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Rächerin in Japan

13. September 2021

Netflix-Filme sind auch immer eine schwierige Angelegenheit. Wenn es nicht gerade Filme von großen, namenhaften Regisseuren sind, die eigentlich auch im Kino laufen sollten, es dann aber doch irgendwie nicht geschafft haben, sind viele davon ziemlicher Mist. Auch wenn sie einen starken Cast zu bieten haben. Ich erinnere mich noch an „The Old Guard“, der auf dem Papier echt gut klang, aber ein ziemlicher Reinfall war. „Bright“ war auch ein so ein Ding oder auch Chris Hemsworth‘ „Extraction“. Alles irgendwie ziemlich Abschussware. Und trotzdem lasse ich mich immer wieder gerne von gut gemachten Trailer einlullen… weswegen ich mir dann – obwohl ich es hätte besser wissen können – den neuen Netflix-Film „KATE“ mit Mary Elizabeth Winstead angeguckt. Was ein Fehler war und direkt von großer Reue begleitet wurde.

Kate (Winstead) ist Auftragskillerin für Varrick (Woody Harrelson). Warum genau spart sich der Film. Wen genau die Beiden verfolgen und warum, hält der Film auch nicht für wichtig. Es sind böse Yakuza-Bosse in Japan, doch irgendwann geht ein Anschlag schief… und wenig später wird Kate mit einem radioaktiven Stoff vergiftet. Sie hat nur noch 24 Stunden zu Leben… und in dieser Zeit will sie diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die ihr das angetan haben. Dafür braucht sie die Hilfe von Ani (Miku Martineau), die Tochter eines Yakuza-Bosses, den Kate vor Monaten umgebracht hat.

Also kurz gesagt, dieser Film ist einfach nur schlecht. Drehbuchautor Umair Aleem hat offensichtlich einfach nur eine große Vorliebe für Rachefilme und für Japan. Das reicht ihm dann für diese „Story“ zu „Kate“ aus. Dass man aber für sowas vielleicht auch irgendwie Charakter-Entwicklung, Motivationen, zwischenmenschliche Beziehungen braucht, um eben eine Geschichte zu erzählen, für die man sich als Zuschauer auch interessiert, hat er dabei wohl vergessen. Und dementsprechend kann auch Regisseur Cedric Nicolas-Troyan dem Ganzen nicht sonderlich viel mehr beisteuern. Daran leidet dann so ziemlich alles an diesem Ding.

Was man „Kate“ aber zumindest positiv anrechnen kann, ist die Action. Da David Leitch hier als Produzent mit dabei ist, dürfte das niemanden verwundern. Er hat uns „John Wick“ beschert, „Atomic Blonde“ und zuletzt „Nobody“. Diese Form der brutalen, aber handgemachten Action zeigt sich auch in „Kate“… es gibt mehrere wirklich gute und aufregende Sequenzen. In einem Teehaus ballert und kickt sich Kate durch ihre Gegner oder auch in engen Gassen. Hier zeigen sich dann die Wick’schen Einflüsse. Alles wird hier in Sekundenschnelle von Kate zur Waffe gemacht. Wenn die Kugeln ausgehen, werden eben Messer und Essstäbchen verwendet oder einfach mal gute Champagner-Gläser zu gefährlichen Stichwaffen. Was die Brutalität und die Action angeht, kann sich „Kate“ durchaus sehen lassen. Auch Mary Elizabeth Winstead macht hier eine wahnsinnig gute Figur – offensichtlich hat ihre Rolle als Huntress in „Birds of Prey“ doch ein bisschen abgefärbt.

Aber abgesehen von ein paar sehenswerten Action-Nummern hat „Kate“ nichts zu bieten. Unsere Hauptfigur bleibt absolut eindimensional. Man versteht nie wirklich ihre Motivation, ihre Beziehung zu Woody Harrelsons Charakter oder gar die zu der jungen Ani. Das wird halt einfach so formelhaft zusammengepackt, weil das in vielen anderen Rachefilmen gerne verwendet wird. „Kate“ fehlt aber einfach der Kontext. Auch Japan wird einfach nur als Schauort benutzt, weil es halt exotisch und aufregend genug aussieht. Wirklich mit der Kultur, der Gesellschaft befasst sich der Film nicht. Jede Wendung, die uns der Film vor die Füße wirft, sieht man schon meilenweit kommen. Es werden einfach nur Versatzstücke zusammengepackt, ohne das sich wirklich zusammenpassen.

Mit einem guten Drehbuch hätte man „Kate“ sicherlich zu einem guten Film machen können, so aber nicht. Winstead ist genau so vergeudet wie alle Darsteller in diesem Film, wie auch Japan als Kulisse. Der ganze Film ist nur eine Entschuldigung, um diese Action-Sequenzen zeigen zu können. Und das ist echt schade.

Wertung: 3 von 10 Punkten (die Action-Clips kann man sich bestimmt irgendwann auf YouTube angucken, dann hat man alles Wichtige zu diesem Film gesehen)

2 Kommentare leave one →
  1. 8. Oktober 2021 20:40

    Was ist das nur mit Netflix und den Filmen …und wie ich finde in letzter Zeit auch Netflix und den Serien? Die schiere Masse, die produziert wird, sorgt vielleicht auch dafür, dass soviel Bockmist dabei ist. Leider. Als Netflix gerade erst in DACH startete und mit den Eigenproduktionen anfing, war gefühlt alles gut bis sehr gut. Oder ist das meine Einbildung und ich glorifiziere Netflix in Deutschland als es noch „neu“ war?
    Davon abgesehen habe ich gerade mit Begeisterung Midnight Mass geschaut … also es ist schon immer wieder was gutes dabei. Aber die Frequenz fühlt sich anders an.

    • donpozuelo permalink*
      9. Oktober 2021 08:03

      Die Frequenz ist enorm gestiegen… das stimmt schon. Jede Woche kommt ja irgendwas Neues dazu. Jetzt auch dank dem internationalen Markt aus allen Ländern. Sieht man gerade an Squid Game.

      Ob schon von Anfang an alles gut war, weiß ich nicht. Die hatten schon früh auch viel Mist, aber sie haben eben Filmschaffenden eine Plattform gegeben, wo die sonst keine gefunden hätten… das fand und finde ich ja immer gut. Aber die schiere Masse wird ja langsam echt unüberschaubar.

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