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Schwanger vom Auto???

15. Oktober 2021

Nachdem ich vor kurzem „Raw“ gesehen habe, war ich etwas besser darauf vorbereitet, was ich von einem Film von Julia Ducournau zu erwarten hatte. Aber was sie hier mit „TITANE“ abliefert, war möglicherweise die langweiligste Film-Erfahrung, die ich in diesem Jahr hatte. Im Gegensatz dazu müsste ich theoretisch meine Wertung von „Raw“ um einen Punkt verbessern, weil der Film im Vergleich zu „Titane“ einfach besser rüberkommt. Aber auch hier stehe ich scheinbar wieder alleine da. Wenn ich so gucke, wird dieser Film von der Kritik gefeiert, bekam sogar die Goldene Palme in Cannés und wurde zum Beispiel von der BBC als „the most shocking film of 2021“ bezeichnet. Ich würde eher sagen: „most boring film of 2021“, aber gut… Meinungen sind halt verschieden.

Als kleines Mädchen wird Alexia (Agatha Rousselle) bei einem Autounfall schwer verletzt und bekommt eine Titanplatte in den Schädel. Später, als junge Frau, arbeitet sie als erotische Tänzerin bei Autoshows und hat einen besonderen Fetisch, was Autos angeht (indem sie einfach mal Sex mit ihrem Auto hat). Gleichzeitig ist Alexia aber auch eine Serienmörderin, die vor nichts Halt macht (und offensichtlich auch auf Justine aus „Raw“ trifft). Irgendwann stellt Alexia dann zwei Dinge fest: Erstens, sie ist schwanger! Zweitens, die Polizei ist ihr auf den Fersen. Also tarnt sich Alexia in bester „Boys don’t cry“-Manier als junger Mann und kommt beim Feuerwehrmann Vincent (Vincent Lindon) unter, der glaubt, hier seinen lang verschollenen Sohn Adrien wiedergefunden zu haben.

Ja… das ist die Story… und mehr gibt es auch nicht zu sagen. Ich habe die ganze Zeit nur mit dem Kopf geschüttelt. Anfangs dachte ich noch, das wird hier eine Serien-Killer-Nummer. Immerhin wird uns Alexia schon als kleines Mädchen leicht verstört dargestellt, dann später diese ewig lange Sex-Szene mit dem Auto verstärkt das Ganze noch einmal. Doch nach 40 Minuten landen wir dann bei der Sache mit Vincent und der Tatsache, dass aus Alexia nun Adrien wird. Hier habe ich mich dann immer nur gefragt, warum man das nicht einfach optisch besser gemacht hat:

Alexias Bauch wird immer größer und größer, trotzdem schafft sie es auf mysteriöse Art und Weise, den so abzubinden, dass das nie auch nur irgendjemandem auffällt. Das allein war mir ehrlich gesagt, schon etwas zu abstrakt. Aber gut, damit hätte ich noch leben können, wenn der Rest irgendwie gepasst hätte. Doch diesen Wandel vom Serienkiller-Thema zur Alexia/Adrien-Geschichte wirkt sehr surreal. Dazu kommt ja dann noch der Faktor, dass uns schnell deutlich gemacht wird, dass Alexia wirklich schwanger vom Auto ist, weil sie ständig Öl verliert.

Aus beiden neuen Geschichten macht Julia Ducournau aber auch wieder nichts. Weder ist die Story mit Adrien clever geschrieben noch liefert das „Schwanger vom Auto“-Zeug irgendeine Grundlage für guten Body-Horror a lá „Tetsuo, the Iron Man“ (was ich eher bevorzugt hätte). Die Beziehung zwischen Feuerwehrmann Vincent und seinem Sohn Adrien wirkt auch sehr surreal und hat mich leider auch emotional überhaupt nicht abgeholt. Vincent spritzt sich irgendwelches Zeug, ohne das mir klar wurde, warum und wieso. Dass ihn die verzweifelte Freude der Rückkehr seines totgeglaubten Sohnes sogar ignorieren lässt, dass Alexia nun wirklich nicht aussieht wie sein Sohn, kann ich noch nachvollziehen. Aber diese Vater-Sohn-Beziehung baut der Film auch nicht weiter aus.

Vincent Lindon spielt sich zwar die Seele aus dem Leib, aber kommt bei all dem auch nicht wirklich voran. Weil der Film auch nicht voran kommt und einfach nicht weiß, was er erzählen soll. Ich hatte darauf gewartet, dass diese ganze Auto-Baby-Nummer wenigstens krass wird, aber auch das ist harmlos und langweilig.

„Titane“ ist so atmosphärisch wie ein Ölwechsel und so aufregend wie quietschende Scheibenwischer auf einer trockenen Windschutzscheibe. Was mir Julia Ducournau mit diesem Film sagen wollte, weiß ich nicht. Wie das Ganze dann auch noch die Goldene Palme von Cannes gewinnen konnte, verstehe ich nicht… und was Ducournau als nächstes machen wird, könnte mir nach diesem Film nicht egaler sein. Dass manche sie in eine Schublade mit David Cronenberg stecken wollen, kann ich nicht so ganz nachvollziehen.

Wertung: 2 von 10 Punkten (es ist weder ein packendes Drama noch eine coole Origin für die Transformers – es ist einfach nur irgendwie da)

3 Kommentare leave one →
  1. 19. Oktober 2021 11:42

    Hast du einen anderen Film gesehen, der dann als „Titane“ deklariert worden ist?
    Ja, es ist sicher nicht der zugänglichste Film, aber ein herrlich konsequentes Werk voller Esprit und Sogwirkung. Ich würde wirklich in jedem Punkt dir widersprechen wollen und es ist großartig, dass das die Goldene Palme gewinnt und nicht Betroffenheitsdrama 08/15

    • donpozuelo permalink*
      19. Oktober 2021 16:18

      Ich sage ja, alle Welt liebt diesen Film und mir hätte er nicht mehr auf den Keks gehen können. Von Esprit und Sogwirkung war bei mir leider nichts. Umso mehr freut es mich natürlich für alle anderen, die diesem Fil etwas abgewinnen konnten. Für mich war das leider nichts.

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  1. Blut geleckt | Going To The Movies

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