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Rasende Magneten

21. Juli 2021

Es fing mal ganz bescheiden an, mit illegalen Rennen und Undercover-Cops. Mittlerweile ist die Toretto-Familie zu Weltenrettern im Stile der Avengers geworden, die auch noch mit scheinbar ähnlichen Fähigkeiten ausgestattet sind wie die Superhelden von Marvel. Mittlerweile sind wir schon bei Teil 9 der „Fast and Furious“-Reihe angekommen und es ist echt erstaunlich, dass sich dieser Kram irgendwie noch hält. Teil 5 ist und bleibt für mich die Krone der Reihe, danach wird es nur noch absurder, Physik verneinender und verrückter. Bis zu einem gewissen Grad konnte ich den vielen Filmen der Reihe auch immer noch irgendwo etwas abgewinnen, aber „F9“ oder „FAST & FURIOUS 9“ überspannt jetzt auch endgültig bei mir den Geduldsbogen.

Dom (Vin Diesel) hat sich nach Teil 8 eigentlich zurückgezogen, lebt mit Letty (Michelle Rodriguez) und seinem Sohn Brian ein ruhiges Leben. Doch dann wird sein ehemaliger Auftraggeber Mr. Nobody (Kurt Russell) samt Flugzeug vom Himmel geholt und Dom schreitet wieder ein… denn: in dem Flugzeug befindet sich ein Teil, mit dem man mal wieder die Welt unterjochen kann – und hinter diesem Teil ist niemand Geringeres her als der vorher in acht Teilen noch nie erwähnte und lang verschollene Bruder von Dom her: Jakob Toretto (John Cena).

Über die Story muss man sich bei einem „Fast and Furious“-Film mittlerweile nicht aufregen. Davon sollte man sich schon lange verabschiedet haben. Die ganze Reihe ist einfach nur noch eine große Soap Opera geworden, wo hinter jeder Ecke ein verschollener Bruder, ein Kind von irgendwem oder irgendwas anderes auftauchen kann, einfach damit man was Neues für den nächsten Teil hat. Auch dass mittlerweile immer das Schicksal der ganzen Welt von einer Gruppe Autorasern abhängt, muss man einfach hinnehmen. Das ist mir alles klar, damit kann ich auch leben. Ich habe immerhin tatsächlich bislang alle acht Filme inklusive „Hobbs and Shaw“-Spinoff gesehen… ich weiß, was mich erwartet.

Und dennoch: „F9“ ist nun auch für mich endgültig der Film gewordene Tiefpunkt. Hier funktioniert letztendlich gar nichts mehr. Und es liegt nicht daran, dass sich die Macher hinter Regisseur Justin Lin keine Mühe gegeben haben. Es liegt vielmehr daran, dass man einfach alles schon gesehen hat… und das ganze Nichts dann auch noch auf über zwei Stunden gestreckt wird. Dennoch will man uns ködern: zum einen bekommen wir eine unnötige Rückblenden-Story zu Dom und Jakob. Zum Glück wurden dafür Diesel und Cena nicht digital verjüngt, sondern tatsächlich durch Jungdarsteller gespielt. Doch allein diese Story, die auch nichts zu bieten hat (außer einen kurzen Auftritt von Michael Rooker), wird ins Unendliche gestreckt. Es hätte gereicht, sie einmal am Anfang und einmal am Ende zu zeigen. Mehr Inhalt hatte das eh nicht.

Zum anderen ködert man uns mit der Rückkehr von Han (Sung Kang). Der starb ja in Teil 3, dann kehrte er auf einmal in Teil 4 wieder zurück, war dann fester Bestandteil im fünften und sechsten Film und machte damit klar, die Chronologie der Reihe ist wie folgt: Teil 1, 2, dann 4, 5, 6 und dann erst Teil 3 und schließlich 7, 8 und jetzt 9. Was ein einziger Charakter doch ausrichten kann. Das Problem ist nur, Teil 9 hätte Han so überhaupt nicht gebraucht. Die Erklärung, wie er überlebt hat, ist so langweilig, dass es für eine Reihe wie „Fast and Furious“ schon als peinlich zu bezeichnen ist. Da hätte man gerne sehr, sehr viel verrückter vorgehen können.

Tja, und was bleibt dann noch??? Nicht viel. John Cena ist als Schurke ziemlich blass und langweilig. Die große Action mit Elektromagneten ist auch nicht wirklich berauschend. Abgesehen von den ersten fünfzehn Minuten, die wirklich unterhaltsame Action-Nummern liefern, hat „F9“ nun Transformers-Niveau erreicht. Sprich, die Action langweilt mehr als das sie unterhält. Es gibt nach der Eröffnungssequenz noch eine „Schlacht“ in Edingburgh und später in Tiflis… immer mit Magneten natürlich. Ach ja, und Tej und Roman fliegen ins All, aber so cool das auch klingen mag, so langweilig ist das am Ende leider…

Auch die „Familienmitglieder“ selbst ziehen einfach nicht mehr. Tej und Roman werden selbstreferenziell und Roman bezeichnet sich nach all den Abenteuern als unbesiegbar. Die einzelnen Charaktere interagieren eigentlich kaum noch wirklich miteinander. Sie müssen halt einfach alle da sein, weil sie mit dazu gehören. So wirklich was mit ihnen anfangen, kann der Film aber nicht. Da hilft auch die vermeintliche Brüder-Geschichte kein bisschen.

„F9“ ist sich selbst zu viel geworden und erstickt an seiner eigenen Absurdität, die ein Level erreicht hat, dass auch nicht mehr wirklich spaßig ist, sondern sich mehr wie eine schwerfällige Pflichtkür anfühlt.

Wertung: 3 von 10 Punkten (langweilig, überladen… es sollte langsam wirklich Schluss sein)

5 Kommentare leave one →
  1. 26. Juli 2021 15:41

    Die schlechten Stimmen häufen sich ja leider, aber den werde ich mir dennoch geben.
    Diesen Mittwoch dann was zu „Der Rausch“?^^

    • donpozuelo permalink*
      27. Juli 2021 14:27

      Der Artikel zu „Der Rausch“ kommt morgen 😅

    • donpozuelo permalink*
      27. Juli 2021 14:34

      Nicht morgen… Freitag 😅

  2. 8. August 2021 19:30

    Han ist zurück …da war ich raus. Das nimmt der Tragik um die Figur doch alle Schwere. Sowas blödes.

    • donpozuelo permalink*
      8. August 2021 21:04

      Diese ganze Reihe nimmt jeder Figur die Tragik. Tode bedeuten einfach gar nichts mehr. Letty war schon mal tot, wieder da. Han war schon tot, auch wieder da. Sie können hier echt jeden zurückholen. 😀

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