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Kampf in der Zukunft

23. Juli 2021

Es ist doch immer wieder erstaunlich, dass mittlerweile sehr häufig „kleinere“ Regisseure an Multimillionen-Dollar-Blockbuster gesetzt werden. Die haben dann meist ein oder zwei kleine Indie-Perlen gedreht und bekommen auf einmal ihre „große Chance“. Marvel macht das ja sehr gut vor. „Black Widow“-Regisseurin Cate Shortland hatte vorher auch nur kleinere Filme gedreht. Chloe Zhao, die demnächst „Eternals“ für Marvel inszeniert, hat mit Filmen wie „Nomadland“ zwar den Oscar gewonnen, aber ihre Filmografie ist auch eher „klein“. Klar ist das natürlich schön, aber für die Studios wahrscheinlich auch einfach ein guter Punkt, um diese Leute besser kontrollieren zu können. Ein Tarantino, ein Nolan, ein Spielberg haben ihre eigene Art und Weise und auch genug Zugkraft, um sich nicht kontrollieren lassen zu müssen. Da sind die „Unbekannten“ dann doch leichter zu steuern… und alle machen da fleißig mit. Auch amazon jetzt mit seinem neuesten 200-Millionen-Dollar-Prime-Film „THE TOMORROW WAR“. Regisseur Chris McKay hat vorher „Robot Chicken“ gemacht, dann später „The Lego Batman Movie“… und sonst nicht viel. Darf jetzt aber Chris Pratt in den Krieg gegen Aliens schicken. An sich eine coole Sache… nur was dabei entstanden ist, ist ziemlich lau für 200 Millionen Dollar.

Im Jahr 2022 tauchen auf einmal Soldaten aus der Zukunft auf. Angeblich steht die Menschheit im Jahr 2051 kurz vor dem Untergang. Aliens haben den Planeten überrannt und die Zukunft braucht nun die Hilfe der Gegenwart. Der ehemalige Soldat und jetzige Biologie-Lehrer Dan (Pratt) wird eingezogen, um für sieben Tage in der Zukunft zu kämpfen. Gemeinsam mit einer Vielzahl von Rekruten wird er nach einer mehr als nur kurzen Trainingsphase ins Kriegschaos der Zukunft geschickt.

Die Tatsache, dass jetzt schon an einem zweiten Teil von „The Tomorrow War“ gearbeitet wird, sagt doch eigentlich schon alles, oder nicht? Nur kann ich das Ganze einfach nicht wirklich verstehen. Der Film ist nett… aber nett ist auch nur die kleine Schwester von Scheiße. Und ja, am Ende hatte ich vieles aus dem Film nach fünf Minuten schon wieder vergessen. Das liegt vor allem daran, dass dieser ganze Film voller Logiklöcher steckt und auch von vorne bis hinten viele Entscheidungen der Menschen in dem Film absolut keinen Sinn ergeben. Allein die Tatsache, dass die Menschen aus der Zukunft Leute aus der Gegenwart holen, um in der Zukunft zu kämpfen??? Warum nicht einfach das Wissen nutzen, um die Gefahr in der Gegenwart zu bannen, um den Krieg in der Zukunft nicht direkt zu verhindern? Und von solchen Fragen stellt man sich in diesem Film sehr, sehr, sehr viele. Es ist alles so Banane, was diese Story einem hier auftischt… das tut schon ein bisschen weh.

Gleichzeitig kommt dazu, dass der Film dann in seiner Länge von gut zweieinhalb Stunden auch einfach zu lang ist für die im Kern doch sehr einfach gestrickte Story… und sich dann noch anfühlt, wie aus Versatzstücken zusammengebastelt. Erst ein bisschen Exposition, dann wildes Geballer in der Zukunft. Dabei muss ich aber immerhin sagen, dass das Design der Aliens wirklich verdammt cool geworden ist. Die Viecher sind wirklich gut und eklig in Szene gesetzt. Doch nach der Action, die auch durchaus unterhaltsam ist, wird wieder viel gefaselt, dann kommt eine weitere Action-Sequenz, die an eine schlechtere Mischung aus „Starship Troopers“ und „World War Z“ (die Jerusalem-Szene mit den Massen von Zombies) erinnert… nur um dann auf einmal ruhiger zu werden und sich bei Carpenters „The Thing“ und Scotts „Alien“ zu bedienen. Gerade im Finale gibt es zwar ein paar nette Noten, aber auch das passt nicht so ganz zum Rest des Films. Hier ist halt wirklich einfach alles irgendwie wild zusammengewürfelt – nach dem Motto: „Hauptsache, es knallt überall und es explodieren Sachen, dann vergisst man den Rest.“

„The Tomorrow War“ hat viele interessante Ideen, die aber leider nicht wirklich gekonnt und gut umgesetzt wurden. Chris Pratt ist zwar in diesem Film ein sympathischer Typ (wie immer), der den Film auch ganz gut auf seinen Schultern tragen kann… aber abgesehen von dem Monster-Design bleibt am Ende nicht wirklich viel hängen. Und davon jetzt einen zweiten Teil???

Ein bisschen weniger Parolen (Army ist geil, Wissenschaft ist lebenswichtig, Klimawandel bekämpfen) und ein bisschen mehr Fokus auf die Dinge, die einen auch unterhalten sollen, hätten „The Tomorrow War“ ganz gut getan.

Wertung: 4 von 10 Punkten (coole Ideen, interessantes Alien-Design, zu viel Mist dazwischen)

3 Kommentare leave one →
  1. 24. Juli 2021 18:53

    Unterschreibe ich so ziemlich

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