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Michael Myers und der wütende Mob

25. Oktober 2021

Ich merke in letzter Zeit an mir, dass ich gefühlt nur noch am Nörgeln bin. Alle letzten großen Blockbuster, die ich so gesehen habe, haben mich eigentlich entweder enttäuscht oder einfach nur kalt gelassen. Mr. Bond hat mich nicht wirklich bewegt, „Saw 9“ war ein ziemlich lahmes Reboot, Eddie Brocks zweites Kinoabenteuer hätte einfach so viel mehr sein können und über „Fast 9“ wollen wir lieber direkt den Mantel des Schweigens legen. Blockbuster-Kino ist irgendwie auch nicht mehr das, was es mal war. Und jetzt kommt die nächste Enttäuschung daher… jetzt in der Form des alten Killers Michael Myers. Dem wurde ja 2018 mit „Halloween“ eine Art Reboot geschenkt, das alle vorangegangenen Filme bis auf das Original von John Carpenter ignorierte und uns eine gestresste und von Angst geplagte Laurie Strode a.k.a. Jamie Lee Curtis zeigte. Jetzt in „HALLOWEEN KILLS“ wird diese Geschichte nahtlos weitererzählt.

Nachdem Laurie, ihre Tochter Karen (Judy Greer) und ihre Enkelin Allyson (Andi Matichak) Michael im letzten Film in einer Feuerhölle gefangen hatten, werden sie in ein Krankenhaus gefahren… erleben aber noch, wie die Feuerwehr anrückt, um das Feuer zu löschen. Dadurch entkommt Michael Myers natürlich, immerhin ist er das ultimative Böse… und macht weiterhin jagt auf Laurie und Co. Doch die sind dieses Mal nicht allein: Tommy Doyle (Anthony Michael Hall), der Junge auf den Laurie im ersten Teil aufgepasst hat, hat sein Trauma von damals immer noch nicht verkraftet und will jetzt Michael ein Ende setzen. Dafür mobilisiert er einen wütenden Mob und Chaos bricht aus.

Die erste Frage, die sich mir sofort stellte bei diesem Film: Warum hat man ausgerechnet Tommy Doyle wieder zurückgebracht? Und wenn man ihn schon zurückbringt, kann man ihn dann bitte etwas besser ausbauen? Sein vermeintliches Trauma (er hat ja Michael Myers nie zu Gesicht bekommen) kommt in diesem Film nicht wirklich zum Tragen. Gleichzeitig wirkte er jetzt für mich auch nicht wie der charismatische Anführer, der es ohne weitere Probleme schafft, eine ganze Stadt unter seine Kontrolle zu bringen. Selbst Kyle Richards, die Lindsay im ersten Teil gespielt hat und sogar Nancy Stephens, die als Krankenschwester Marion Chambers an der Seite von Dr. Loomis gearbeitet hat, kehrt zurück. Aber abgesehen davon, dass die hier als Fan-Service auftauchen, wird aus ihnen nicht mehr gemacht.

Auch wirkt diese ganze Mob-Story ziemlich absurd. Zum einen entwickelt das Ganze manchmal eine sehr ungewollte Komik, zum anderen hat man das Gefühl, dass die Macher David Gordon Green und Danny McBride hier einen gesellschaftskritischen Kommentar abliefern wollten, der aber wegen der ungewollten Komik nicht so wirklich gut rüberkommt und sowieso zu sehr in dem unkoordinierten Chaos versinkt.

Laurie Strodes Geschichte geht dabei übrigens komplett unter. Das Ganze erinnert ein wenig an den alten zweiten Teil zu „Halloween“, nur mit dem Unterschied, dass Laurie in diesem Film eigentlich nur im Bett liegt. Der Fokus geht halt auf den unausgereiften Tommy, dann darf Allyson noch durch die Gegend rennen, ihre Mutter Karen bleibt hauptsächlich bei Mama Laurie und das war’s. „Halloween Kills“ fühlt sich wie ein ziemlich langer Prolog für „Halloween Ends“, den dritten Teil dieser Reihe, an, aber nicht wirklich wie ein eigenständiger Film. Dafür baut der Film eben auch nicht das Drama der Laurie Strode weiter aus, die ja eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte, sondern gibt uns Figuren, die einem eigentlich nicht egal sein sollten, es aber sind.

Das Einzige, was „Halloween Kills“ in Erinnerung bleiben lässt, ist das ausufernde Maß an Brutalität. Michael Myers war noch nie so unbarmherzig und blutig wie in diesem Film. Meine Fresse… hier geht der Film wirklich ordentlich zur Sache. Dabei muss man eindeutig das Special Effects Team loben, was die hier mit wirklich sehr praktischen Effekten auf die Beine stellen oder durch die Augen bohren oder durch den Hals oder wie auch immer ist wirklich sehr beeindruckend. Blutig, eklig und brutal, aber in gewisser Weise auch sehr beeindruckend. Problem dabei ist nur, dass der Horror-Aspekt komplett verloren geht. War Michael Myers bei John Carpenter noch eine unheimliche Bedrohung, die für Gänsehaut sorgte, ist Michael Myers jetzt zu einer Kopie von Jason Voorhees geworden. Was echt schade ist…

„Halloween Kills“ schwankt von der Tonalität zwischen Komödie, Parodie, Drama (zumindest wäre der Film das gerne) und brutalem Slasher-Thriller und findet nie so richtig seinen Weg. So wirkt das alles sehr unausgegoren und auch ein bisschen so, als ob die ursprüngliche Idee für diese neue Sequel-Reihe nicht genug Stoff für drei Teile gehabt hätte, aber man unbedingt eine Trilogie haben wollte. Na mal schauen, ob „Halloween Ends“ dem Ganzen noch irgendwie ein gutes Finale geben kann.

Wertung: 4 von 10 Punkten (herrliche fiese Kills, aber keinerlei Atmosphäre)

2 Kommentare leave one →
  1. 25. Oktober 2021 13:42

    Da schaue ich mir lieber nochmal den Originalfilm die Tage an oder gehe ab Donnerstag zur Wiederaufführung von Romeros Dawn of the Dead.
    Bond fand ich ganz gut, Kritik geht Morgen Online, aber sonst stimme ich dir beim Blockbusterkino vollkommen zu, will da zu Monaten ein „Essay“ verfassen, warum das so schlimm ist.

    • donpozuelo permalink*
      26. Oktober 2021 08:25

      Ja, da sollte man wirklich lieber beim Original bleiben. Das hat größeren Unterhaltungswert… und ja, über so einen Essay über die neuen Blockbuster habe ich auch schon mal nachgedacht. Ist irgendwie in letzter Zeit wirklich einfach alles nicht mehr so berauschend

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