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Random Sunday #65: Stranger in a Strange Land

17. Oktober 2021

Ich wollte schon lange mal was von Robert A. Heinlein lesen. Ich hatte sogar als Teenager die Romanvorlage zu „Starship Troopers“ zuhause, bin aber irgendwie nie dazu gekommen, die mal zu lesen. Wie ich am Ende zu „STRANGER IN A STRANGE LAND“ gekommen bin, kann ich gar nicht sagen. Das Buch lief mir nur hier und da einfach häufiger über den Weg und die Idee dahinter klang auch sehr faszinierend, weswegen ich es einfach mal lesen musste… doch ich muss gestehen, bin ich nicht mehr ganz so überzeugt von diesem Klassiker der Sci-Fi-Literatur…

Die Mars-Mission Envoy startet zum Roten Planeten, doch nach der Landung hört man auf der Erde nichts mehr von der Besatzung. 25 Jahre später macht die nächste Mars-Mission der „Champion“ eine unglaubliche Entdeckung: Alle Mitglieder der Envoy sind tot, dennoch gibt es einen Überlebenden: Valentine Michael Smith wurde auf der Envoy geboren und nach dem Tod seiner Eltern von den Marsianern aufgezogen. Der junge Mann, der sich als Marsianer fühlt, aber dennoch keiner ist, öffnet sich eine neue Welt, als er das erste Mal zur Erde kommt. Vieles von dem, was er hier vorfindet, versteht er nicht… und kann deswegen von Glück sprechen (???), dass er Jubal Harshaw kennenlernt, seines Zeichens Multitalent, Autor, Anwalt, Arzt und was nicht noch alles. Jubal versucht Michael die Welt zu erklären, während sich dabei auch zeigt, was für unglaubliche Kräfte in dem Mann vom Mars schlummern.

„Stranger in a strange land“ ist gleichzeitig faszinierend und etwas ermüdend. Wenn man sich den Roman heute so durchliest, kann man aber auch direkt verstehen, warum dieses Buch damals bei seinem Erscheinen im Jahr 1961 für eine heftige Debatte gesorgt hat. Durch diesen Fremdling von einem anderen Planeten greift Heinlein gekonnt altgebackende Konzepte des Mensch-Seins an. Besonders die Konzepte von Ehe, Kirche und Sexualität gehen Michael irgendwie einfach nicht in den Kopf rein. Doch genau damit hatte ich dann auch ein bisschen meine Probleme mit dem Buch. Es wird teilweise sehr philosophisch und die Gesellschafts- und Religionskritik, die sich in „Stranger in a strange land“ verbirgt, kann einen etwas erschlagen.

Gerade durch die Figur des Jubal Harshaw haut Robert A. Heinlein einfach alles raus, was ihm offensichtlich schon lange auf der Zunge brannte… und ergötzt sich in ewig langen Monologen Jubals oder Streitgesprächen über… nun ja, Gott und die Welt. Dabei entsteht aber so ein bisschen das Problem, dass Jubal dem Marsianer Michael gerade in der ersten Hälfte des Romans einfach mal die Show stiehlt. Ich hatte gehofft, dass hier wirklich so eine größer angelegte „fish out of water“-Story kommt, aber nicht damit gerechnet, dass hier mit Monogamie, Kirche, Religion, Sexualität und auch freier Wille abgerechnet wird. Das geht dann später sogar soweit, dass Michael, der Marsianer selbst eine Art Kommune / Kirche gründet, in der freie Liebe, Freiheit und was nicht alles zelebriert wird.

Muss man mögen… sage ich ganz ehrlich. Ich fand’s irgendwann einfach ein bisschen anstrengend, wenn natürlich auch viele Ansätze, die Heinlein in seinem Buch verfolgt, sehr spannend sind und auch für guten Gesprächsstoff sorgen. Nur hatte ich mir von diesem Roman einfach etwas mehr Roman-Haftigkeit versprochen… und keine philosophische Abhandlung.

Wenn Heinlein auf die marsianische Kultur eingeht und uns auch Michaels Kräfte näher bringt, ist „Stranger in a strange land“ dann auch wieder mehr der Science-Fiction-Roman, der er sein soll und das macht es dann auch wieder faszinierend zu lesen. Die Gebräuche des Mars (Teilen von Wasser) oder auch das Sprach-Verständnis („grok“ wird ein Wort sein, dass ihr da sehr häufig zu Gesicht bekommen werdet) oder eben die Fähigkeiten der Marsianer sind alle gut und exotisch beschrieben, das man wirklich das Gefühl für diesen Culture-Clash bekommt. Davon hätte ich mir an einigen Stellen dann doch etwas mehr gewünscht.

Trotzdem, oder gerade deswegen, kann ich aber gut nachvollziehen, warum „Stranger in a strange land“ so einen bleibenden Eindruck auf damalige Leser hinterlassen hat… und warum der Roman so eine Bedeutung hat. Dennoch muss ich sagen, bleibe ich bei satirisch-kritischen Sci-Fi-Romanen dann doch lieber bei Kurt Vonnegutt. Aber „Starship Troopers“ muss ich trotzdem irgendwann mal lesen.

2 Kommentare leave one →
  1. 31. Oktober 2021 19:30

    Hmmm, klingt in der Tat sehr anstrengend. Ich habe das erste Mal von Henlein im Zusammenhang mit „All You Zombies“ gehört, der Literaturvorlage des krassen Sci-Fi-Films Predestination. Und ich bekomme gleich direkt wieder Lust den Film zu schauen. Aber es klingt auch nicht so ganz als ob das Buch was für mich wäre, weil ich anstrengende Erklärbär-Philosophen-Charaktere immer unheimlich merkwürdig und gestelzt finde. Auch wenn die Ansichten vielleicht bahnbrechend sind …

    • donpozuelo permalink*
      1. November 2021 12:42

      Ja, diese Charaktere mag ich auch nicht… und hier haben wir gefühlt den Urvater aller Erklärbären 😅 aber ja, viele Ansätze und Ansichten des Romans sind schon wahnsinnig spannend.

      Und Predestination basiert auf einem von Heinleins Büchern? Der Film ist fantastisch. Muss ich auch mal wieder gucken. Und mir bei Gelegenheit mal das Buch besorgen. Danke für den Hinweis.

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