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Gefangen in der Vampir-Bar

27. September 2021

Quentin Tarantino und Robert Rodriguez waren das Dream-Team der 90er Jahre, die mit ihren Filmen interessante Wege gegangen sind. Während sich Tarantino mehr auf das Gangster-Western-Genre festsetzte, probierte Rodriguez ein bisschen mehr aus. Nach wie vor ist für mich Rodriguez‘ bester Film immer noch sein Roadmovie-Horror-Gemisch „FROM DUSK TILL DAWN“, für den er ja dann sogar seinen guten Freund und Kollegen Quentin selbst vor die Kamera holte.

Die Brüder Gecko, Seth (George Clooney) und Richie (Tarantino), flüchten nach einem Banküberfall Richtung Mexiko. Um über die Grenze zu kommen, nehmen sie den ehemaligen Pfarrer Jacob (Harvey Keitel) und dessen Kinder, Kate (Juliette Lewis) und Scott (Ernest Liu) als Geiseln. In Mexiko angekommen wollen die Geckos nun in der Strip-Bar „Titty Twister“ auf ihren Kontakt warten… doch sehr schnell zeigt sich, dass diese Bar alles andere als normal ist, als sich plötzlich die Angestellten in blutrünstige Vampire verwandeln.

„From Dusk Till Dawn“ ist einer dieser Filme, bei dem man am besten beim ersten Mal gucken gar nicht weiß, was einen erwartet. Dann hat man nämlich wirklich das Gefühl, man würde ein Tarantino-inspiriertes Roadmovie gucken, das vor allem durch die Dialoge vorangetrieben wird. Rodriguez verneigt sich hier würdig vor seinem Kollegen – und das noch dazu mit einer eigenen Rolle. Auch wenn ich nach wie vor sagen muss, dass Tarantino für mich kein guter Schauspieler ist. Muss er auch nicht sein. Im Fall von Richie Gecko passt es aber irgendwie. Wenn er einfach nur vor sich hinstarrt, wirkt er schon unheimlich genug.

Das Gute ist, dass „From Dusk Till Dawn“ George Clooney hat, der Tarantino ohne Probleme tragen kann. Ich bin immer noch der Meinung, dass Seth Gecko eine von Clooneys coolsten Rollen ist und ihm dieser Badass-Outlaw-Typ ziemlich gut steht. Gepaart mit Harvey Keitel als vom Glauben abgekommener Priester liefert uns Rodriguez coole Charaktere vor der Kamera.

Und wie gesagt, der Roadmovie-Anteil macht echt Laune. Allein die Eröffnungssequenz in der Tankstelle ist großartig. Brutal, wortgewandt und bitterböse… damit ihm aber später keiner vorwerfen kann, er würde nur einen Tarantino-Klon produzieren, hat sich Rodriguez eben noch ein bisschen was für „From Dusk Till Dawn“ ausgesucht. Zuallererst erfüllt er Fußfetischist Tarantino wohl einen seiner größten Träume, wenn er Tequila von Salma Hayeks Fuß lecken darf. Immerhin hat Tarantino schon in „Pulp Fiction“ deutlich gemacht, wie wichtig ihm Füße sind.

Als zweites dreht er dann das Genre seines Film einfach mal um. Aus dem Roadmovie wird plötzlich eine Splatterkomödie. Während sich alles im Roadmovie-Anteil des Films noch sehr ernst und auch sehr düster anfühlt, wird es im zweiten Teil einfach nur herrlich gaga. Rodriguez lässt seine Darsteller zu den merkwürdigsten Vampir-Fratzen überhaupt mutieren, lässt sie brennen, schmelzen, zerhacken, aufspießen und was man nicht noch so alles mit Vampiren anstellen kann.

Dieser plötzliche Wandel in Ton und Genre hätte ziemlich absurd wirken können, aber Rodriguez schafft es ziemlich gut, vom einen aufs andere den Film um 180 Grad zu wenden und in eine andere Richtung zu werfen. Was vor allem daran liegt, dass er sich a) nicht zu ernst nimmt und b) in all dem Chaos es trotzdem immer noch schafft, seine Charaktere im Fokus zu behalten. Und so wird aus Clooney und Co. eben eine verdammt coole Vampir-Jäger-Gruppe. Wenn die dann aus Schrotflinte und Stock ein schießwütiges Kreuz machen oder mit Wasserpistolen und gefüllten Kondomen geweihtes Wasser auf die Vampire ballern (ja, ein vom Glauben abgekommener Priester kann trotzdem immer noch Wasser weihen), hat das schon seinen ganz eigenen, sehr albernen Humor. Der aber einfach Spaß macht – gerade weil Rodriguez auch so „wundervolle“ Wege für seine Darsteller findet, sie ins Jenseits zu befördern. Das Make-Up und die praktischen Effekte in diesem Film sind einfach nur herrlich.

„From Dusk Till Dawn“ ist nach wie vor ein toller Film… und für mich einer von Rodriguez‘ besten dazu. Hat irgendjemand mal die Serie gesehen und kann sagen, ob die was taugt?

Wertung: 8 von 10 Punkten (herrlicher Trash, der sehr viel Spaß macht)

2 Kommentare leave one →
  1. 27. September 2021 07:47

    Damals DER Kultfilm bei uns im Freundeskreis. Habe Unsummen für die ungeschnittene UK-VHS bezahlt. War dennoch jede Mark wert. Hat damals einfach alles gepasst. Wie die Serie ist, würde mich auch interessieren…

    Die Direct-to-Video-Fortsetzungen hast du vermutlich nicht gesehen?

    • donpozuelo permalink*
      27. September 2021 08:55

      Diese Serie mal zu gucken, überlege ich auch schon die ganze Zeit. Mal schauen…

      Die ganzen Fortsetzungen habe ich nie geguckt. Haben in mir auch nie so richtig das Interesse geweckt 😅

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