Zum Inhalt springen

Animierte Jedi

29. September 2021

Über „Star Wars“ wird sich ja gerne und viel aufgeregt. Erst waren es die Prequels, mittlerweile haben die sich aber rehabilitiert, was daran liegt, dass scheinbar mehr Leute die Sequels hassen – besonders natürlich „Star Wars 8“, der die Fan-Community so sehr gespalten hat wie es nicht einmal die Midichlorianer geschafft haben. Seitdem wirkt es ein bisschen so, als würde man bei Disney versuchen, Schadensbegrenzung zu betreiben. Aus „The Mandalorian“ wurde eine gute Show, die aber sehr auf Fan-Service bedacht war. Mit „The Bad Batch“ wollte man ebenfalls alte Fan-Favoriten wiederbeleben – und blieb dabei doch immer wieder im Altbekannten. Wirklich mal was Neues traute man sich nicht… bis jetzt. Als die Ankündigung zu „STAR WARS VISIONS“ kam, war ich hellauf begeistert: Neun Anime-Studios dürfen sich im Star-Wars-Universum austoben und ihre eigenen Geschichten erzählen. Herausgekommen ist dabei das Frischeste und Unterhaltsamste, was „Star Wars“ seit langem geliefert hat.

Studios wie Science Saru (die „Devilman Crybaby“ gemacht haben), Production I.G (die Macher hinter „Ghost in the Shell“), Trigger („Killa la Kill“) und noch so einige andere haben in 9 Kurzfilmen Geschichten rund um „Star Wars“ erzählt. Da geht es in „The Duel“ zum Beispiel um einen Ronin, der gegen eine Sith-Kriegerin antritt. In „The Twins“ kämpfen zwei Geschwister, die aus der dunklen Seite der Macht geboren wurden, gegeneinander… oder in „Lob und Ocho“ zerreißt eine Familie an der Loyalität zum Imperium, während in „TO-B1“ ein Roboterjunge davon träumt, ein Jedi zu sein.

„Star Wars: Visions“ liefert genau das ab, was ich mir erhofft hatte: Unterschiedliche Visionen einer weit, weit entfernten Galaxie. Und wirklich alle Folgen sind fantastisch, kreativ und anders. Ich lehne mich sogar mal soweit aus dem Fenster und sage: „Star Wars: Visions“ ist wirklich mal das erste richtige Neue, was man uns in diesem Universum anbietet. Das hier hat mal nichts mit den Vaders und Skywalkers und Solos dieser Galaxie zu tun, sondern ist einfach mal anders. Ich hatte mit wirklich jeder Folge Spaß, auch wenn natürlich bestimmte Episoden mehr Eindruck hinterlassen haben als andere.

Die erste zum Beispiel: „The Duel“ – in Schwarz-Weiß getunkte Bilder mit körnigem Kontrast treffen auf eine Story, die sich an „Yojimbo“ und „Für eine Handvoll Dollar“ anlehnt und die Kurosawa-Inspirationen eines George Lucas abfeiert. Optisch ein absolutes Highlight. Meine zweite Lieblingsfolge ist Folge 3 mit den Zwillingen. Diese Episode geht einfach „all in“ und ist Anime pur. Noch lauter als das Schreien der beiden Geschwister sind nur die Farben. In dieser Episode schreit alles. Sie ist so komplett over-the-top, grell, schrill… und einfach nur fantastisch.

„Visions“ liefert ruhige Geschichten (ja, es ist nicht alles wie „The Twins“), die schon fast sehr kindgerecht sind (wie eben die „TO-B1“ Folge, die ein bisschen von „Astro Boy“ inspiriert ist), es gibt sehr aufregende Geschichten, die sich mehr trauen als manch Star-Wars-Film (wie zum Beispiel „Akakiri“)… und und und…

Ich könnte jetzt jede einzelne Folge loben, was ich hiermit getan habe. Es ist echt toll, dass Disney den Machern hier wirklich einen Freifahrtsschein gegeben hat – und man sich auch nicht darum kümmern musste, ob einige Sachen jetzt nun aus den Legends stammen oder tatsächlich Kanon sind. So geht „The Ninth Jedi“ (Folge 5) zum Beispiel auf den spannenden Legends-Aspekt ein, dass deine Verbindung zur Macht dafür verantwortlich ist, welche Farbe dein Lichtschwert hat – und liefert uns dazu einen grandiosen Plottwist, der einem einen wohligen Schauer über den Rücken jagt.

Guckt man „Visions“ auf Englisch, darf man auch noch grandioses Casting erwarten. Neil Patrick Harris und Alison Brie brüllen sich als Zwillinge an. Simu Liu, der ja gerade als „Shang-Chi“ durchgestartet ist, spricht einen Lichtschwert-Schmied, Karen Fukuhara ist auch am Start, Lucy Liu, Masi Oka, Henry Golding, Jamie Chung und und und… man hat sich auch beim Voice-Cast nicht lumpen lassen.

„Star Wars: Visions“ liefert Star Wars als Anime und es ist fantastisch… sowohl für Star-Wars-Fans als auch für Liebhaber des guten Animes. Das Beste aus beiden Welten trifft hier in neun Episoden zusammen und macht einfach nur Spaß. Von solcher Art Experimente darf „Star Wars“ gerne mehr machen… und eine zweite Staffel sollte bitte definitiv mit drin sein.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Star Wars meets Anime – und es ward Licht!)

2 Kommentare leave one →
  1. 1. Oktober 2021 18:25

    Ich schleich ja noch um die Serie herum.

    • donpozuelo permalink*
      3. Oktober 2021 11:45

      Sie ist echt sehr toll. Tu es 😁

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: