Zum Inhalt springen

Varianten-reiches Zeitbehörden-Chaos

4. August 2021

Marvels vierte Phase scheint nun endlich eine Richtung zu haben. Bislang wirkten alle Ankündigungen irgendwie etwas wahllos: „Eternals“ bringt uns Götter aus dem All, „Shang Chi“ liefert Martial-Arts-Action und einen Mandarin, der mal nicht wie der in „Iron Man 3“ sein wird und „Black Widow“ ist halt ein viel zu verspätetes Sequel-Prequel. „WandaVision“ war Sitcom meets Fantasy und „Falcon and the Winter Soldier“ drehte sich selbst im Kreis. Doch nun haben wir „LOKI“ und da wird jetzt endlich mal klar, in welche Richtung es gehen soll: Ins Chaos. In eine Richtung, die nach der Devise verläuft: „Alles kann, nichts muss. Das Multiversum existiert und wir drehen jetzt einfach mal frei und machen, wonach uns gerade ist.“ Das Multiversum wird für „Spider-Man: No Way Home“ wichtig und auch für „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ und für „Ant-Man 3: Quantumania“ und wahrscheinlich für alles andere auch… und wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die Serie rund um Loki nun wirklich der Wegweiser sein würde??? Ich nicht…

Im Time-Heist der Avengers in „Endgame“ kann Loki (Tom Hiddleston) aus dem Jahr 2012 (als er in „Avengers“ New York mit den Chitauri“ angriff) dank des Tesserakts entkommen. Doch kaum ist er irgendwo in der Mongolei angekommen, wird er von der TVA gefangengenommen. Die Time Variance Authority sorgt dafür, dass die heilige Zeitlinie nicht gestört wird… und Loki ist so eine Störung, eine Variante. Bei der TVA kann sich Loki aber der Auslöschung entziehen – dank Agent Mobius (Owen Wilson), der Lokis Hilfe braucht. Mobius jagt nämlich eine weitere Variante von Loki, Sylvie (Sophia DiMartino), die offensichtlich alles daran setzt, die TVA zu vernichten. Also muss Loki quer durch Raum und Zeit gegen sich selbst kämpfen…

Der Trailer zu „Loki“ hat mich damals ziemlich angefixt, weswegen ich mich neben „WandaVision“ am meisten auf diese Serie gefreut habe. Und ähnlich wie „WandaVision“ hat mich „Loki“ nicht enttäuscht. Sogar im Gegenteil, die Serie übertrumpft die erste Disney+ Marvel Serie sogar noch in einer Hinsicht: Die Auswirkungen von „Loki“ sind halt wirklich bemerkbar. „Loki“ hat wirklich mal was in der Welt von Marvel ausgelöst. Das hat „WandaVision“ nicht wirklich gemacht, und das hat erst recht nicht „Falcon and the Winter Soldier“ gemacht. Von daher: Hut ab, Loki.

Dazu kommt, dass Tom Hiddleston einfach ein absolut toller Schauspieler ist, der in dieser Rolle des Lokis echt gut aufgeht. Zusammen mit Owen Wilson liefert er dann auch ein großartiges Team ab (von dem sich Sam und Bucky für ihre Serie gerne mal etwas hätten abgucken können). Die Chemie zwischen den Darstellern ist in „Loki“ echt gut… auch Sophia DiMartino spielt wunderbar als weibliche Loki-Variante und ist ein willkommener Neuzugang zum MCU. Auch die Nebencharaktere fand ich in „Loki“ stark, nur leider kommen sie etwas zu kurz. Gerade von Gugu Mbatha-Raw, die ich bislang nur aus „Black Mirror“ kannte (Staffel 3 Folge 4 „San Junipero“), hätte ich gerne mehr gesehen (aber eine zweite Staffel ist ja mittlerweile bestätigt, das kann noch werden).

Was an „Loki“ wirklich Spaß gemacht hat, war die komplette Verwirrung, die man sich hier erlaubt hat. War „WandaVision“ das TV-Sitcom-Universum in Perfektion, ist „Loki“ jetzt Multiverse-Zeitreise-Chaos in Perfektion. Mit all den zig Versionen von anderen Charakteren (vor allem von Loki) spielt man hier richtig gut (und ich finde, man hätte noch mehr damit spielen können). Das ganze Konzept der TVA ist so wirr und voller Fragezeichen, dass man es eigentlich ständig hinterfragen muss. Aber die Serie geht auch damit irgendwie ziemlich locker und natürlich um, sodass ich es einfach genießen konnte. Bei Zeitreisen darf man am Ende eh nicht zu viel hinterfragen. Bringt ja doch nichts – außer Kopfschmerzen.

Toll fand ich dann auch, dass das Finale mal nicht mit einem Skybeam und viel Action endet, sondern mit einem fast 30 Minuten langem Gespräch. Was ziemlich anstrengend klingt, funktioniert hier wunderbar – vor allem dank des Neuzugangs, der in dieser letzten Folge so dermaßen brilliert, dass ich ihm auch noch 30 Minuten länger zugehört hätte. (und ja, ich vermeide an dieser Stelle direkte Spoiler für alle, die die Serie noch nicht gesehen haben).

Insgesamt muss ich wirklich sagen: Ich hatte sehr viel Spaß mit „Loki“. Sechs Episoden waren dennoch einfach viel zu wenig. Man hätte dieses Konzept ruhig mit ein bisschen mehr Zeit erklären und dadurch auch die Charaktere und ihre Beziehungen noch intensiver aufbauen können. Trotzdem hat diese erste Staffel echt gut unterhalten… und endlich auch mal richtige Konsequenzen (im Gegensatz zu seinen Vorgänger-Serien).

Wertung: 9 von 10 Punkten (endlich mal ein wirklich interessantes Phase-4-Projekt)

4 Kommentare leave one →
  1. 6. August 2021 00:07

    Ja tolle Staffel und ja, ich hätte auch gerne mehr Zeit und Folgen gehabt, manches ging so schnell, da wäre Raum für mehr gewesen. Ich fands auch gut, dass Jonathan Majors und Wunmi Mosaku hier ein neues zu Hause gefunden haben und ersterer gefiel mir tatsächlich besser als in Lovecraft Country. Und ja, ich liebe das Chaos :))

    • donpozuelo permalink*
      7. August 2021 16:25

      Lovecraft Country muss ich unbedingt auch endlich mal gucken. Das Buch fand ich ja echt gut…

Trackbacks

  1. Die Familie der Schwarzen Witwe | Going To The Movies
  2. Der wahre Mandarin | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: