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Stirb Langsam mit Football

8. November 2021

Tony Scott ist als Action-Regisseur schon wirklich ein Name, den man einfach auf dem Schirm haben muss. Was sein Bruder Ridley für den Science-Fiction-Bereich gewesen ist, war Tony Scott für den Action-Bereich. Ich meine, man sucht sich irgendeinen großartigen Action-Film aus den 80er oder 90er Jahren an und kann sich sicher sein, dass Tony Scott damit was zu tun hatte. Er schickte Tom Cruise durch die Lüfte in „Top Gun“ oder auf die Rennstrecke in „Days of Thunder“, er bescherte uns einen der besten Tarantino-Filme, der kein Tarantino-Film ist – „True Romance“ ist immer noch einfach nur einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Er bescherte Eddie Murphy den zweiten Teil zu „Beverly Hills Cop“ und er zeigte uns die dunkle Seite von Robert De Niro in „The Fan“. Selbst in den 2000er Jahren hörte Scott nicht auf, gute Action-Filme abzuliefern. „Spy Game“ oder „Domino“ oder ganz besonders „Man on Fire“ mit Denzel Washington waren auch einfach nur tolle Filme. Ein Film, den ich schon lange nicht mehr von Scott geguckt habe, den ich aber früher echt mit einer erschreckenden Regelmäßigkeit geguckt habe, ist „THE LAST BOY SCOUT“ – eine unterschätzte Filmperle, die mehr von Stirb Langsam hat als viele der John-McClane-Fortsetzungen.

Der einstige Secret Service Agent und jetziger Privatschnüffler Joe (Bruce Willis) übernimmt von einem Kollegen einen Job, um eine Stripperin (Halle Berry) zu beschützen. Blöd ist nur, dass erst sein einstiger Kollege (der nebenbei auch noch mit Joes Frau geschlafen hat) in die Luft gejagt wird und wenig später auf die Stripperin erschossen wird. Ganz offensichtlich ist Joe hier in etwas sehr großes geraten. Gemeinsam mit dem einstigen Football-Star (und Freund besagter Stripperin) Jimmy (Damon Wayans) muss Joe nun herausfinden, was hinter der Sache steckte, was die Stripperin für bestimmte Leute so gefährlich gemacht hat und was das Ganze für ihn bedeuten könnte.

Man merkt „The Last Boy Scout“ sehr schnell drei Dinge an: 1) Es ist noch ein guter alter Action Film, 2) es ist ein Film, bei dem Bruce Willis noch wirklich Bock darauf hatte, gut zu sein und 3) es ist ein Shane Black Film. Und all diese drei Punkte fließen so gut ineinander über, dass man mit diesem Film einfach nur seinen Spaß hat.

Fangen wir mal bei der Action an. Die ist einfach nur herrlich over-the-top und gerade, wenn man sich das Ganze mit heutigen Augen anschaut, die den Ultra-Über-Realismus eines John Wicks kennen, ist „The Last Boy Scout“ einfach nur ein wunderschöner nostalgischer Trip. Als Autos noch bei jeder Kleinigkeit in die Luft flogen, als unsere Helden einfach wild durch die Gegend ballerten und sich kein bisschen darum scherten, ob sie nun in Deckung gehen sollten oder nicht. Tony Scott inszeniert die Action aber auch so herrlich bombastisch, dass man dabei nicht nicht Spaß haben kann.

Dann haben wir Shane Black, der das Drehbuch zu „The Last Boy Scout“ und hier merkt man einfach, dass Black hier auf der Höhe seiner Zeit war. Was dann auch direkt damit einher geht, dass Bruce Willis so gut wie lange nicht mehr gewesen ist. Und Damon Wayans natürlich auch. Shane Black liefert hier eine an sich normale Story ab: zwei Typen, die sich nicht riechen können, müssen zusammenarbeiten, um einen Komplott aufzudecken. Mit einem schlechten Autor, einem schlechten Regisseur und öden Darstellern könnte so eine Story auch echt ziemlich in die Hose gehen. Aber Black liefert ein geiles Skript, bei dem sich Willis und Wayans einfach nur einen Spruch nach dem nächsten geben. Das fühlt sich auch nie nach zu viel an, sondern kommt gut getimt und perfekt an. Willis als grummeliger Joe und Wayans als übereifriger Jimmy sind großartig und „The Last Boy Scout“ gibt diesen beiden Charakteren auch immer genug Zeit, um sich zwischen all der Action und den dummen (aber guten) Sprüchen auch als Menschen zu entwickeln, ihre Emotionen zu offenbaren. Bruce Willis‘ Joe bekommt eine riesige Backstory (wie er dem Präsidenten das Leben rettete und später einem Abgeordneten die Zähne ausschlug), ohne das die mit vielen Worten erklärt werden muss. Joes Familien-Geschichte wird auch gut ausgeleuchtet und auch Jimmys Story wird uns gut genug erklärt, damit wir ihn nachvollziehen können.

Und all das passiert einer Stunde und vierzig Minuten. Man kann also echt auch gute Action-Filme mit starken Charakteren, viel Witz und cooler Action erzählen, ohne dabei ausufernd zu werden. „The Last Boy Scout“ ist für mich einfach so ein Beispiel, wo alles wirklich gut funktioniert. Oberflächlich betrachtet ist es einfach ein weiterer Action-Film, aber darunter steckt eine Welt voll gut ausgearbeiteter Charaktere und eine Fundgrube von großartigen Oneliner, die gerade ein Bruce Willis mit der richtigen Fuck-You-Attitüde raushaut. Klasse Film, den man einfach gesehen haben muss.

Wertung: 9 von 10 Punkten (simple Story, die dank guter Regie, gutem Drehbuch und guten Darstellern ein absoluter Hit ist)

5 Kommentare leave one →
  1. 8. November 2021 15:17

    Hier stimme ich dir vollkommen zu. Super Film. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass Tony der bessere Regisseur von den beiden Brüdern war.

    • donpozuelo permalink*
      9. November 2021 16:54

      Ja, dass mit Tony als besserem Regisseur könnte ich wahrscheinlich auch unterschreiben 😅

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