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Mr. Bond und der Liebeskummer

4. Oktober 2021

Wir haben jetzt verdammt lange darauf gewartet, endlich den letzten Bond-Film mit Daniel Craig als James Bond sehen zu können. Mittlerweile wurde ja schon mehr darüber diskutiert, wer nach Craig die Rolle übernehmen wird. Aber jetzt können wir uns erst einmal auf den neuen Agenten-Film konzentrieren, der immerhin schon der 25. Teil der Reihe ist, die damals Ende der 60er Jahre mit Sean Connery ihren Anfang fand. Und diesen Anfängen will „JAMES BOND: NO TIME TO DIE“ auch gedenken und gleichzeitig eine neue Richtung einschlagen… hat dabei aber das Problem, die Balance nicht wirklich halten zu können.

Nachdem Bond (Craig) in „Spectre“ Blofeld (Christoph Waltz) besiegt hat, zog er mit Madeleine (Lea Seydoux) von dannen und ist nun bereit ein ruhiges Leben zu führen. Doch SPECTRE ist überall… und da Madeleines Vater, Mr. White, ja ursprünglich selbst für die Organisation gearbeitet hat, kann Bond seiner Geliebten einfach nicht trauen. Es kommt zur Trennung… und das war’s. Fünf Jahre später hilft Bond seinem CIA-Freund Felix Leiter (Jeffrey Wright) aus. Ein Wissenschaftler hat an einem gefährlichen Programm weitergearbeitet, das M (Ralph Fiennes) ursprünglich schon lange hätte beenden sollen. Leider ist nun besagter Wissenschaftler in den Händen des Schurken Safin (Rami Malek) und der einzige Weg zu Safin führt über Madeleine.

Als „Casino Royale“ in die Kinos kam, wurde das als großer Neustart für Bond gefeiert. Bond war geerdeter, nachvollziehbarer, menschlicher – einfach dadurch, dass er auch mal Gefühle zeigte. Und es war toll… doch die Craig-Ära war danach sehr durchwachsen, was in meinen Augen viel daran lag, dass man im Nachhinein alles miteinander verknüpfen wollte. „Spectre“ zeichnete sich ja dann besonders dafür verantwortlich. Jetzt wird mit „No Time to Die“ der Schlussstrich unter die Craig-Zeit gesetzt.

Leider nicht wirklich effektiv, was vor allem in meinen Augen daran liegt, dass diese Romanze zwischen Bond und Madeleine nie wirklich stark aufgebaut wird. Das Ganze wurde in „Spectre“ schnell zusammengeschustert, um offensichtlich ein bisschen „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ zu kopieren. Nur in Lazenbys Fall ließ man sich Zeit, wodurch man die Beziehung zwischen Bond und Tracy gut nachvollziehen konnte. Jetzt die Nummer mit Bond und Madeleine wirkt so arg zusammenkonstruiert, dass es mich nie so wirklich gejuckt hat. Dazu kommt, dass Seydoux und Craig nicht so wirklich eine gute Chemie haben. Gerade Seydoux wirkte auf mich sehr gelangweilt… ganz ehrlich, da ging mir die Beziehung zwischen Bond und M in „Skyfall“ mehr ans Herz als die jetzt zwischen ihm und Madeleine. Das Problem besteht halt darin, dass man was Neues ausprobieren will, sich dafür aber keine Zeit lässt.

Das Gleiche muss man leider auch über die bislang von mir noch nicht erwähnte Lashana Lynch sagen, die als eine neue Doppel-Null-Agentin eingeführt wird und in der ersten Hälfte des Films sogar in Konkurrenz mit Bond steht. Auch hier lässt man sich kaum Zeit für einen starken Charakter-Aufbau. In der ersten Hälfte des Films gibt sie Bond noch gut Paroli, aber irgendwann kommt dann so ein plötzlicher Moment, wo sie einfach zu allem „Ja“ und „Amen“ sagt und dann einfach nur noch zum Sidekick degradiert wird. Klar, es ist ein Bond-Film und Bond steht im Mittelpunkt, aber das war schon irgendwie bitter. Gerade aus Lynch, deren Dynamik mit Craig wirklich gut war, hätte man schon mehr machen können.

Eine weitere coole Frauenfigur in „No Time To Die“ wird uns mit Ana de Armas als CIA-Agentin Paloma geliefert, die in bester „John Wick“-Manier mit Bond gegen viele fiese Gegner kämpft. Allerdings wirkt auch De Armas Auftritt nur wie ein kurzes Intermezzo, um mal eine gute Action-Sequenz einzubauen (die sonst alle eher sehr 08-15 wirken und nicht wie etwas aus einem 300 Millionen Dollar Blockbuster).

Was mich dazu bringt, dass „No Time To Die““ weniger auf Action setzt und mehr auf Drama. Was funktioniert hätte, wenn man das alles gekonnt aufgebaut hätte. Aber alles rund um Bond und Madeleine wirkt einfach nur sehr erzwungen, alle „Neuerungen“ sind zwar echt cool, aber kommen nie so richtig zur Geltung, weil am Ende geht es doch nur darum, dass Bond mal wieder die Welt retten muss.

Vor niemand geringerem als Rami Malek in der wohl langweiligsten Bond-Bösewicht-Rolle seit langem. Meine Güte… Maleks Safin fängt eigentlich sogar ganz interessant an, seine Motive bringen ihn sogar soweit, dass man meinen könnte, er und Bond sollten einfach gemeinsame Sache machen. Aber irgendwann (wieso und warum wird nie so ganz geklärt) ist Safin einfach so richtig böse böse. Immerhin ist Maleks Safin aber eine schöne Hommage an Dr. No – inklusive sehr an Bond-Set-Designer Ken Adams erinnerndes Hauptquartier.

Ich muss leider echt sagen, dass mich der 25. Bond kaum abgeholt hat. Ich mochte die neuen Ideen, die aber nie so ganz ausgekostet wurden, weil man offensichtlich doch zu sehr Angst hatte, Leute vor den Kopf zu stoßen. Stattdessen liefert man uns ein lauwarmes Drama, das die vollen Stärken eines Mr. Bonds einfach nicht auskosten kann. Schade… aber gut, schauen wir mal, wer es dann in Zukunft weiterführen wird, das große Erbe des Mr. Bond, James Bond.

Wertung: 4 von 10 Punkten (Craigs Abschied bleibt nicht so wirklich im Gedächtnis – abgesehen vom tatsächlichen Ende des Films)

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