücken.

  2. 17. November 2021 21:45

    Noch nie von gehört :))

    • donpozuelo permalink*
      18. November 2021 17:27

      🤣🤣🤣

      Auch nicht schlimm. Die wurde gefühlt auch mehr in den USA gefeiert… und bei uns hat man kaum mitbekommen, dass die gerade auf Prime läuft

      • 19. November 2021 08:55

        Wobei Prime natürlich auch etwas Spaß dran ist. Premiere feierte die Serie hierzulande beim ehemaligen TV NOW und SKY hat sie auch seit ein paar Monaten im Programm, allerdings komplett mit allen sechs Staffeln.

        • donpozuelo permalink*
          21. November 2021 18:32

          Oh okay… krass. Wusste ich gar nicht. Toll, dass man bei Prime dann jetzt immer noch irgendwie darauf wartet, die letzte Staffel sehen zu können.

  3. 4. Dezember 2021 20:45

    Ging mir ähnlich mir der ersten Staffel. Ich fand es etwas zu einfach wie sich in der ersten Staffel die Familie soviel über ihre Umgebung und den Style der Leute aus Schitts Creek amüsiert und echauffiert. War nicht ganz mein Humor auch wenn es eine Satire auf das „Reality TV der reichen Leute“ ist. Inzwischen bin ich aber bei Staffel 4 und muss sagen: ab dem Staffelfinale von Staffel 2 hatte es mich. Wenn alle anfangen sich zu entwickeln. Jetzt gerade habe ich sehr viel Spaß. Und obwohl ich nicht vorrangig Beziehungszwickmühlen schaue, habe ich so meinen Spaß an Ted/Alexis und Patrick/David. 🙂
    Neben der Satire sind halt die Beziehungen auch wirklich gut auf die Mattscheibe transportiert. Egal ob Jocelyn und Rolan oder Johnny und Moira … die passen alle schon echt wie Arsch auf Eimer. Stevie und David sind für mein Empfinden eine der besten Freundschaften im TV

    Ab Staffel 3 habe ich allerdings schon einige Male laut lachen müssen. 😉

    • donpozuelo permalink*
      5. Dezember 2021 11:54

      Ja, die Charaktere und ihre Beziehungen machen irgendwann schon echt Spaß. Obwohl ich Patrick und David immer interessanter fand als Ted und Alexis, die mir beide immer zu sehr dieses „will they, won’t they“ Sitcom-Klischee waren. Zwar auch süß, aber mit Patrick und David und auch Stevie dazu hat die Serie da mal etwas Spannenderes im Beziehungsdrama zu bieten.

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