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Say my name!

27. August 2021

Jordan Peele ist für mich eigentlich so ein neuer wichtiger Stern am Filmemacher-Himmel. Seine beiden Filme „Get Out“ und „Us“ sind starke, atmosphärische Horror-Filme, die sich auf gut ausgefeilte Charaktere stützen, eine packende Geschichte erzählen und dabei gleichzeitig auch noch wichtige Zeitdokumente sind, die sich mit aktuellen Problemen beschäftigen – ohne dabei aber zu vergessen, dass sie eben auch immer noch Unterhaltungsfilme sind. Wenn mittlerweile irgendwo der Name Jordan Peele draufsteht, bin ich bereit, mir das anzuschauen. Für den neuen Horror-Streifen „CANDYMAN“ war Peele zwar nur als Co-Autor und Produzent zuständig und überließ die Regie Nia DaCosta… trotzdem hatte ich mich sehr auf den Film gefreut. Denn die Trailer dazu sahen schon ziemlich gut aus. Aber wie das mit gutaussehenden Trailern halt manchmal ist, ist der Film der dahintersteckt nicht unbedingt so gut.

Die Bewohner des Stadtteils Cabrini Green in Chicago sind mit den Legenden des Candymans aufgewachsen. Wer seinen Namen fünfmal vor einem Spiegel spricht, beschwört den Killer mit seinem Haken anstatt einer Hand hervor. Doch mittlerweile ist Cabrini Green kaum noch wiederzuerkennen. Statt dem alten Ghetto stehen da überall luxuriöse Hochhäuser… in einem davon lebt der Künstler Anthony McCoy (Yahya Abdul-Mateen II) mit seiner Freundin Brianna (Teyonah Parris). Anthony braucht dringend Inspiration für seine nächste Show… und erfährt von den Ereignissen, die sich einst in Cabrini Green abgespielt haben. So stößt er auf die Legende des Candyman, der wiederum auf Anthony stößt…

Ich wollte mir eigentlich vor dem neuen „Candyman“ noch den alten, originalen „Candyman“ von 1992 anschauen, bin aber leider nicht dazu gekommen. Doch, das muss ich gleich vorwegsagen, das ist nicht wirklich so dramatisch. Natürlich ist es cooler, das Original vorher gesehen zu haben, aber tatsächlich findet DaCosta eine ziemlich interessante Art und Weise, Unwissenden den ersten Film zusammenzufassen. Mit Hilfe von so kleinen Papier-Figuren bekommt man die Handlung des ersten Films in Form eines Puppentheaters nacherzählt. So gut das für Nicht-Kenner ist, so sehr klaut es dem Film doch wichtige Zeit. Denn viel in diesem Film ist erstmal an vielen Stellen reine Exposition: Wer ist der Candyman wirklich? Wie entstand er? Wie wurde er zum Mythos? Was geschah im ersten Film? Vielleicht hätten Peele und DaCosta gut daran getan, den neuen „Candyman“ einfach als eine Art Reboot zu betrachten statt als richtige Fortsetzung… denn das ist der Film (ohne jetzt zu viel verraten zu wollen). Leider finde selbst ich als jemand, der das Original nicht kennt, dass diese Verbindung ein bisschen zu schwach auf der Brust ist. Aus ihr hätte man mehr machen sollen und müssen oder sie einfach komplett weglassen.

Gleichzeitig, finde ich, verliert sich der Film als Unterhaltungsfilm zu sehr in seinen politischen Botschaften… und die werden dann leider, anders als man es eigentlich von Peele als Autoren gewohnt ist, ziemlich plump vorgelegt. Gentrifizierung wird thematisiert… und kritisiert, aber von den Leuten, die selbst davon profitiert haben und jetzt in einer schönen Loft-Wohnung leben. Wenn das Satire sein soll, dann hätte man es besser ausarbeiten sollen. Diese ganze Kritik kommt von reichen Leuten in reichen Wohnungen irgendwie nie so kritisch rüber, wie sie es vielleicht gerne wäre. Auf der anderen Seite schwebt über „Candyman“ auch der Geist von George Floyd und all den Opfern von Polizeigewalt. Leider geht der Film auch dieses Thema etwas zu plakativ an und schießt gerade im großen Finale in all der Kritik an Polizeigewalt übers Ziel hinaus.

Schlussendlich funktioniert „Candyman“ dann auch nicht so richtig als Horror-Film für mich. Anthonys plötzlicher Wandel und Lauf in den Wahnsinn kommt sehr schnell, wird ein bisschen mit Elementen aus „Die Fliege“ vermischt und verfehlt hier dennoch, dem stark aufspielenden Yahya Abdul-Mateen II wirklich was mit Tiefgang zu geben. Der Film verliert sich in zu vielen Themen, die er alle umreißen möchte und das geht in meinen Augen leider auf Kosten der Atmosphäre.

Ich fand den Film selten wirklich gruselig. Die Kills sind teilweise ganz nett, aber so als reiner Horror-Film funktioniert der Film nicht so richtig. Am Ende fühlt sich das Ganze dann auch fast schon wie die Origin-Story eines neuen Antihelden an, womit ich mich dann frage, ob wir hierzu noch ein „Candyman 2“ bekommen werden. Brauche ich aber nicht wirklich, weil dieser „Candyman“ einfach nicht wirklich überzeugt hat.

Wertung: 4 von 10 Punkten (ohne das Original zu kennen, sage ich mal, das hier wird dem nicht gerecht)

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