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Draper, Don Draper – Arschloch

23. Juni 2021

Ich hatte mit „MAD MEN“ ja so meine Anfangsschwierigkeiten. Ich bin aber froh, dass ich dran geblieben bin, denn mittlerweile fühle ich mich in dieser Welt ganz wohl. Nach zwei Staffeln war ich nun endlich wirklich angekommen und auch richtig heiß auf all das, was mich noch so erwarten würde. Doch seit der ersten Staffel kämpfe ich damit, den vermeintlichen Helden dieser Geschichte irgendwie sympathisch zu finden. Das hat sich dann in der dritten Staffel mehr als nur bemerkbar gemacht.

In Staffel 3 wird es voll im Draper-Haus. Betty (January Jones) bekommt das dritte Kind. Ihr Vater zieht für eine kurze Zeit ein. Währenddessen wird Don (Jon Hamm) durch einen merkwürdigen Zufall ein enger Freund und Berater von Hotel-Besitzer Conrad Hilton (Chelcie Ross). Die Fusion mit den Briten bereitet allen in der Werbeagentur immer noch Schwierigkeiten und Probleme. Peggy (Elizabeth Moss) und auch Pete (Vincent Kartheiser) werden sogar (wenn auch erfolglos) von der Konkurrenz umworben. In all dem Chaos findet Betty dann plötzlich heraus, dass Don ihr die ganze Zeit etwas vorgemacht hat und reicht schlussendlich die Scheidung an.

Und fangen wir einfach mal direkt damit an: Versteht mich jetzt bitte nicht falsch, ich habe „Mad Men“ mittlerweile wirklich lieben gelernt und gucke die Serie wirklich sehr, sehr gerne. Aber sorry, Don Draper ist ein Arschloch und ich kann beim besten Willen kein Mitleid für ihn aufbringen. Staffel 3 provoziert das besonders stark. Da fängt er zum Beispiel eine Affäre mit der Lehrerin seiner Kinder, Suzanne. Abigail Spencer spielt sie wirklich unglaublich toll… und sie hat mir wirklich das Herz gebrochen. Sie fällt so sehr auf Don herein, dass es sie nicht einmal stört, dass er Familie hat. Sie will einfach nur mit ihm zusammen sein. Irgendwann zum Ende der Staffel bricht Don das Ganze ab… und selbst dann fragt Suzanne noch, ob es ihm gut gehe. Solche Menschen hat ein Don Draper einfach nicht verdient.

Als Betty dann den Schlussstrich zieht, ist das einfach nur eine gerechte Form der Strafe für diesen Mann, der alles in seinem Leben als eine Selbstverständlichkeit gesehen hat. Er hat alles genossen, was er nur konnte, ohne dabei je über die Konsequenzen nachzudenken. Don Draper ist ein Lebemann, wie er im Buche steht – und sicher hat das irgendwo eine Anziehungskraft. Er ist der König dieser Serie, alles dreht sich um ihn. Aber es ist gerecht und gut, dass die Serie nun auch ihm mal den Boden unter den Füßen entzieht. Genau das hat er gebraucht – sonst würde er wahrscheinlich komplett abheben.

Jon Hamm ist nach wie vor toll in dieser Rolle, aber es tut gut, diese nahezu perfekte Fassade auch mal bröckeln zu sehen. Am Ende kann er nur einer einzigen Frau in Staffel 3 seine Treue eingestehen – und das ist Elisabeth Moss‘ Peggy. Deren Beziehung wird innerhalb einer Folge auf eine ganz neue, sehr spannende Ebene gehoben, die dann hoffentlich in Staffel 4 noch weiter ausgebaut wird.

So sehr ich also Don Draper bisher nicht mochte, muss ich doch „Mad Men“ dafür loben, wie sie das geschafft haben… eine Serie rund um diesen sympathischen Unsympath aufzubauen. Am Ende sind es schließlich genau solche Rollen, die wirklich interessant sind, die einen faszinieren – und das gelingt „Mad Men“ in Staffel 3 mehr denn je.

Dazu kommt dann noch das Ganze drumherum, was es wirklich spannend macht. Auch Staffel 3 bindet wieder gekonnt das Zeitgeschehen ein. Dieses Mal dreht sich alles um die Ermordung Kennedys. Dennoch sind viele Geschichten auch etwas überhastet oder nicht richtig zu Ende gedacht. Peggys Geschichte rund um ihre Mutter und den Pfarrer aus Staffel 2 wird ignoriert. Peter Campbell bekommt so eine kleine fiese Episode mit dem Au pair seiner Nachbarn, die auch etwas merkwürdig hinzugefügt wirkt – so nach dem Motto: „Peter muss mal wieder ein Arschloch sein“. Und besonders schade finde ich, wie schnell man Salvatore Romano (Bryan Batt) aus der Serie gekickt hat. Ich mochte ihn sehr.

Staffel 3 von „Mad Men“ bleibt aber spannend und faszinierend. Jetzt, wo ich mich so gut in diese Welt der Werbung eingelebt habe, kann ich gar nicht glauben, dass ich das alles fast nicht weitergeguckt hätte.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Jon Hamm ist einfach wunderbar verachtenswert)

7 Kommentare leave one →
  1. 23. Juni 2021 07:51

    Es freut mich weiterhin sehr, dass dich die Serie doch noch abholen konnte. Schön!
    Nun bin ich sehr gespannt, was du zur 4. Staffel sagst, welche meine Lieblingsstaffel der Serie ist. Vielleicht auch, weil ich sie schon zweimal gesehen habe.

    • donpozuelo permalink*
      23. Juni 2021 16:36

      Ja, die Serie steigert sich gefühlt mit jeder neuen Staffel. Das spricht schon mal sehr für Season 4 😁 und wie gesagt, ich find’s bemerkenswert, was wir mit Don Draper für eine Hauptfigur haben, die so charmant, aber auch so widerlich sein kann. Echt gut gespielt von Jon Hamm

      • 23. Juni 2021 21:58

        Ja, da kann ich nur zustimmen. Und ich hatte tatsächlich manchmal Mitleid mit ihm, auch wenn er ein Arsch ist. Eben weil Hamm es so überzeugend spielt und Draper innerhalb seiner Welt und Werte konsistent bleibt.

        • donpozuelo permalink*
          24. Juni 2021 10:14

          Draper funktioniert in der Welt der Serie wirklich gut… und die Serienmacher nutzen das geschickt, um diese ganze schöne Fassade einzureißen. Ist echt stark gemacht…

  2. 1. Juli 2021 20:23

    Ja das ist der Mad Men Effekt … zuerst findet man es ein bisschen langweilig, dann will man gar nicht mehr aufhören XD Und du hast noch sooo gute Staffeln vor dir. Ich bin gespannt, was du zu den nächsten beiden sagst.
    Wie schnell sie Salvatore Romano rausgeschmissen haben, werde ich ihnen wahrscheinlich bis zum Ende übel nehmen! Auch ich mochte die Figur und hätte mir gewünscht, dass er noch mehr Screen Time bekommt. Zudem hatte er ein … naja … zeitgeist-bedingt dramatisches Potential.

    Pete ist ein schönes Beispiel dafür wie die Branche und das Umfeld einen Typen zum Arschloch oder Don Draper 2.0 heranzieht. Da kommt noch einiges …
    Eine meiner Lieblings-Nebenfiguren wurde ja tatsächlich Ken Cosgrove. Der hat sehr wenig Screentime, aber ist neben Peggy eine der wenigen Figuren, die ich auch mal im echten Leben treffen wollen würde.

    Dass sich Don Draper aufspielt und er arrogant ist: ja. Aber es ist auch gleichzeitig Zeugnis einer Maskerade, die manchmal erschreckend schnell eingerissen werden kann.

    Ich schaue gerade Staffel 6 … und befürchte du holst mich vielleicht noch ein 😉 Vielleicht schaue ich auch nach Staffel 6 erstmal was anderes und warte absichtlich ein bisschen XD

    • donpozuelo permalink*
      3. Juli 2021 09:23

      Salvatore fand ich echt toll. Ja, aus ihm hätte man noch sehr viel mehr machen können… Schade, aber gut, wer weiß, was da die Gründe für den Abgang hinter den Kulissen waren.

      Und ja, die Maskerade… das stimmt. Und es ist auch echt spannend für uns als Zuschauer zu sehen, wie die mehr und mehr bröckelt.

      😅😅😅 du darfst auch gerne schon weiter gucken 🤣

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  1. Who is Don Draper? | Going To The Movies

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