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Marvels Weltraumgötter

5. November 2021

Kevin Feige hat uns nach dem Ende der Thanos-Saga versprochen, dass Phase 4 von Marvel anders werden wird. Bei den Serien hat diese Aussage zum größten Teil sogar noch gestimmt, aber wenn ich mir die bisherigen Filme anschaue, war das eher Einheitsbrei. „Black Widow“ war ein simpler Film, der viel zu spät kam. „Shang-Chi“ versuchte einige Neuigkeiten reinzubringen, scheiterte dann aber doch sehr an der Marvel-Formel. Jetzt kommt „Nomadland“-Regisseurin Chloe Zhao und liefert mit ihren „ETERNALS“ endlich mal das was, was Feige für Phase 4 versprochen hat: Einen Film, der anders ist! Und damit dürfte der Film auch einer sein, der die Fan-Gemeinde wie kein anderer spalten wird (was man ja auch schon an den sehr unterschiedlichen Kritiker-Stimmen merkt).

Dank der heldenhaften Avengers, die Thanos besiegten und damit alles Leben wieder zurück auf die Erde brachten, ist die jetzt auf einmal in Gefahr. Die einzige Rettung, die der Menschheit jetzt noch bleibt, ist eine Gruppe von Superhelden, die schon Tausenden von Jahren auf der Erde leben und die Geschicke und die Entwicklung der Menschheit steuerten: Die Rede ist von den Eternals. Doch mit der Zeit haben die sich auseinander gelebt… es ist als an der die Menschen liebende Eternal Sersi (Gemma Chan) ihre „Familie“ wieder zu vereinen, um den Untergang der Menschheit zu verhindern.

Mit knapp 3 Stunden ist „Eternals“ erstmal eine ordentliche Handvoll. Erschwerend für die Erzählstruktur ist da, dass Chloe Zhao erst einmal mehr oder weniger zwei Stunden damit verbringt, ZEHN Charaktere zusammenzuführen. Nach einer Stunde sind etwa 5 zusammen, dann dauert es noch einmal ne Stunde, bis die restlichen dazukommen. Das ist manchmal echt anstrengend und leider hier und da Verschwendung von Talent, denn natürlich kommen bei zehn Charakteren viele zu kurz. Der Hauptfokus der Story liegt auf Sersi und Ikaris, gespielt von Richard Madden, die auch ein ihrer Vergangenheit ein Paar gewesen sind. Leider ist das eine Beziehung, die ziemlich schnell aufgebaut wird und die man als Zuschauer dann irgendwie einfach hinnehmen muss… gerade, weil das Ganze natürlich wichtig für die Handlung an sich ist. „Eternals“ hätte sich definitiv mehr auf diese Zwei konzentrieren müssen, hat aber die Aufgabe, noch acht andere Figuren vorzustellen.

Kumail Nanjiani kommt da als Kingo noch am besten rüber und liefert ein paar gute Gags ab, andere Gags werden hier dann aber auch wieder so extrem in die Länge gezogen, dass sie schnell anfangen zu nerven. Nach Kingo sind alle anderen Eternals ein bisschen Abfertigungsware. So negativ das jetzt auch klingt, schafft Chloe Zhao dennoch das Kunststück, diese anderen Charaktere nicht zu sehr verkommen zu lassen. Als Team haben die eine wunderbare Familien-Dynamik und einfach eine gute Chemie. Wir lernen im Verlauf des Film immerhin, was jeden von ihnen antreibt und was sie können. Schlussendlich hätte man sich aber dennoch auf weniger Charaktere einigen können, um die Story zügiger voranzutreiben.

Bei der ist dann auch immer noch das Problem, dass nach etwa einer Stunde der ganze Film für eine wichtige Mitteilung unterbrochen wird. Ein Eternal wird wortwörtlich aus der Handlung gezogen, damit man diesem Eternal und natürlich uns als Zuschauern erklären kann, was es überhaupt mit Eternals, Deviants und Celestials auf sich hat. Auf der einen Seite ist das gerade bei diesem Film enorm wichtig. Auf der anderen Seite ist das platter als platt in die Handlung eingeführt. Da hätte ich mir wirklich eine clevere Art und Weise der Exposition gewünscht anstatt dieser Unterbrechung.

Bevor sich das jetzt aber nach zu viel Gemecker anhört: Ich mochte den Film. Er ist zu lang, ja! Er ist zu überfrachtet mit Charakteren, ja! Aber ich mochte diese Charaktere auf ihre Weise, weil sie wirklich mal was anderes waren.

Besonders aufregend ist dieser Film einfach vom Visuellen her. Die Kostüme und Designs sind wirklich atemberaubend schön geworden. Ähnlich wie schon bei „Nomadland“ liefert uns Zhao fantastische Schauwerte… und gerade wie sie hier die Fähigkeiten der unterschiedlichen Eternals zeigt, ist toll. Die Verwendung kosmischer Energie durch diese goldenen Stränge, die aus dem Nichts erscheinen, war echt toll. Überhaupt ist das CGI weniger schlimm als ich es erwartet hatte. Gerade auch die Action zwischen den Eternals und den ja nun komplett am Computer entstandenen Deviants kann sich echt sehen lassen. Vor allem wenn man bedenkt, dass Chloe Zhao noch nie eine Action-Szene gedreht hat.

„Eternals“ ist kein perfekter Film, aber er fühlt sich mal wirklich anders an, er hört sich auch anders an, weil die Musik von Ramin Djawadi (sein Intro zu „Game of Thrones“ ist seit Staffel 1 mein Klingelton) diese Bilder episch untermalt und er sieht einfach anders aus. Man merkt hier schon mehr den Stil einer Chloe Zhao. Ich hatte meinen Spaß mit diesem Film, auch wenn er an vielen Stellen einfach zu lang war…

Wertung: 8 von 10 Punkten (Marvel erster Phase 4 Film, der ein bisschen länger in Erinnerung bleiben wird – ob nun positiv oder negativ muss jeder für sich entscheiden)

12 Kommentare leave one →
  1. 5. November 2021 09:59

    Ich bin ja verwundert, dass so oft gesagt wird, dass der so unmarvelig sei. Von den diesjährigen Filmen ist das bis auf das Colourgrading der marveligste MCU Film und ansonsten ist das ein Film, der richtig gut hätte sein können und dann doch bei dem Marvelallerlei bleibt und sich seiner Tragweite selbst beraubt

    • donpozuelo permalink*
      7. November 2021 19:13

      Sehe ich tatsächlich gar nicht so. Ich habe ihn jetzt noch ein zweites Mal gesehen und mag ihn nach wie vor. Klar sage ich nicht, dass er nicht Marvel-ig wäre, aber er ist doch schon anders als viele andere. Vielleicht nicht von der Handlung an sich, aber alles drum herum hat sich doch irgendwie erfrischend unmarvelig angefühlt. Allein die Tatsache, dass die hier wirklich mal an vielen echten Schauplätzen gedreht haben, reicht da für mich schon aus 😀

      • 8. November 2021 15:14

        Bei genauem Blick unterscheiden sich auch die meisten der Filme voneinander. Hier durfte die Regiehandschrift besonders deutlich geltend gemacht werden. Hat für mich jedoch überhaupt nicht funktioniert

        • donpozuelo permalink*
          9. November 2021 16:52

          Ja, das merkt man hier deutlicher. Mal gucken, ob Marvel das endlich mal beibehält.

  2. 6. November 2021 16:36

    Ich weiß nicht, ich bin misstrauisch. Die Trailer sehen so nach DC-Mumpe aus, die Kostüme finde ich meh und die Darsteller so ganz super langweilig. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass der was taugt und nun dieses Review. Ich hasse das, jetzt muss ich mir das Ding reinziehen um sicher zu gehen :))

    • donpozuelo permalink*
      7. November 2021 19:14

      😀 Naja, aber wenn dir die Trailer, die Kostüme UND die Darsteller schon nicht zusagen, möchte ich fast meinen, wird es der fertige Film auch nicht schaffen. Aber ich mochte den… hab ihn jetzt ein zweites Mal gesehen und bin immer noch sehr angetan

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