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Constantines Nachwuchs

30. Juni 2021

Ich finde es ja faszinierend, dass mittlerweile tatsächlich zwischen „Anime“ und „anime-influenced“ unterschieden wird. Sowas wie „Avatar“ ist somit nun endgültig kein Anime mehr, sondern „anime-influenced“, weil es eben nicht aus Japan kommt. Somit hat die stetige Entwicklung neuer Animationsserien, die sehr japanisch wirken, aber es am Ende gar nicht sind, die lange Debatte, ob „Avatar – Der Herr der Elemente“ nun eine Anime-Serie ist oder nicht geklärt. Es heißt jetzt „anime-influenced“… haben wir wieder was gelernt. Eine neue, dieser „anime-influenced“ Serien, von denen es auf Netflix ja gefühlt jede Woche drei gibt, will ich heute mal vorstellen: „TRESE“.

Alexandra Trese ist eine Kriegerin, die in Manila die Welt der Menschen vor Übergriffen aus der Unter- und Geisterwelt beschützt. Vor Jahren hat ihr Vater mit den höchsten Vertretern der Familien der übernatürlichen Sphären eine Vereinbarung geschlossen, das Gleichgewicht in der Welt aufrecht zu erhalten. Doch mittlerweile häufen sich die Ereignisse, bei denen übernatürliche Wesen Morde begehen. Im Mittelpunkt von all dem scheint der Bürgermeister von Manila zu stehen… aber auch die Geschichte der Trese-Familie kommt bei all den Ermittlungen ans Tageslicht.

„Trese“ basiert auf der gleichnamigen philippinischen Comic-Reihe und ich hoffe wirklich, dass wir da in dieser Form noch mehr zu sehen bekommen werden. Denn „Trese“ hat das gleiche „Problem“ wie einst „Castlevania“ Staffel 1: Es füttert dich wunderbar an, macht dich heiß auf mehr und ist dann auf einmal schon wieder vorbei. „Castlevania“ hatte damals nur vier Folge, „Trese“ hat jetzt in der ersten Staffel nur sechs Episoden, die etwa dreißig Minuten lang sind. Viel zu kurz und viel zu wenig… denn tatsächlich hat mich diese Welt von „Trese“ sofort in ihren Bann gezogen.

Die unterschiedlichen übernatürlichen Wesen allein sind schon echt faszinierend gewesen. Und ich rede hier jetzt nicht von Zombies (die gibt es in der Serie auch) oder Vampiren oder solchem üblichen Käse. Nein, es gibt coole Wesen, die (da gehe ich jetzt mal von aus) wahrscheinlich auch von der philippinischen Folklore beeinflusst sind… ich weiß es leider nicht. Auf jeden Fall bietet „Trese“ eine Vielzahl wirklich spannender Kreaturen. Ob es nun ein Vin-Diesel-artiges Pferde-Wesen ist, das selbst „Fast and Furious“ alt aussehen lässt oder das Zucker liebende und in der Kanalisation lebende Wesen Nuno ist, das Trese als Informant dient oder oder oder… es gibt Geister, Monster jeder Art, Fabelwesen, Windwesen, Meerjungfrauen und was man sich noch alles so vorstellen kann. Auch wenn das in diesen sechs Episoden schon viele waren, hätte ich mir gerne noch mehr gewünscht.

Durch dieses kunterbunte Treiben der Wesen führt uns die junge Trese, eine coole Kämpferin fürs Recht, die knallhart ist, sich bestens in Beschwörungen und allem Magischen auskennt und damit einer langen Familientradition folgt. Schon in der ersten Episode musste ich an „Constantine“ mit Keanu Reeves denken. Alexandra Trese ist eine würdige Nachfolgerin, deren Ermittlungen mindestens genauso spannend sind wie die von John Constantine.

Spannend vor allem deswegen, weil sich Staffel 1 von „Trese“ echt gut entwickelt: Anfangs denkt man, wir haben es mit „Monster of the Week“-Episoden zu tun, die nicht wirklich zusammenhängen. Einzig und allein die in Schwarz-Weiß gehaltenen Intros zu den Episoden, die uns Alexandras Vergangenheit näher bringen, folgen einer Chronologie. Doch je mehr Trese ermittelt, desto mehr offenbart sich uns auch ein größerer Plan… bei dem wir dann merken, wie alles miteinander zusammenhängt. Sprich: Neben der ganzen Geister-Ebene ist „Trese“ auch eine echt coole Detektiv-Story mit spannenden Charakteren und Action, die – und hier kann ich wieder „Castlevania“ zitieren – vor nichts verstecken muss. Diese Serie geht auch ordentlich blutig zur Sache.

Die erste Staffel erzählt eine in sich geschlossene Story, aber die vielen Versatzstücke innerhalb der Serie und auch ein Teaser im Finale machen Lust auf Staffel 2, die hoffentlich bald angekündigt und dann auch länger sein wird. „Trese“ hätte es definitiv verdient. Die Serie macht zwar nicht unbedingt was Neues (siehe „Constantine“), aber wie sie es macht, ist verdammt unterhaltsam.

Wertung: 8 von 10 Punkten (faszinierende Geisterwelt trifft auf brutale Kämpfe und eine coole Ermittlerin des Paranormalen)

9 Kommentare leave one →
  1. 2. Juli 2021 22:27

    Die Serie sagte mir bisher gar nix – ebenso wenig wie das Wort Anime-influenced. Avatar hätte ich bisher schlicht und einfach als Zeichentrickserie bezeichnet…
    Gibt’s die hier auf Netflix oder Co.?

    • donpozuelo permalink*
      3. Juli 2021 09:15

      Ja, scheinbar möchte man jetzt doch klarer unterscheiden und wählt dann diesen Begriff. Habe jetzt auch das erste Mal davon gehört.

      Trese gibt es auf Netflix. Ist ein Original.

  2. 5. Juli 2021 19:47

    Klingt gut – da werde ich wohl mal einen Blick riskieren.
    Wobei mir diese ganze anime-influenced-Sache nicht so ganz geheuer ist.

    • donpozuelo permalink*
      5. Juli 2021 20:55

      Ja, den Blick kannst du mal genießen. Was ist dir an der anime-influenced Sache nicht geheuer? Der Begriff an sich oder einfach der Stil?

      • 5. Juli 2021 21:02

        Der Stil. Auf Einzel- und Promobildern sieht das immer nach Anime aus, aber wenn man dann reinschaut ist es ähnlich „kostengünstig“ und undynamisch animiert wie andere Cartoons. An und für sich will ich die nicht alle über einen Kamm scheren, aber rein zahlenmäßig kriegen mich Anime öfter als Animationsserien anderer Gangart. Deswegen fühlen sich diese anime-influenced oder animestyle Serien häufig nach heißer Luft an … muss gestehen, dass ich nach dem Schauen des Trailers was den Stil betrifft einen ähnlichen Eindruck habe. Wenn ich den alleine nehme ohne deine Review, käme ich wohl nicht auf die Idee die Serie zu schauen. Den Comic habe ich auch mal gegoogelt, der sieht um einiges düsterer und eher edgy aus. Krass. Aber ich verstehe alleine vom Trailer was du mit der Ähnlichkeit zu Constantine meinst 🙂

        • donpozuelo permalink*
          5. Juli 2021 21:14

          Ja, so ging es mir auch… muss ich tatsächlich sagen. Und ja ich verstehe, was du meinst. Gerade Netflix ballert ja auch gefühlt drei solcher Serien pro Woche raus…

        • 5. Juli 2021 21:17

          Man fragt sich halt auch … wer ist besser dran? Die Zeichner, die für solche Cartoons angestellt werden oder die die solche optischen Perlen wie Violet Evergarden oder Dorohedoro zeichnen. Angeblich alle unterbezahlt … naja. Das führt jetzt wahrscheinlich etwas zu weit … . Aber ja Netflix hat scheinbar einige davon im Programm. Aber auch halt sowas wie Dorohedoro. Der is klasse …

        • donpozuelo permalink*
          6. Juli 2021 07:26

          Dorohedoro… gut zu wissen. Danke für den Tipp. Setze ich mal auf meine Liste.

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