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Who is Don Draper?

14. Juli 2021

Es ist schon wirklich faszinierend, wie sich eine Serie um einen sympathischen Unsympathen wie Don Draper drehen kann. Das Faszinierendste für mich daran ist einfach die Tatsache, wie gut es „MAD MEN“ seit Staffel 1 schafft, dieses Typus Mann vor unseren Augen mehr und mehr zerbrechen zu lassen. Gerade in der ersten Season war er ja wirklich noch dieser Bond-Typ: Alkohol, das liebe Leben und die Frauen… und irgendwie ist er immer wieder damit durchgekommen. Doch mehr und mehr zerbricht diese Welt für ihn, ihm entgleitet alles, was ihm einmal Halt gegeben hat… und in keiner Staffel kommt das besser und ergreifender zum Ausdruck als in STAFFEL 4. Die vor allem noch etwas ganz anderes schafft…

Mit der Frage „Who is Don Draper?“ fängt Staffel 4 einfach mal. Ein Reporter stellt Don diese Frage und sie wird sich stärker denn je durch die gesamte Staffel ziehen. Dabei läuft scheinbar alles wunderbar. Die neue Werbeagentur läuft gut an, Sterling Cooper Draper Pryce hat seinen Stempel der New Yorker Werbelandschaft aufgedrückt und es scheint fast wieder alles beim Alten zu sein. Doch natürlich brodelt es wieder stark unter der schönen Oberfläche dieser tollen Werbewelt.

Wie schon erwähnt, es ist wirklich faszinierend spannend, was Staffel 4 mit Don Draper anstellt. Und zum ersten Mal, seit ich diese Serie gucke, habe ich tatsächlich ein wenig Mitgefühl mit diesem Mann. Vorher war er einfach nur ein absolutes Arschloch, der seine Frau betrog, wo er nur konnte, der anderen Frauen das Herz brach (die arme Lehrerin in Staffel 3 werde ich ihm dabei nie verzeihen können, das ging mir einfach zu nah – auch wenn sie es hätte selbst besser wissen müssen), der sich am Zenit allen Lebens glaubte. Doch es bricht einfach an allen Ecken und Enden für ihn zusammen. Staffel 4 zeigt ihn uns jetzt wirklich in einer Identitätskrise, die ein Jon Hamm nicht besser ausspielen könnte. Was er als Schauspieler und die Autoren durch die Drehbücher hier schaffen, ist wirklich großartig. Dons Entwicklung bis jetzt ist eine der am besten ausgetüftelten Dekonstruktionen eines Charakters, die mir bislang im Serien-Bereich untergekommen ist.

An allen Fronten wird er in dieser Staffel mit den Frauen in seinem Leben konfrontiert. Es taucht diese Künstlerin Midge (Rosemarie DeWitt) aus Staffel 1 wieder auf, die mittlerweile an der Nadel hängt. Richtig toll fand ich dann auch, was Staffel 4 mit Dons Tochter Sally (Kiernan Shipka) machen, die ihrem Vater ein wenig aufs Dach steigt (wobei ich die Folge, wo sie wegläuft und bei ihrem Vater leben möchte, echt verdammt stark fand) und sich später mit einem Jungen anfreunden, den ihre Mutter nicht mag. Auch in der Vater-Tochter-Beziehung wird Don gefordert ohne Ende…

Die beste Folge der Staffel ist für mich aber zweifelsohne Folge 7 „The Suitcase“, die sich nur auf Don und Peggy (Elisabeth Moss) konzentriert, die Überstunden schieben müssen. Diese Episode war emotionsgeladen wie keine zuvor. Gleichzeitig spielt hier auch eine Elizabeth Moss wieder unglaublich stark auf und die Beziehung zwischen Don und Peggy wird auf ein neues Level gehoben, wenn die Beiden sich mit allem konfrontieren, was sie so über den anderen denken. Hier zeigt sich dann auch, wie Don wirklich zu Peggy steht… und was sie ihm bedeutet. Unfassbar starke Folge, die einmal mehr zeigt, wie gut strukturiert diese Staffel ist und wie gut Don Draper hier auseinandergenommen wird.

Für die Dekonstruktion des Don Draper müssen in dieser Staffel einige andere Charaktere etwas kürzer treten, werden aber ebenfalls toll in Szene gesetzt. Die ganze Joan-Geschichte um Christina Hendricks ist wirklich stark (besonders, wenn Peggy ihr vermeintlich helfen will). Peggys Entwicklung ist wieder mal ein Highlight… aber wie gesagt, Don überstrahlt hier mit seinen eigenen Problemen mehr denn je.

Und hier will ich kurz zu dem Punkt kommen, der mich überrascht hat. Zum ersten Mal in dieser Serie habe ich Betty (January Jones) wirklich gehasst… aber auf eine nachvollziehbare Weise. Ihr geht die ganze Nummer mit Don auch nicht aus dem Kopf, aber wie sie gerade mit ihrer Tochter und später mit der langjährigen Haushälterin Carla (Deborah Lacey) umgeht, war schon ziemlich gemein von ihr. Was aber auch zeigt, wie sehr sie am Straucheln ist.

Staffel 4 von „Mad Men“ war wirklich ein Highlight (was mir ja schon in Staffel 1 angekündigt wurde). Die Entwicklung der einzelnen Figuren ist nach wie vor unglaublich gut geschrieben… Jon Hamm brilliert in dieser Staffel wie nie zuvor. Und ich bin immer noch platt, dass ich anfangs noch überlegt hatte, mit der Serie aufzuhören. So kann man sich irren.

Wertung: 9 von 10 Punkten (die Werbewelt und ihre Menschen fasziniert auch in Staffel 4 noch ohne Ende)

5 Kommentare leave one →
  1. 14. Juli 2021 07:54

    Hach, das freut mich sehr, dass dir die Staffel auch so gut gefallen hat. Schön! „The Suitcase“ ist auch meine Lieblingsfolge der Staffel und vermutlich auch der ganzen Serie. Das Schöne ist auch: Wirklich schlechter wird die Serie nicht. Für mich hat sie mit der vierten Staffel jedoch ihren Höhepunkt erreicht.

    • donpozuelo permalink*
      14. Juli 2021 08:33

      „The Suitcase“ ist wirklich eine fantastische Folge… und ja, auch der Rest der Staffel ist wirklich, wirklich toll.

      Für mich bislang auch das Highlight der Serie. Aber ich muss auch sagen, dass die Serie es echt gut schafft, das hohe Niveau zu halten. Daher mache ich mir keine Sorgen, was noch kommt 😁

  2. 4. August 2021 18:40

    Na da bin ich ja jetzt schon gespannt wie du die 5. findest – die mMn stärkste Staffel. 🙂 Ist das nicht auf die Staffel mit Megan? Wo sie das erste Mal auftaucht. Ugh, das hat mich auch ziemlich beschäftigt …
    Und ja, Betty war wirklich schwierig in der Staffel >.<

    • donpozuelo permalink*
      5. August 2021 15:02

      Ja, genau. Megan taucht auf… und dann macht er ihr ja am Ende sogar den Antrag. Die ganze Story mit ihr fand ich auch echt krass… vor allem weiß man doch schon von Anfang an, dass das kein gutes Ende nehmen wird… 🙈 die Arme tut mir schon direkt ein wenig leid.

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