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Symbionten-Beziehungsdrama

22. Oktober 2021

Der erste „Venom“-Film war für mich damals 2018 eine ziemlich herbe Enttäuschung. Tom Hardy war zwar super gecastet und auch „Zombieland“-Regisseur Ruben Fleischer versprach im Vorfeld gute Unterhaltung, aber so richtig wollte diese neue Marvel-Verfilmung nicht zünden. Zumindest bei mir nicht… der Film wurde weltweit ein Hit und begeisterte sehr viele Fans. Ich war nur leider keiner davon. Doch gab es selbst für Nörgler wie mich schon damals einen Grund, sich auf den zweiten Teil zu freuen. In der Post-Credit-Scene tauchte auf einmal Woody Harrelson als Cletus Kasady auf, der in den Comics zu einem von Venoms Erzfeinden Carnage wird. Deswegen war ich dann doch angetan, mir „VENOM: LET THERE BE CARNAGE“ anzutun. Was sich dann am Ende aber leider auch als Fehler herausstellte.

Eddie Brock (Tom Hardy) hat drei Probleme: Problem Nr. 1 ist, dass er sich sein Leben immer noch mit diesem Symbionten Venom teilen muss. Der macht ihm das aber nicht gerade einfach – und so streiten sich die Beiden häufiger und häufiger. Problem Nr. 2 ist, dass er die Trennung von Anne (Michelle Williams) immer noch nicht verarbeitet hat und selbst Venom nur zu gerne Eddie und Anne wiederzusammenbringen möchte… wenn da nicht immer noch Dr. Dan (Reid Scott) wäre. Problem Nr. 3 ist, dass der zum Tode verurteilte Serienkiller Cletus Kasady (Woody Harrelson) einen Narren an Eddie gefressen hat und irgendwann irgendwie einen Teil von Venom bekommt, so zu einem neuen Symbionten namens Carnage wird und Eddies ersten beiden Probleme ziemlich klein aussehen lässt.

Nicht nur Eddie Brock hat Probleme, sondern leider „Venom 2“ auch. Das größte davon ist die Tatsache, dass der Film nicht wirklich weiß, was er eigentlich sein möchte. Auf der einen Seite wird das Ganze hier wirklich ein Beziehungsdrama mit komödiantischen Aspekten. Das geht teilweise sogar soweit, dass man das alles auch als eine Art Coming-Out-Story bezeichnen könnte. Regisseur Andy Serkis verweilt in seinem doch sehr kurzen Film (für heutige Verhältnisse ist der Film mit einer Laufzeit von unter zwei Stunden wirklich sehr kurz) zu lange auf dieser dann am Ende nicht gut ausgearbeiteten Story. Tom Hardy hat zwar die Zeit seines Lebens mit sich selbst Zwiegespräche zu führen… nur leider zünden viele Gags nicht und wiederholen sich am Ende einfach nur noch.

Dazwischen wird dann immer noch mal die Anne-Story eingebaut, aber Michelle Williams ist in diesem Film leider ziemlich verschwendet. Wie schon im ersten Teil eigentlich auch… nur weiß Teil 2 noch weniger mit ihr anzufangen. Wenn man mit „Venom 2“ wirklich mutig gewesen wäre, hätte man das ganze Ding als pure und verrückte RomCom aufgezogen, in der ein Beziehungsdreieck zwischen Eddie, Venom und Anne entsteht. Das hätte ich wirklich abgefeiert… aber dafür wird diese Handlung in „Venom 2“ dann zu lasch behandelt und leider auch zu unkreativ.

Auf der anderen Seite haben wir dann ja auch noch die Cletus Kasady-Story, die auch mit einer leider unnötigen Liebesgeschichte verbunden wird. Und in der wird auch wieder eine tolle Schauspielerin gegen die Wand gefahren. Nachdem man Naomi Harris schon in „No Time To Die“ nicht so wirklich zu Wort hat kommen lassen, macht man das Gleiche mit ihr in „Venom 2“, wo sie Shriek spielt, die große Liebe von Cletus. Warum das so ist, wird in einer lieblosen, animierten Origin-Story mal kurz in fünf Minuten abgefrühstückt und ein kleiner Prolog vorweg soll uns dann dazu reichen, dass hier als die große Liebe nachzuvollziehen.

Mal abgesehen davon, dass das nicht wirklich zieht, zieht auch die ganze Carnage-Nummer nicht. Und nicht nur, weil dem Film das R-Rating fehlt, sondern weil der Film sich auch hier wieder zu nichts entscheiden kann. Statt cooler Serienkiller-Action wird Kasady samt Carnage kaum so richtig genutzt. Hier entsteht keine wirkliche Atmosphäre der Bedrohung… am Ende ist es halt nur ein weiterer animierter Gegner für Venom.

Immerhin schafft es Andy Serkis die Action zwischen Venom und Carnage gut aussehen zu lassen. Wir bekommen hier keinen CGI-Brei wie noch im ersten Teil, als sich Riot und Venom geprügelt haben. Man merkt auf jeden Fall, dass sich Serkis gut damit auskennt, animierten Charakteren mehr Gravitas zu verleihen.

Leider hilft das dem Film auch nicht, der viele interessante Ansätze hat, aber keinen davon richtig nutzt. Ich bleibe dabei: Man hätte aus „Venom 2“ entweder eine reine Beziehungskomödie machen müssen oder einen richtig fiesen Serienmörder-Thriller. Aber letzteres passt nicht ins familienfreundliche Marvel-Konzept und ersteres wäre vielleicht ein zu krasser Sprung gewesen. So bleibt „Venom 2“ halt ein Mischmasch aus Vielem, nur leider wenig Gutem.

Wertung: 4 von 10 Punkten (am Ende ist es wieder nur die Post-Credit-Scene, die in Erinnerung bleibt… und das sagt doch schon alles, oder nicht?)

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